Noch ist es an den Stränden von Mallorca ruhig. Nur begrenzt dürfen Touristen auf die Baleareninsel.
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Noch ist es an den Stränden von Mallorca ruhig. Nur begrenzt dürfen Touristen auf die Baleareninsel.

Ab auf die Balearen

Reisen in Corona-Zeiten: Magisches Mallorca ohne Massentourismus

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Hochsaison am Ballermann – eigentlich bedeutet das Sonne, Strand und Sauftourismus. Doch in El Arenal, wo sich deutsche Urlaubermassen normalerweise auf die Füße treten, herrscht derzeit gähnende Leere. Das hat durchaus seinen Reiz. Nach den erneuten Lockerungen steigt die Zahl der Touristen. 

  • Unsere Redakteurin Daniela Petersen war kurz nach der Aufhebung der Reisewarnung auf Mallorca unterwegs .
  • Von Party ist aktuell keine Spur - die Insel zeigt dank ihrer Sehenswürdigkeiten eine andere Art von Charme.
  • Touristen müssen dieser Tage dennoch mit einem Anruf vom Gesundheitsamt der Balearen rechnen.

El Arenal/Mallorca- Der Megapark wirkt wie ein schlafender Riese. Die Eingänge sind mit Gittern zugestellt. Und statt Mickie Krause singt ein Vogel, der unter den üblichen Umständen und um diese Tageszeit im Trubel nicht zu hören gewesen wäre. Nachdem die Coronamaßnahmen nun langsam gelockert werden, ist es noch ruhig am Ballermann 6 – einem Ort, an dem die Tapasbar „Jesus y Maria“ neben einem Nachtclub namens „Oben ohne“ liegt und wo eigentlich schon am Vormittag der Alkohol in Mengen fließt.

Doch die ersten Urlauber, die in dieser Woche aus Deutschland auf die Insel gekommen sind, verhalten sich brav: Im Hotel tragen sie Mundschutz. Vorm Restaurant lassen sie ihre Temperatur messen. Selbst in den wenigen Kneipen, die geöffnet haben, wird der Abstand eingehalten.

Party? Von wegen! Die Feierkultur hat momentan auf Mallorca Sendepause.

Das Pilotprojekt, das die TUI in Zusammenarbeit mit der balearischen Regierung gestartet hat, scheint zu funktionieren. Und anders als geplant, werden die spanischen Grenzen nun schon am 21. Juni und nicht erst ab Juli öffnen.

Coronavirus in Spanien: Sieben Wochen Ausgangssperre am Stück

Die Balearen hatten bisher rund 2300 Covid-Fälle und waren weniger stark betroffen als Madrid oder Barcelona. „Aber ich denke, dass wir eine zweite Welle haben werden“, befürchtet Vanessa, die in Palma in einem Kleiderladen arbeitet. „Wir sind eine Touristeninsel. Das wird sich nicht vermeiden lassen“, fügt sie an.

Tipps

Ausflug: Sehr zu empfehlen ist ein Ausflug nach Palma. Von El Arenal aus fährt regemäßig ein Bus zur Kathedrale. Die Fahrt kostet zwei Euro. Neben der Kathedrale gibt es auch viele andere imposante Gebäude. In der Innenstadt lohnt sich ein Blick nach oben: Dort sieht man Fassaden, die an Antoni Gaudí erinnern - aber nicht von ihm gestaltet wurden. Wer ein Werk des berühmten Architekten sehen möchte, der muss die Kathedrale besuchen. Gaudí hat dort den letzten großen Umbau geplant und zum Beispiel den Altarraum gestaltet.

Disko: Am Ballermann ist im Moment nichts los. Einige wenige Kneipen sind geöffnet, aber Bierkönig, Megapark und Oberbayern haben alle zu. Es ist auch nicht sicher, wann die Diskos und Nachtclubs wieder aufmachen dürfen.

Hotel: Das All-Inklusive-Hotel RIU Bravo an der Playa de Palma kostet für sieben Nächte in der ersten Juliwoche 975 Euro pro Person. Der Flug ist inkludiert. Im Hotel gilt Mundschutzpflicht in allen öffentlichen Bereichen. Überall stehen Desinfektionsstationen. Das Buffet ist portioniert und man darf sich die Teller nur mit Plastikhandschuhen nehmen. Am Tisch - und übrigens auch auf den Pool-Liegen - dürfen die Masken abgenommen werden.

