Fotos: Daniela Petersen, Ralph Leupolt

Markus Hackenberg: Ein Leben in der Bütt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der Niederkalbacher Karnevalist Markus Hackenberg (53) gehört zur Fastnacht wie der Dom zu Fulda. Mit spitzer Zunge und feinsinnigem Humor überzeugt er mit seinen Büttenreden bei zahlreichen Veranstaltungen. Worüber das Publikum herzlich lacht, erfordert aber viel Arbeit. Am heutigen Samstagabend tritt er bei der FKG Fremdensitzung in der Orangerie auf.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

Leidenschaft, Ausstrahlung, Wortgewandtheit: Diese drei Worte beschreiben den Karnevalisten ziemlich gut und spätestens, als der 53-Jährige die Eingangspassage der neuen Büttenrede für die Fuldaer Karneval-Gesellschaft (FKG) „Ein Telekom-Postler“ beim Couch-Termin vorgetragen hat, ist klar, warum die FKG den Büttenredner mit folgenden Worten betitelt. „Stimmgewaltig und facettenreich verbinden sich bei ihm feinsinniger Humor und angenehm derbe Wortwahl.“

Bis es aber so weit ist, vergeht viel Zeit. „Das Publikum sieht nur die Spitze des Eisberges. Aber eine Büttenrede verlangt viel Vorbereitung und Arbeit“, erklärt er. Insgesamt 14 Auftritte hat der 53-Jährige, der pro Kampagne drei Büttenreden vorbereitet. „Vom ersten Wort bis zur letzten Feinarbeit am Kostüm vergehen zwischen 150 und 200 Stunden pro Rede“, informiert der Wortakrobat, der zudem beim Niederkalbacher Carneval Verein (NCV) erster Präsident ist. Mit dem Schreiben muss Hackenberg deswegen bereits im Oktober anfangen.

Seit 18 Jahren schreibt er Reden selber

Dass sich die Fastnacht seit nunmehr 29 Jahren an Hackenberg erfreuen darf, ist einem Zufall zu verdanken. „Da 1992 sämtliche Koryphäen in Niederkalbach aufgehört haben, wurde ich gefragt, ob ich einspringen könne. Die Rede kam bei den Zuhörern gut an, weshalb ich dabei geblieben bin.“

Anfangs habe sich der Vater zweier Kinder von anderen Reden inspirieren lassen, seit 18 Jahren schreibt er diese komplett selber. „Ich halte traditionelle Büttenreden. Das heißt, die Verse sind gereimt. Das ist nicht einfach, da das Versmaß stimmen muss“, erklärt der 53-Jährige.

Und diese kommen gut an. Zwei Mal hat es Hackenberg sogar mit seinen Büttenreden ins Fernsehen geschafft. „Wichtig ist es, mit den Emotionen der Zuhörer zu spielen. Zudem sind Kuriositäten in der Bütt das A und O.“ Im Laufe der Zeit sei das Publikum im Kreis aber verwöhnt, weshalb das Niveau der Büttenreden entsprechend hoch sein müsse. In diesem Jahr tritt er mit den Reden „Ein Telekom-Postler“, „Mann vom DW“ und „Urmensch“ auf.

Ablauf der Vorarbeit immer gleich

Die Vorarbeit für die Bütt läuft immer gleich ab. Zuerst sucht sich der Redner eine Figur aus, aus deren Sicht das Geschehen erzählt wird. „Dafür muss ich wissen, was aktuell ist. Was steht in der Zeitung und was sind im Dorf Gesprächsthemen Nummer Eins“, gewährt der Karnevalist Einblicke. Der Zuhörer müsse bei den Themen abgeholt werden, die sie interessieren. „Als Büttenredner kann man viel sagen, es darf aber nicht unter die Gürtellinie gehen. Das ist mir wichtig.“ Eine Rede dauert gewöhnlich zwischen 20 und 25 Minuten.

In der Region gibt es aber immer weniger Büttenredner und die Suche gestaltet sich für viele Vereine schwierig. „Leider ist der Büttenredner eine aussterbende Spezies. Es ist sehr schade, weil genau das den Reiz der Fastnacht ausmacht. Deswegen kommen die Leute doch zu Fremdensitzungen“, betont der erste Präsident des NCV Niederkalbach.

Auftritt bei Fremdensitzung der FKG

Zwar engagieren sich viele Menschen in der Fastnacht, doch alleine wollen die wenigsten auftreten. Um für diese humoristischen Aufgaben geeignet zu sein, müsse man Spaß daran haben, sich auf der Bühne auszutoben. „Ich denke, dass ich persönlich die Bühnenpräsenz in die Wiege gelegt bekommen habe. Entweder du hast sie, oder du hast sie nicht“, sagt er.

Unter anderem ist Hackenberg bei der Fremdensitzung der FKG Fulda zu hören und zu sehen. Diese findet heute Abend, 1. Februar, in der Orangerie in Fulda statt. Am Samstag, 8. Februar, folgt dann sein persönliches Highlight, wenn der 53-Jährige bei der Fremdensitzung des NCV Niederkalbach Heimspiel hat.

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