Sänger und Frontmann Sascha Pierro (von links), Gitarrist Dominik Decker und Keyboarder Christian Fleps sind Marquess.
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Sänger und Frontmann Sascha Pierro (von links), Gitarrist Dominik Decker und Keyboarder Christian Fleps sind Marquess.

Sänger im FZ-Interview

Marquess-Konzert am Donnerstag: Band freut sich nach Corona-Pause auf Publikum in Fulda

  • Alina Hoßfeld
    VonAlina Hoßfeld
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Die Band Marquess tritt am Donnerstag im Rahmen von „Kultur.Findet.Stadt“ im Museumshof auf. Sänger Sascha Pierro (49) spricht im FZ-Interview über das neue Album „Turbulento“, Corona und das Konzert in Fulda.

Seit fast eineinhalb Jahren leben wir mit dem Coronavirus. Besonders die Kulturbranche ist davon betroffen, denn Veranstaltungen und Konzerte sind ausgefallen. Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?
Wir haben immer gehofft, dass sich die Situation bessert, und haben die freie Zeit genutzt, um ins Studio zu gehen und ein Album zu produzieren. Aber es war und ist schon sehr hart für unsere gesamte Crew. Wir konnten nicht auf die Bühne gehen und Konzerte spielen. Somit haben wir auch kein Geld verdient. Die meisten Auftritte wurden immer wieder verschoben – und das ist auch in diesem Jahr noch so. Viele, die im Theater- oder Kleinkunstbereich arbeiten, haben den Kopf in den Sand gesteckt. Schaut man sich jetzt die vollen Fußballstadien während der EM an, stellen wir uns die Frage, warum dort so viele Menschen sind – während Open-Air-Veranstaltungen noch immer nicht richtig möglich sind.

Marquess: Sänger Sascha Pierro über Corona, neues Album und Auftritt in Fulda

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Das neue Album „Turbulento“ ist auch im vergangenen Jahr erschienen. Sind die Lieder von Corona beeinflusst?
Wir haben uns bei den Liedern nicht von Corona beeinflussen lassen. Wir schreiben unsere Songs immer im Winter und haben uns dabei warme, schöne und positive Gedanken gemacht. (lacht)
Eine Tour mit den neuen Liedern war allerdings erstmal nicht möglich...
Nein, leider nicht. Wir haben gehofft, dass wir unser neues Album promoten können, aber Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es ist ein ganz besonderer Augenblick und ein magischer Moment, wenn wir unsere Songs vor Publikum live spielen.
Als die Corona-Zahlen im vergangenen Sommer zurückgegangen sind, haben viele Künstler kleine Konzerte gespielt. Sie auch?
Ja, die Konzerte fanden unter den jeweils geltenden Corona-Maßnahmen statt. Viel war Open-Air, und es war meist nur eine Handvoll Menschen da. Sonst treten wir auf größeren Plätzen auf – das war aber nicht möglich. Zudem durften die Besucher nicht singen und tanzen. Das war schon sehr komisch, da wir sonst viel Kontakt zum Publikum haben. Wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Es war aber ein seltsames Gefühl. Fast schon, wie mit angezogener Handbremse zu fahren.

Marquess-Konzert im Fuldaer Museumshof: „Wir freuen uns riesig“

Haben Sie auch Online-Konzerte gespielt?
Wir als Band leben von Publikum. Manchmal erzähle ich Geschichten, wir machen Quatsch und haben zusammen Spaß. Interaktion mit dem Publikum ist online leider nicht möglich. Daher haben wir solche Konzerte nicht gespielt.
Im Fernsehen hatten Sie einige Auftritte...
Ja, wir haben unter anderem beim Fernsehgarten und bei der Silvesterfeier vom ZDF am Brandenburger Tor gespielt.
Bei diesen Auftritten sind sonst immer tausende Zuschauer. Doch während der Pandemie war dies nicht möglich. Fehlten Ihnen die Fans bei den Auftritten?
Auf jeden Fall. Die Zuschauer motivieren uns. Ohne Publikum spielen wir ins Leere – das fühlt sich nicht gut an. Musik ist pure Emotion. Die Reaktionen der Fans sind unfassbar wichtig für uns als Musiker. Beim Auftritt am Brandenburger Tor an Silvester haben wir ja auch ohne Publikum gesungen. Wo sonst tausende Menschen sind – ein tolles Gefühl – war nur Leere. Um Mitternacht hat es dann „Boom“ gemacht, und ich habe mich gefragt, wo der Glamour-Faktor bleibt. (lacht)

Infos

Karten für Marquess am Donnerstag, 15. Juli, um 20 Uhr im Museumshof Fulda kosten im Vorverkauf 32,90 Euro und sind erhältlich in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung in Fulda, Hünfeld, Schlüchtern und Schlitz.