Ihr Geschäft ist eines der wenigen, die schon geöffnet haben. Wenn ein Kunde etwas anprobiert, dann muss sie es mit heißem Dampf desinfizieren. Die Situation sei traurig, aber sie sei froh, dass der Lockdown nun etwas zurückgefahren worden ist. Sieben Wochen lang galt in ganz Spanien eine Ausgangssperre. Wer draußen unterwegs war, der konnte damit rechnen, von der Polizei angehalten zu werden.

Palma: „Kathedrale des Lichts“ beeindruckt

„Ich fuhr nachmittags mit dem Fahrrad, da sagte man mir, dass ich das nur zwischen 20 und 23 Uhr machen darf“, erzählt Christian Kruschinski. Der 49-Jährige kommt aus der Nähe von Hamburg und arbeitet als Servicetechniker auf Yachten. Für den Job reiste er Mitte Mai nach Palma und erlebte, wie die Insel nach dem Lockdown langsam wieder erwachte. „Als es möglich war, stürmten erst einmal alle zum Strand“, erzählt er. Inzwischen habe sich das wieder etwas beruhigt.

Jetzt sitzt er vor der Kathedrale von Palma und trinkt ein Bier in der Sonne. Es sind kaum Menschen hier in diesem Touristencafé. Noch haben die Mallorquiner ihre Insel für sich. Besonders beeindruckend zeigt sich das in der Kathedrale, wo kaum etwas los ist. Die Kathedrale von Palma ist eine der größten gotischen Kirchen überhaupt. Hier nahezu alleine zu sitzen, ist ergreifend. In der Mittagszeit flutet das Licht durch die bunten Rosetten, und man kann gut nachvollziehen, warum das Gotteshaus auch den Beinamen „Kathedrale des Lichts“ trägt.

Die „Kathedrale des Lichts“ weiß Besucher in ihren Bann zu ziehen.

Gesundheitsamt auf den Balearen: Touristen werden nach möglicher Covid-Infektion befragt

Im Altarraum hängt ein riesiger Baldachin aus Schmiedeeisen, der von Antoni Gaudí gestaltet wurde. Sehenswert ist aber auch die Kapelle daneben, die 2007 vom mallorquinischen Künstler Miquel Barceló entworfen wurde. Wie eine krude Unterwasserwelt kommt das Werk aus keramischen Ton daher, das die Wundersame Brotvermehrung darstellen soll. Die Farben verschwimmen und scheinen dem Zufall anheim gefallen zu sein. Fische sind zu erkennen, Muscheln und Pflanzen. Alles als Relief gestaltet. Kurios aber interessant.

Plötzlich vibriert das Telefon. Es ist das Gesundheitsamt der Balearen. Jeder Urlauber wird in diesen Tagen angerufen und befragt, ob er Symptome einer Covid-19-Infektion hat – nach dem kurzen Ausflug in die Kunst von Miquel Barceló ist Corona wieder voll im Gedächtnis.

Auch am Strand von El Arenal muss man an das Virus denken. Ohne Corona würde es zu dieser Jahreszeit ganz anders aussehen: „Ich habe noch nie so wenige Leute hier am Strand gesehen“, sagt Herman. Der 31-Jährige ist Rettungsschwimmer, muskulös und hat ein Zahnpastalächeln. Er mag Partys und hatte gern ein bisschen mehr Trubel. Immerhin: Ein paar wenige Partygänger sind auch jetzt offensichtlich da. Mit seiner knallgrünen Badehose steht Sebastian im Sand und tanzt. Aus den Boxen dröhnt „Despacito“, was übersetzt „ganz langsam“ heißt. In diesen Wochen könnte kaum ein Songtexte passender sein. Denn: Nur ganz langsam erwacht die Insel.

Ob Urlaub in der Coronavirus-Pandemie teurer wird, hat der Schauinsland-Reisen-Geschäftsführer Gerald Kassner im Interview gegenüber unserer Zeitung verraten.

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