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Mehr Kontakte als vorher? Eltern aus der Region betrachten Kita-Schließung als problematisch

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA - Claudia Brandes (29) verbringt gern Zeit mit ihren drei Mädchen. Aber nicht, wenn sie zeitgleich arbeiten muss. Die IT-Trainerin und ihr Mann Marcel Niebling (35) gehören zu den berufstätigen Eltern, die die Kinder jetzt ohne Kita und Schule beschäftigen müssen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Als am Freitagnachmittag die Nachricht kam, dass in Hessen alle Kindergärten und Schulen ab diesen Montag schließen – mit Ausnahme von Notgruppen für Krankenschwestern, Polizisten und ähnliche Berufsgruppen – da begann Claudia Brandes, Mutter von Eva (4), Paula (6) und Lea (3) aus Petersberg gleich mit der Organisation:

Wo bekommt man nicht nur ein Kind für einen Tag unter – was schon schwierig genug ist –, sondern findet Platz für drei Kinder und das volle drei Wochen lang, wenn die Kitas geschlossen sind? „Wir hangeln uns von Tag zu Tag. Wir haben Freunde und Nachbarn eingeschaltet, auch die Eltern anderer Kita-Kinder helfen“, erklärt Brandes.

Nicht alle haben die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten

Das hat am Montag, am ersten Tag ohne Kita, geklappt. „Die Lösung gelingt nur durch ganz viele soziale Kontakte. Und genau das ist das Problem“, erklärt die dreifache Mutter. „Die Kitaschließung soll ja die sozialen Kontakten reduzieren. Tatsächlich kann sie dazu führen, dass sich die sozialen Kontakt um die Kinder noch vervielfachen.“

Immerhin: Während Ehemann Marcel Niebling als Steiger im Kalibergbau Arbeit und Kinderbetreuung keinesfalls kombinieren kann, hat Claudia Brandes die Chance, im Home-Office wenigstens an einigen Tagen für ihre Kleinen da zu sein. „Aber die Kinder um Geduld zu bitten, weil man gerade etwas Wichtiges bearbeitet – das klappt bei Kindergartenkindern nur begrenzt.“

Unbezahlten Urlaub genommen

Immerhin hat Claudia Brandes die Möglichkeit, zu Hause zu arbeiten – was ihr schon eine Menge Flexibilität gewährt. Eine ihrer Bekannten ist alleinerziehend und arbeitet im Supermarkt. Diese Mutter gehört nicht zu den Gruppen, die Anspruch auf den Platz in einer Notgruppe anmelden können. Deshalb hat sie jetzt unbezahlten Urlaub genommen und lebt von Ersparnissen.

„Wir bräuchten hier eine steuerfinanzierte Lösung – eine Art Kurzarbeitgeld für Eltern“, sagt Brandes, die sich auch als Elternvertreterin für Kindergartenkinder in Hessen engagiert. Aus der Elternschaft hat sie unterschiedliche Reaktionen auf die Kita- und Schulschließungen gehört.

Eltern brachen in Tränen aus

„In vielen Fällen arbeitet ein Elternteil in Teilzeit, und Verwandte, Omas und Opas – obwohl die ja oft als gefährdet gelten – oder Freunde können Engpässe abdecken“, sagt Brandes. Aber sie hat andere Väter und Mütter gesehen.

„Ich habe aber Eltern erlebt, die in Tränen ausbrachen und völlig verzweifelt sind, weil sie die Betreuung nicht abdecken können. Dies sind vor allem Alleinerziehende oder Geringverdiener ohne Anspruch auf Notbetreuung.“ Gerade wenn beide Elternteile etwa im Supermarkt arbeiten, sei ihre Arbeit ja auch weiter für die Gesellschaft erforderlich.

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