Die Band Marquess hat sich im Jahre 2006 gegründet und bestand damals aus vier Musikern: Sänger und Frontmann Sascha Pierro, Keyboarder Christian Fleps, Gitarrist Dominik Decker und Bassist und Keyboarder Marco Heggen. Heggen stieg im Jahr 2011 aus der Band aus. In diesem Jahr hat die Band ihr 15-jähriges Jubiläum gefeiert und mittlerweile neun Alben veröffentlicht.

Da ist die Freude wohl groß auf Fulda, denn bei „Kultur.Findet.Stadt“ sind Zuschauer erlaubt...
Wir freuen uns wirklich riesig. Wir haben vergangene Woche das Programm geprobt – es sitzt noch alles. Das liegt wohl an der Vorfreude und Motivation.
Worauf freuen Sie sich denn am meisten?
Auf der Bühne zu stehen und vor dem Publikum zu singen. Hoffentlich freuen sich die Besucher auch. Und natürlich auf Fulda – das ist eine schöne Stadt.
Was erwartet denn die Besucher in Fulda?
Es wird einen Querschnitt aus 15 Jahren Marquess geben. Ein buntes Programm mit alten, neuen und Coversongs. Insgesamt sind wir sieben Musiker auf der Bühne, die eine gute Show mit schönen Liedern zeigen wollen.
Ihre Songs singen Sie auf Spanisch. Sie sind aber gar keiner Spanier, sondern Halb-Italiener, und Ihre zwei Bandkollegen sind Deutsche.Warum singen Sie auf Spanisch?
Spanisch ist eine wunderschöne Gesangssprache. Da stecken Feuer und Rhythmus dahinter. Als wir mit Marquess angefangen haben, gab es auch noch nicht so viele Musiker, die spanische Musik gemacht haben. Wir haben vor über 15 Jahren einen Werbesong für den Flughafen Hannover geschrieben und auf Englisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch gesungen. Auf Spanisch kam der Song richtig gut an, und wir haben aus dem 30 Sekunden-Song ein ganzes Lied geschrieben: „El Temperamento“.
Spanische Musik sorgt ja auch für Sommerstimmung...
Das stimmt. Wenn ich spanische Musik höre, denke ich an Sommer. Vielleicht haben wir deswegen auch noch nie ein Winteralbum gemacht. (lacht)
Was denken Sie, was ein guter Sommerhit braucht?
Ich kann sagen, was er nicht braucht: Verkrampftheit und Aufgesetztheit. Hits müssen generell ins Ohr gehen, sie brauchen ein Feeling und müssen etwas Besonderes haben. Dabei entsteht einfach eine Magie, die man nicht planen kann.
„Vayamos compañeros“ war einer der größten Hits von Marquess....
„Vayamos compañeros“ war unsere zweite Single. Der Song entstand einfach aus der Stimmung heraus. Wir hatten viel Spaß dabei.

Video: „Kultur.Findet.Stadt“ im Fuldaer Museumshof gestartet

Woher kommen die Themen für Ihre Musik? Wie entstehen Ihre Lieder?
Meist haben wir eine Melodie im Kopf und ein Thema oder eine Schlagzeile, über die wir singen möchten. Die Texte entwickeln sich dann. Wir schreiben immer zu viert in unserem Studio. Oft geht es in unseren Songs auch um Themen, die wir als Gruppe zusammen erlebt haben. Immerhin sind wir schon seit 20 Jahren befreundet und seit 15 Jahren gibt es Marquess. Wir sind eine kleine Familie.
Was wird die Zukunft bringen? Ist auch schon ein neues Album geplant?
Wir wollen im kommenden Jahr tatsächlich ein neues Album veröffentlichen. Auch unser Band-Jubiläum werden wir im kommenden Jahr nachfeiern. Wir freuen uns auf das, was kommt, und hoffen auf viele Konzerte mit Publikum.

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