Auf einem Tisch stehen leere Weingläser und Teller.
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Trotz Senkung der Mehrwehrtsteuer sind regionale Gastronomen enttäuscht. (Symbolbild)

Region Fulda

Trotz Senkung der Mehrwertsteuer: Gastro-Branche fürchtet Todesstoß

Ist es ein Tropfen auf den heißen Stein oder ein wichtiger Baustein bei der Rettung der Gastronomie? Die Bundesregierung hat beschlossen, die Mehrwertsteuer für Speisen in Gaststätten befristet von 19 auf 7 Prozent zu senken. Doch die Mehrheit der Gastronomen ist enttäuscht.

Fulda - Es kommt nicht oft vor, dass sich die großen Verbände des heimischen Gastgewerbes gemeinsam an die Öffentlichkeit wenden. Doch immer mehr Gastronomen verlieren in der Krise die Hoffnung.

„Wenn Geschäfte bis 800 Quadratmeter öffnen dürfen und die Zahl der Kunden steuern können, dann kann ich doch bei mir erst recht steuern, wie viele Leute ich reinlasse und wo ich sie hinsetze“, sagt etwa Swen Bachmann, Inhaber von Doppeldecker und Hopfenglück (ehemals Felsenkeller) im Gespräch mit unserer Zeitung.

Patrick Bohl vom Catering-Unternehmen Genuss hoch drei spricht von einer frustrierenden Situation. Er sehe kein Licht mehr.

Zeitlich begrenzte Mehrwertsteuer für Gastronomie

Nun haben die jüngsten Beschlüsse der Regierung, die für die Gastronomie lediglich eine zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung für ein Jahr vorsehen, die Spitzenverbände der heimischen Gastronomie auf den Plan gerufen. In einer gemeinsamen Presseerklärung weisen die Verantwortlichen von Dehoga-Kreisverband, Wirtevereinigung Rhöner Charme, Verein der Köche Fulda und Freundeskreis der Gastlichkeit auf die dramatische Lage in ihrer Branche hin und gehen hart mit der Bundesregierung ins Gericht.

Dehoga-Kreisvorsitzender Steffen Ackermann sagt: „Der Beschluss, die Mehrwertsteuer auf Speisen für ein Jahr zu reduzieren, ist unbefriedigend. Die aufgelaufenen gestundeten Kosten, Beiträge, Darlehen, Pacht etc. werden dadurch nicht ansatzweise aufgefangen. Und das zu erwartende schwache Geschäft rund um den Tourismus und das Gastgewerbe wird dann letztlich doch zum Todesstoß für zahlreiche Betriebe.“

„Vielen Gastronomen hilft das nicht“

Michael Glas, stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung Rhöner Charme, stellt das ganze System in Frage: „Weshalb soll die reduzierte Mehrwertsteuer ausschließlich auf Speisen bezogen sein? Das hilft vielen Gastronomen nicht.“ Richtig ist: Die Reduzierung der Mehrwertsteuer betrifft nur Speisen, nicht Getränke. Begründung der Politik: Man wolle den Konsum von Alkohol nicht begünstigen.

Glas und seine Kollegen fordern: „Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen und Getränke – ohne zeitliche Begrenzung. Wenn wir das Gastgewerbe retten wollen, dann können wir dies nur jetzt. Uns bleibt keine Zeit.“ Inzwischen sei die Situation so dramatisch, dass 20 bis 30 Prozent der Betriebe vor einer endgültigen Schließung stünden.

Entlastung müsse nachhaltig und fundamental sein

Da ist ein Betrag von 1,50 Euro pro Schnitzel, der die Steuerreduzierung den Wirten als vorübergehendes Plus bringt, nicht genug. Der Rhöner-Charme-Vorsitzende Andreas Rau, Wirt vom Fuldaer Haus (Maulkuppe), erläutert: „Ein Zimmer, einen Salat oder das Bier können wir nicht doppelt verkaufen. Nachholeffekte wie in anderen Branchen gibt es bei uns nicht.“ Die Entlastung müsse nachhaltig und fundamental sein.

Der Vorsitzende des Vereins der Köche, Stefan Faulstich, erklärt, was außer der dauerhaften Mehrwertsteuersenkung notwendig ist: „Wir hoffen darauf, schnellstmöglich wieder öffnen zu können, für unsere Gäste da sein zu können und einen Weg aus dieser existenzbedrohlichen Situation gehen zu können.“

Daher sei der Appell an die Politik, wenigstens sukzessive die Öffnung der Betriebe wieder zuzulassen – selbstverständlich mit allen erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen. / bt

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