Max Mutzke tritt am 17. Oktober in der Esperantohalle in Fulda auf.
+
Max Mutzke tritt am 17. Oktober in der Esperantohalle in Fulda auf.

Auftritt in Fulda

„Wir sollten gute Geschichten erzählen“ - Max Mutzke über seine Werte, Lieder und Corona

  • Anke Zimmer
    VonAnke Zimmer
    schließen

Max Mutzke kommt nach Fulda. Zusammen mit dem Landes Jugend Jazz Orchester Hessen (LJJOH) gibt er am Sonntag, 17. Oktober, um 18 Uhr ein Konzert in der Esperantohalle Fulda.

Fulda - Vor dem Konzert mit dem Landes Jugend Jazz Orchester in der Esperantohalle Fulda am Sonntag, 17. Oktober, stand der 40-Jährige unserer Zeitung Rede und Antwort.  

Herr Mutzke, wie kam die Zusammenarbeit mit dem Landes Jugend Jazz Orchester Hessen zustande?
Das war ganz typisch: Ich wurde angefragt. Was eine große Ehre für mich bedeutete. Bei diesem Orchester und dem Leiter Wolfgang Diefenbach wurde das Interesse an mir geweckt, weil sie mitbekommen haben: Der Max, der spielt gerne mit großen Bands. Ich brauche dann aber auch für mich einen Impuls.
Welcher war das beim LJJOH?
Wolfgang Diefenbach hat mir so viele nette Komplimente gemacht, da konnte ich nicht nein sagen (lacht). Aber der ausschlaggebende Punkt: Die Nachwuchsmusikerinnen und Nachwuchsmusiker sind mit so einem Enthusiasmus bei der Sache! Man darf nicht vergessen: Junge Menschen, die von ihrer Musik leben wollen, müssen mit ganzem Herzen dabei sein, müssen totale Überzeugungstäter sein. Und technisch punktet das LJJOH mit einer fantastischen Backgroundsektion. Das habe ich Wolfgang auch gesagt: Wenn du mir einen Chor hinstellst, der mir Gospel-mäßig einen fetten Sound verschafft, dann bin ich dabei.

Max Mutzke: Sänger verrät im Interview seine Werte und seine Setliste

Sie sind gemeinsam bereits im August in Wiesbaden aufgetreten, auch da war das Thema „75 Jahre Hessen“. Unter diesem „Dach“ findet auch Ihr Konzert in Fulda statt. Bei dem Jazz-Orchester habe ich über die amerikanischen Besatzer und die Musik schnell den Bezug. Aber was haben Sie, der Sie in Baden-Württemberg geboren wurden, mit Hessen zu tun?
Ich werde oft gefragt, was mich mit der jeweiligen Region verbindet, in der ich gerade spiele. Dazu kann ich nur sagen: Ich stehe seit 2004 auf den Bühnen in allen Bundesländern und habe zu jedem ein emotionales Verhältnis. Freundschaften, Erlebnisse, es sind große Orte, kleine Dörfer.
Und speziell Hessen?
Ich wurde ganz oft für die Hessentage gebucht, meine Musik schient etwas zu haben, was dazu passt (lacht). Und ja, was den Jazz betrifft, da es gibt in Hessen eine große Gruppe von Musikern, deren kultureller Hintergrund mit den Amerikanern zu tun hat. Das kommt mir entgegen.
Wie steht es um das hessische Publikum? Ist das irgendwie eigenwillig?
Dass das Publikum in den jeweiligen Regionen besondere Merkmale hat, also dass die Norddeutschen zurückhaltender seien als die Bayern, ist ein Vorurteil, das ich nicht bestätigen kann. Es kommt immer auf die Einstellung der Gäste an, also darauf, wie sie sich auf einen Auftritt einlassen. Wenn an einem Abend ein Konzert in München frenetisch umjubelt wird, heißt es nicht, dass das Publikum einen Tag später ebenso reagiert. Aber mein Anspruch ist es, dass alle spüren: Wir werden von dem Künstler dafür belohnt, dass wir die Mühen und Kosten auf uns genommen haben, heute hier zu sein.

