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Mehler stellt Produktion in Fulda ein – Aus für 80 Beschäftigte

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Es ist das Ende einer Ära: Das Unternehmen Mehler stellt die letzte noch in Fulda verbliebene Produktion ein. Betroffen sind 80 Arbeitsplätze. Die Schließung soll im Laufe des Jahres erfolgen. 45 Mehler-Büroangestellte und die Verwaltung der KAP-Holding bleiben in Fulda.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Die Schließung der Produktion begründet die KAP Beteiligungs-AG (kurz: KAP AG) damit, dass die Produktion in Fulda Verluste gemacht habe. Den Beschluss für das Aus haben Vorstand und Aufsichtsrat der KAP AG am Donnerstag getroffen, wie das Unternehmen mitteilt. Die AG hat ihren Sitz in Fulda.

Standorte in Fulda und Tschechien werden geschlossen

Die Führung der AG beschloss, den Bereich der technischen Textilien („engineered products“) umfassend umzubauen. „Ziel der Umbaumaßnahmen ist die nachhaltige Verbesserung der Rentabilität in diesem Segment“, teilt die KAP AG mit.

Die KAP AG will deshalb den Standort Fulda, dessen Schwerpunkt die Produktion von technischem Cordgewebe ist, sowie einen Standort in Tschechien, an dem vor allem Softcords und Rohzwirne produziert werden, schließen. Das Cordgewebe wird unter anderem in Autoreifen eingesetzt.

Einstelliger Millionenbetrag für Schließung

Die 80 betroffenen Mitarbeiter werden ihren Arbeitsplatz im Laufe des Jahres verlieren. Der genaue Zeitpunkt steht nach Unternehmensangaben noch nicht fest. „Wir führen Gespräche mit dem Betriebsrat, um die Entlassungen so sozialverträglich wie möglich durchzuführen“, sagte ein Firmensprecher unserer Zeitung. In Fulda weiter beschäftigt bleiben die 45 Mehler-Mitarbeiter aus den Bereichen Verwaltung und Entwicklung.

Ferner soll ein weiterer Standort in Tschechien, der sich mit der Konfektion von Zelten und technischen Geweben beschäftigt, verkauft werden. Die drei Produktionsstandorte haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von insgesamt 40 Millionen Euro gemacht. Die KAP erwartet, dass die Schließung der zwei Produktionen in Fulda und Tschechien einen einstelligen Millionenbetrag kosten wird. In dieser Summe dürften Abfindungen für die betroffenen Mitarbeiter enthalten sein.

Einst 4550 Mitarbeiter

Die KAP AG hatte 1997/98 die Mehrheit an der Mehler AG übernommen. Die Mehler gehörte einmal zu den größten Arbeitgebern in Fulda. 4550 Mitarbeiter zählte das Unternehmen im Jahre 1960, 1990 waren es noch 2100 Mitarbeiter. Das Unternehmen konnte sich am Ende aber nicht vom allgemeinen Niedergang der Textilproduktion in Deutschland abkoppeln.

Die KAP AG ist an 28 Standorten in Europa, Asien und den USA aktiv. Sie machte im vorvergangenen Jahr einen Umsatz von 422 Millionen Euro.

KAP AG überlegte, Gelände zu verkaufen

In den vergangenen Jahren hatte die KAP AG angekündigt, sie prüfe, das gesamte 17 Hektar große Gelände an der Edelzeller Straße in Fulda zu verkaufen. In der Stadtpolitik wurde bereits diskutiert, wie man das Gelände am besten nutzen könnte. Das Unternehmen entschied dann aber, das Gelände doch zu behalten. Gründe dafür nannte die AG nicht.

Die Fläche ist zu einem Großteil an externe Firmen vermietet und wäre ohnehin nicht von heute auf morgen frei geworden. Viele der dort ansässigen Mieter haben langfristige Verträge.

Mehler Vario System und Mehler Texnologies nicht betroffen

Nicht betroffen von der angekündigten Schließung sind die zwei Unternehmen, bei denen Mehler auch ein Namensbestandteil ist, die aber nicht zur Mehler AG und damit zur KAP gehören. Die Gesellschaften Mehler Vario System und Mehler Texnologies haben auch ihren Sitz auf dem Mehler-Gelände, aber sie gehören anderen Eigentümern. Mehler Vario System produziert mit 250 Mitarbeitern in Produktion, Entwicklung und Verwaltung schusssichere Westen, Mehler Texnologies stellt mit 200 Mitarbeitern polyesterbeschichtete Polyestergewebe her, die etwa in Sportmatten, Lkw-Planen und als Sonnenschutz eingesetzt werden.

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