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Maximilian Jäger verpasst WM-Gold im Paracycling nur um zwei Sekunden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Bad Brückenau - Maximilian Jäger ist 19 Jahre alt, seine linke Körperhälfte ist teilweise gelähmt und seit wenigen Wochen ist er zweifacher Vizeweltmeister im Paracycling – einer Sportart, die das Mitglied des RC 07 Fulda erst seit gut einem Jahr ausübt.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Kohl

„Es ist ein großartiges Gefühl, in einem Jahr so weit gekommen zu sein.“ Maximilian Jäger ist die Freude über seinen Erfolg deutlich anzumerken. Und dabei hätte es sogar noch besser laufen können. Bei den Paracycling-Weltmeisterschaften im niederländischen Emmen hat der 19-Jährige die Goldmedaille nur um winzige zwei Sekunden verpasst.

„Ich lag in Führung und habe kurz vor dem Ziel in einer starken Rechtskurve etwas falsch gelenkt. Dadurch ist das Rad in die falsche Richtung ausgeschert und mein Verfolger kam noch an mir vorbei“, berichtet Maximilian im Gespräch mit unserer Zeitung.

Chancen auf die Paralympics

So ging Gold im Straßenrennen über 22,2 Kilometer in der Klasse MT1 an Chen Jianxin aus China, der Bad Brückenauer holte Silber (45:49 Minuten), ebenso wie im Zeitfahren über 20,8 Kilometer (37:16). Enttäuscht klingt Maximilian deshalb nicht. Im Gegenteil, er hat bereits das nächste große Ziel vor Augen: die Paralympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio.

Und obwohl der Rennfahrer mit seinen 19 Jahren das jüngste Mitglied im Nationalkader der deutschen Paracycler ist, rechnet er sich gute Chancen auf die Paralympics-Teilnahme aus. „Der Erfolg bei der WM hat mir gezeigt, was ich mit Trainingsfleiß erreichen kann“, so Jäger.

Lange Ski der Sport der Wahl

Auch die perfekte Unterstützung durch seinen Trainer René Schmidt am Cottbuser Sportinternat, das der 19-Jährige seit einem Jahr besucht, sei Gold wert. Dennoch: Dass die Spiele 2020 in Tokio bereits eine Option sein könnten, hatte Jäger nicht erwartet. „Daran hatte ich wirklich nicht gedacht. Geplant hatten mein Trainer und ich eigentlich erst mit Paris 2024“, so der 19-Jährige.

Wegen eines vorgeburtlichen Schlaganfalls ist Maximilian Jägers linke Körperhälfte seit seiner Geburt teilweise gelähmt – eine Einschränkung, der er seit Kindesbeinen mit Sport entgegenwirkt. Lange war das der alpine Skisport. „2016 habe ich dann an einem paralympischen Jugendlager teilgenommen“, erzählt Jäger.

Dreirad statt Fahrrad

Dort sei der Paracycler Michael Teuber auf ihn zugekommen. „Er fand, dass ich von der Statur her ein Radfahrer sei und fragte, ob ich das nicht mal probieren wolle“, so Jäger. Anschließend hat der damals 18-Jährige ein Probetraining bei Schmidt in Cottbus absolviert und bekam dann auch schnell das Angebot, an der dortigen Sportschule zu trainieren.

Maximilian Jäger hat sich für das Dreirad als Sportgerät entschieden. „Das fährt sich völlig anders als ein normales Fahrrad mit zwei Rädern“, so der Bad Brückenauer. Doch das hat er schnell gelernt.

Fünfmal Training in der Woche

Fünfmal in der Woche trainiert der Jungfahrer, der für den BPRSV Cottbus startet, neben der Schule. Nur die Freitage und Sonntage hält er sich in der Regel frei – wenn nicht gerade Wettkämpfe stattfinden. Jetzt heißt es für den 19-Jährigen, über den Winter trainieren, um im kommenden Juni fit zu sein für die WM im belgischen Ostende. Denn dort geht es dann endgültig um die Qualifikation für Tokio 2020.

Ehrung: Für seine Erfolge im Pararadsport und seine beiden Vize-Weltmeistertitel wird Maximilian Jäger am 6. Dezember auch von der Stadt Fulda geehrt, bei der alle zwei Jahre stattfindenden Sportlerehrung in der Orangerie.

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