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Kündigung durch Billiganbieter: Neukunden müssen bei der RhönEnergie höhere Preise zahlen

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Von: Volker Nies

Energiepreise
Die Energiepreise schießen in die Höhe. Neukunden bei der RhönEnergie Fulda müssen für Gas dreimal so viel zahlen wie im alten Tarif. (Symbolbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

2200 Strom- und 1000 Gaskunden aus Osthessen sind geschockt: Der Billiganbieter, zu dem sie gewechselt waren, hat sie rausgeworfen, weil der Energieeinkauf für ihn zu teuer wurde. Jetzt haben diese Kunden ein Problem – und der Grundversorger RhönEnergie hat es auch. 

Fulda - Bisher war das Versorger-Hopping für Kunden ohne Risiko: Wenn ein Billiganbieter in die Insolvenz ging, dann war zwar die Vorauszahlung weg, aber der Grundversorger – in Osthessen die RhönEnergie – musste bereitstehen und den Kunden in seinen Grundtarif aufnehmen.

An diesem Prinzip rütteln die regionalen Versorger jetzt. Denn einige Energiediscounter haben sich verzockt: Stromio und Gas.de, die beide zu einer niederländischen Gruppe gehören, haben darauf gebaut, dass sie Energie kurzfristig billig einkaufen können. (Lesen Sie hier: Probleme bei der Energiewende? Diese Hürden sieht der Chef der RhönEnergie)

Fulda: Hohe Energiepreise - Neukunden der RhönEnergie zahlen doppelt so viel

Als das nicht gelang, kündigten sie bundesweit 120.000 Strom- und 26.000 Gaskunden – obwohl sie mit ihnen langfristige Lieferverträge abgeschlossen hatten. Die Kündigung war aus Sicht der Bundesregierung und der Verbraucherzentralen rechtswidrig. Dennoch fielen die betroffenen Kunden – mehr als 10.000 allein in Hessen – erst einmal ins Netz der Grundversorger.

Doch diesmal weigerten sich viele regionale Anbieter, die von Discountern „abgeworfenen“ Kunden in den bisherigen Grundtarif aufzunehmen. Denn angesichts stark gestiegener Preise für kurzfristig eingekaufte Energie – beim Strom ging es binnen eines Jahres um 300 Prozent hoch – geht es für sie um Millionenbeträge.

Die RhönEnergie hat für ihre Bestandskunden Strom und Gas langfristig günstig eingekauft. Doch für Kunden, die jetzt dazu kommen, müsste sie die Energie kurzfristig teuer einkaufen. „Würden wir die 2200 Strom- und 1000 Gaskunden, die wir neu aufnehmen müssen, zu dem Preis versorgen, den die Bestandskunden zahlen, würden wir in einem Jahr vier Millionen Euro drauflegen“, erklärt Martin Heun, Geschäftsführer der RhönEnergie Fulda.

Das Unternehmen hatte – wie die anderen kommunalen Versorger in Deutschland – zwei Möglichkeiten: Entweder nahm es die neuen Kunden in den bisherigen Grundtarif auf. Die vier Millionen Euro, die das kosten würde, müssten dann die treuen Stammkunden zahlen. Oder aber: Die RhönEnergie würde einen neuen, teureren Tarif für neue Kunden schaffen.

Staat soll eingreifen

Mehrere Energie-Discounter haben die Belieferung ihrer Kunden eingestellt. Dr. Marie-Luise Wolff, Präsidentin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, fordert ein Eingreifen der Politik: „Billiganbieter betreiben Geschäftemacherei auf Kosten der Kunden und wälzen das ökonomische Risiko auf die Grundversorger ab. Hier muss die neue Bundesregierung eingreifen. Vor dem Hintergrund der durch externe Faktoren explodierenden Preise an den Energiemärkten kann es nicht weiter angehen, dass Anbieter in Niedrigpreiszeiten Reibach machen und sich bei steigenden Preisen nicht mehr um ihre Kunden kümmern. Die Grundversorger übernehmen Verantwortung für ihre Bestandskunden und garantieren die Belieferung neuer Kunden unkompliziert und unterbrechungsfrei. Das muss die Politik honorieren. Sie muss unseriösen Geschäftsmodellen Einhalt gebieten.“ 

„Es wäre nicht gerecht und nicht fair gewesen, unsere Stammkunden für die Zockerei der Schnäppchenjäger und das rücksichtslose Vorgehen von Billiganbietern bezahlen zu lassen“, sagt Martin Heun. Die RhönEnergie hat deshalb einen „Grund- und Ersatzversorgertarif I“ für alle Kunden geschaffen, die nach dem 1. Dezember zur RhönEnergie kommen.

In diesem neuen Tarif kostet die Kilowattstunde Strom etwa doppelt so viel wie im alten Tarif – statt 26,66 Cent nun 51,66 Cent – und die Kilowattstunde Gas dreimal so viel – statt 6,77 nun 19,54 Cent.

Video: Teure Preise für Strom und Gas: Welche Rechte habe ich als Verbraucher?

Die meisten regionalen Anbieter gehen ähnlich vor: Fast 620 Strom- und Gasversorger haben eigene Tarife für Neukunden in der Grundversorgung aufgelegt. Das Kartellamt Nordrhein-Westfalen segnet das Vorgehen ab, von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hingegen kommt Kritik: Aus Sicht der Verbraucherschützer sei es „sozialverträglicher“, wenn alle Kunden durch höhere Preise für die Schnäppchenjagd einiger Verbraucher zahlen müssten.

Heun lehnt das ab. Er sagt: „Wir nehmen von den neuen Kunden nur den Preis, den wir selbst im Einkauf zahlen müssen. Damit schützen wir unsere treuen Stammkunden. Für sie bleibt der Strompreis stabil, der Gaspreis steigt nur leicht. Leider trifft der jetzt stark erhöhte Preis auch die Kunden, die nicht gezockt haben und neu zu uns kommen wollen, etwa Verbraucher, die in eine Wohnung einziehen.“

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