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„Maligayang Pasko!“: 19-Jährige aus Fulda feierte Weihnachten in Kinderheim auf den Philippinen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Philippinen - „Maligayang Pasko“ heißt auf Filipino „Fröhliche Weihnachten“. In diesem Jahr feierte Gloria Gabriel (19) Heiligabend fernab der Heimat: nämlich in 20.225 Kilometern Entfernung auf den Philippinen. Dort absolviert sie ein Freiwilliges Soziales Jahr und arbeitet in einem Kinderheim.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

Pünktlich zu Weihnachten macht sich ein Kratzen im Hals und ein Jucken in der Nase breit: Vor der fast typischen Wintergrippe kurz vor Weihnachten bleibt auch Gloria Gabriel nicht verschont – und das trotz 25 Grad auf den Philippinen. Denn auf der Insel ist die „kalte Jahreszeit“ angebrochen.

„Ich trage seit zwei Wochen einen Pulli, weil mir kalt ist. Es erinnert mich an die Vorweihnachtszeit in der Heimat“, scherzt sie. Das Weihnachtsfest aber wird auf den Philippinen weit vor dieser Zeit zelebriert. Spekulatius, Lebkuchen und Plätzchen Ende Oktober im Supermarkt zu finden ist in Osthessen nichts Neues.

Weihnachtscountdown auf Anzeigetafeln

„Wer denkt, wir Deutschen übertreiben, der muss auf die Philippinen kommen“, berichtet die 19-Jährige. Bereits seit September sind die Supermärkte auf der Insel voll mit Weihnachtsprodukten, Weihnachtslieder werden hoch und runter gespielt und auf öffentlichen Anzeigen werden die Tage bis zur Heiligen Nacht heruntergezählt. Dies gehört zum Erscheinungsbild des katholisch geprägten Landes.

Vor einer Woche hat die 19-Jährige angefangen, Plätzchen nach Rezept des Vaters zu backen. Auf einen Weihnachtsbaum muss sie aber verzichten, denn diese wachsen dort nicht. Vor der Kirche steht eine Tanne aus Plastik. Generell lassen sich kaum Parallelen erkennen. „Weihnachten wird nicht besinnlich und ruhig, sondern wild und laut gefeiert.“

Feier mit Tanz und Gesang

Wie genau der heutige Tag ablaufen wird, kann die Melzdorferin noch nicht sagen, denn die Einwohner seien sehr spontan. „Vermutlich werde ich morgens den Gemeinschaftsraum dekorieren, danach machen sich alle hübsch, es geht in die Kirche und anschließend zum Essen“, wagt die 19-Jährige eine Prognose. Zur Feier des Tages wird noch leidenschaftlich getanzt und lautstark gesungen – wie fast jeden Tag.

Beim Festmahl gilt das Motto „Von der Farm auf den Teller“. Die Kinder aus dem Jugendheim haben sich Reis mit Nudeln, frittiertem Huhn und Tomatensauce gewünscht. „Wir bauen selber Reis an und haben Hühner und Schweine. Es kann gut sein, dass ich meine Mahlzeit an Weihnachten selber geschlachtet habe“, flachst Gloria.

„Total spannend“

Sie betreut mit einer zweiten jungen Dame 30 Mädchen im Alter von drei bis achtzehn Jahren. Die beiden teilen sich ein Zimmer und sind für Frühstück, Kinderbetreuung und landwirtschaftliche Arbeit zuständig. Das Heim gehört zur Kinderrechtsorganisation Bahay Tuluyan und finanziert sich durch Spenden.

Mit einem Koffer voller Geschenke wird Mutter Sabine Heiligabend landen, Bruder Till ist für Strandurlaub bereits eine Woche früher angereist. „Was mich erwartet, weiß ich noch nicht. Ich denke schon, dass festliche Stimmung aufkommen wird, aber eben auf eine andere Weise. Ich finde es total spannend, Weihnachten in einer anderen Kultur mitten unter Einheimischen zu erleben“, zeigt sich die Mutter voller Vorfreude.

Einzig Vater Michael bleibt aufgrund der langen Flugdauer in der Heimat. Er feiert zum Kontrast ganz klassisch mit seinen Eltern in Eisenach Weihnachten.

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