So wird das Programm von Max Mutzke beim Konzert in Fulda aussehen

Wie wird das Programm in Fulda aussehen?
Die Big-Band-Arrangements sind so teuer, dass man sie nicht immer wieder ändern kann. Das heißt, das Konzert wird in etwa so aussehen wie in Wiesbaden. Zwei Songs von meinem neuen Album werde ich spielen, und es ist insgesamt ein sehr lebendiges, modernes Programm. Es hat nichts mit Big-Band-Jazz zu tun. Stattdessen wird es funkig, soulig, R’n’B kommt vor. Eher in Richtung James Brown, nicht Frank Sinatra.
Das ist, soweit ich weiß, ja auch der Anspruch vom LJJOH: modern sein, selbst wenn alte Stücke gespielt werden. 
Genau. Es geht nicht darum, zum Beispiel Glenn-Miller-Originale 1:1 zu spielen. Ich halte das ohnehin für überbewertet, diese Originale, die gerade uns Deutschen so wichtig sind. Es sind immer Momentaufnahmen, wenn Miller oder etwa Prince ein Stück in einer bestimmten Version bevorzugten. Am nächsten Tag hätten sie sich vielleicht ganz anders entschieden.
Welche Lieder stehen bei Ihnen auf der Setliste?
Im Laufe der Jahre habe ich mehr und mehr die Coverversionen weggelassen. Ich lege Wert darauf, dass es Max-Mutzke-Songs sind, die ich spiele. Es müssen Texte sein, mit denen ich mich identifizieren kann, und keine, die für mich geschrieben wurden.

Max Mutzke: „Corona hat mir unglaublich viel Inspiration gegeben“

Und es ist kein Konzert des Landes Jugend Jazz Orchesters Hessen mit einem Special Guest namens Max Mutzke, sondern es ist schon ein lupenreines Max-Mutzke-Konzert zusammen mit dem LJJOH.
Genauso ist es. Ich will dabei immer, dass sich die Musiker, die mit mir auf der Bühne stehen, ernst genommen fühlen und dass sie alles zeigen, was sie können. Mit meinen Texten setze ich mich dann noch oben drauf. Das gibt ein richtiges geiles Crossover. 
Kurz nochmal zu Ihrem neuen Album „Wunschlos süchtig“, das als sehr persönlich bezeichnet wird mit vielen biografischen Facetten: Ist das ein echtes Corona-Album geworden mit Liedern, die es ohne diese Pandemie nie gegeben hätte?
Natürlich! Corona hat mir unglaublich viel Inspiration gegeben. Weil sich während der Pandemie Dynamiken in der Gesellschaft gezeigt haben, die Fragen aufwerfen: Wo stehen wir, wohin wollen wir? Ein Beispiel: Wir können uns derzeit nicht einmal auf den kleinsten Nenner einigen, was die Wissenschaft betrifft.
Wie meinen Sie das?
Ich lese gerade ein Buch der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim. Sie sagt ganz klar: Es gibt momentan eine ganz klare Faktenfeindlichkeit. Es ist gar salonfähig zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe. Die Flat-Earth-Theorie. Und es heißt, die Bundesrepublik ist kein richtiger Staat, Corona gibt es nicht, die Impfungen sind nur Chip-Tuning und bla bla bla. Wenn ich merke, dass mir so jemand gegenüber steht, dann muss ich sagen: Sorry, aber das kann ich nicht. Mit so jemandem kann ich nicht reden. Nicht zu vergessen: Wir Menschen sind die einzigen Lebewesen, die Geschichten erzählen. Darum sollten wir doch den Auftrag annehmen und gute Geschichten erzählen. Das ist das Gegenteil von dem, was die AfD macht, was Donald Trump gemacht hat. Diese Hetzerei, das Auslösen von Ängsten, um die Gesellschaft zu spalten. Das sind die schlechten Geschichten. Von solchen ernsten, politischen Themen handeln meine neuen Lieder. Und ich behaupte mal: Wer meine Texte hört, der kennt mich, der weiß, wo ich stehe und für welche Werte.
Das klingt wie ein richtig gutes Schlusswort. 

Das könnte Sie auch interessieren