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„Auf Kosten unserer Gesundheit“: Bürgerinitiative auch gegen neuen Standort für Mobilfunkmast

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Von: Marcus Lotz

Mobilfunk-Sendemast
Ein geplanter Mobilfunkmast sorgt in einer Gemeinde im Kreis Fulda für Ärger. (Symbolbild) © Jens Kalaene/dpa/Symbolbild

Die Stimmung war gereizt: Bei einer Ortsbeiratssitzung zum geplanten Funkmast bei Schletzenhausen zeigten sich Gegnerinnen und Gegner des Projekts auch mit dem neuen Standort unzufrieden. Dabei war die Bürgerinitiative (BI) laut Bürgermeister selbst an dessen Auswahl mitbeteiligt.

Hosenfeld - „Sauerei!“ Diese und ähnliche Reaktionen musste sich der Ortsbeirat in seiner Sitzung am Montagabend aus den Reihen von rund 30 Bürgerinnen und Bürgern anhören, die ins Bürgerhaus in Hosenfeld-Schletzenhausen (Kreis Fulda) gekommen waren und ihre Ablehnung gegenüber dem neuen Standort zum Ausdruck brachten.

Fulda: Bürgerinitiative gegen neuen Standort für Mobilfunkmast

Zur Vorgeschichte: Nachdem sich gegen den geplanten Bau eines Mobilfunkmasts bei Schletzenhausen massiver Widerstand geregt hatte, hatten sich Bürgermeister Peter Malolepszy (CDU), die BI „Kein Mobilfunkmast in Schletzenhausen“ sowie der Ortsbeirat zusammengesetzt und sich auf fünf Alternativstandorte geeinigt.

Diese wurden dem Mobilfunkanbieter Vodafone vorgelegt. Vodafone stimmte daraufhin einem der Standorte zu. Laut Malolepszy liegt der neue Standort etwa 300 Meter weiter vom Ort entfernt als der bisherige. „Vodafone hat unsere Vorschläge geprüft und daraus den für die Mobilfunkabdeckung günstigsten Standort ausgewählt“, erklärte Malolepszy.

Der neue Standort befände sich etwas mehr als 800 Meter östlich der Ortslage. „Wie hoch der Mast sein wird, steht noch nicht fest, er soll aber nicht höher als der bisher geplante werden – also circa 50 Meter“, erläuterte der Rathauschef. Geplant sei zudem kein Gitter-, sondern ein Betonmast, der schmaler und damit nicht so auffällig sei.

Überhaupt sei der Mast in seiner Gänze lediglich von einem Drittel der Ortslage aus sichtbar. Verbaut werden sollen Antennen für 2G sowie 4G. Dabei handelt es sich um Abkürzungen für jeweils unterschiedliche Generationen für drahtlose Netzwerke. Doch auch der neue Standort stieß bei den Anwesenden auf Ablehnung.

Von allen fünf Vorschlägen habe sich Vodafone den mit Abstand schlechtesten ausgesucht. „Der Mast stünde dort nicht besonders schön“, kritisierte Helmut Frimmel, Sprecher der BI. Er beschwerte sich zudem, dass die BI nicht ausreichend in das Verfahren eingebunden werde. (Lesen Sie hier: Kleiner Ort, großer Widerstand: Drei von fünf Bürgern sind gegen neuen Funkmast)

Was sagt das BFS?

Dr. Florian Kohn ist Referent am Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder am Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Er sagt: „Der einzige nachgewiesene Effekt von Mobilfunkstrahlung auf den Organismus ist eine Erwärmung.“ Erst ab einer dauerhaften Erwärmung von einem Grad könnte es zu gesundheitsrelevanten Effekten kommen. Der Grenzwert für Mobilfunk wurde mit einem Sicherheitsfaktor von 50 berechnet – eine Erwärmung von 0,02 Grad darf nicht überschritten werden. „Dieser Wert wird regelmäßig kontrolliert und orientiert sich an Kindern und älteren Menschen. Eine Erwärmung von 0,02 Grad erreichen Sie übrigens schon dann, wenn Sie aus einer sitzenden Position heraus aufstehen. Der Körper kann so etwas mühelos ausgleichen.“ Auch auf die Pflanzenwelt habe Mobilfunkstrahlung keinen negativen Effekt.

Das wiederum löste einiges Erstaunen beim Bürgermeister aus. „Wir haben euch eingebunden. Wir saßen alle zusammen an einem Tisch und haben alle zusammen beschlossen: Diese fünf Standorte würden gehen.“ Auch dem Vorwurf, die BI werde nicht rechtzeitig informiert, widersprach Malolepszy entschieden.

„Ich habe euch alle Infos gegeben. Umgekehrt werde ich außen vorgelassen, wenn ihr beispielsweise Flugblätter verteilt“, sagte er Die BI hatte im Vorfeld einen Handzettel im Ort verteilt, welcher den neuen Standort – leicht versetzt – auf einer Karte zeigte und die Bürgerinnen und Bürger aufforderte, zur Sitzung zu kommen. „Zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gehört auch dazu, dass ich über sowas informiert werde“, monierte Malolepszy.

Bürgerinitiative fordert erneut von Vodafone, Funkmast woanders aufzustellen

Eine Frau befürchtete, Waldbesitz werde durch den Mast unattraktiv. „Wer weiß, ob die Pflanzen da noch wachsen?“ Eine weitere Bürgerin rügte, dass nicht bekannt sei, nach welchen Kriterien genau Vodafone die Standorte gegeneinander abgewogen habe. „Das geben die nicht raus, und uns fehlt sowieso die Fachkenntnis, das zu beurteilen“, so der Bürgermeister. Ein von Frimmel gefordertes fachliches „neutrales Gutachten“ lehnte er ab: „Das würde Tausende kosten und wäre für Vodafone nicht bindend.“

Ohnehin, so betonte Malolepszy immer wieder, sei die Gemeinde rein rechtlich außen vor: „Wenn Vodafone sich mit dem Grundstücksbesitzer einig ist, habe ich kein Recht, da einzugreifen.“ Der Bürgermeister wies auch darauf hin, dass der Mobilfunkanbieter überhaupt nicht auf die BI hätte eingehen müssen. „Die für Vodafone einfachste Lösung wäre gewesen, einfach am alten Standort zu bauen.“

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Das stieß bei einigen Anwesenden auf Empörung. „Wie kann eine einzelne Person“, kritisierte eine Bürgerin und meinte damit den Grundstücksbesitzer, „eine ganze Gemeinde tyrannisieren?“ Eine andere Frau warf dem Eigentümer, der selbst nicht anwesend war, jedoch namentlich auf dem Flugblatt genannt wird, vor: „Der will Geld auf Kosten unserer Gesundheit verdienen!“ Auch Frimmel wies erneut auf eine angebliche Gesundheitsgefährdung hin und sprach von gefährlicher Strahlung.

Kritisiert wurde auch, dass der Ort 5G nicht nötig habe – Empfang sei überall vorhanden. Dem widersprach Malolepszy deutlich und forderte die Anwesenden auf: „Bleibt bitte bei der Wahrheit.“ Er wies darauf hin, dass es „auch Andersdenkende gibt, die das Projekt befürworten“. Der Ortsbeirat beauftragte den Bürgermeister, darauf hinzuwirken, dass erneut ein anderer Standort gesucht wird und die Fragen der Bürgerschaft beantwortet werden.

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