Beim Abriss der Hinterhäuser aus dem letzten Jahrhundert  wurde der alte Löhergraben, der mit Sandsteinpaltten abgedeckt ist,  gefunden.
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Beim Abriss der Hinterhäuser aus dem letzten Jahrhundert wurde der alte Löhergraben, der mit Sandsteinpaltten abgedeckt ist, gefunden.

Abwasser der Gerber

Dank Hausabriss: Jahrhundertealter Kanal in der Löherstraße entdeckt

  • Volker Feuerstein
    VonVolker Feuerstein
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Die Stadt- und Kreisarchäologin Milena Wingenfeld ist glücklich, dass ihr in der Löherstraße in Fulda eine kleine Zeitreise gelungen ist: Dort wurde beim Abriss von Hinterhäusern der Löherkanal aus dem 17. oder 18. Jahrhundert entdeckt.

Fulda - Der Kanal beförderte noch vor einigen hundert Jahren Abwässer vor allem aus der Produktion der Lohgerber, die Felle für die Verwendung der Menschen im täglichen Gebrauch bearbeiteten. Daher dürfte die Löherstraße – Straße der Lohgerber - in Fulda ihren Namen haben. Wingenfeld kann heute nicht mehr feststellen, wie viele Gerbereien sich in der Straße angesiedelt hatten. Dazu fehlen die historischen Unterlagen.

Aber jetzt steht zumindest fest, dass hinter den Häusern mit der Nummer 44 und 46 ein Abwasserkanal verlief. Die Häuser gehören zu den ältesten der Stadt und stammen aus dem 14. Jahrhundert. Dendrologische Untersuchungen der Holzbalken ergaben ziemlich genau die Zeit um 1330. (Lesen Sie auch: Neue Forschungsergebnisse: Frühe Geschichte der Juden in Fulda reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück)

Fulda: Jahrhundertealter Kanal in der Löherstraße entdeckt

Da der Kanal zum Hotel Goldener Karpfen nach Westen hin abfällt, zog er sich vermutlich von der Fundstelle über den Simpliciusplatz bis in die Fulda unterhalb der Bardostraße. Die Datierung ist nicht eindeutig. Die verwendeten behauenen Sandsteine weisen Merkmale aus der Barockzeit auf, jedoch ist wahrscheinlich, dass die Materialien zum Teil zweitverwertet wurden.

Damit dürfte der Kanal erst nach der Barockzeit entstanden sein. Das würde zu den historischen Überlieferungen passen, nach denen die Abwasserrinne, die ursprünglich in der Mitte der Straße verlief, aus hygienischen Gründen – Gerberbrühe und Hausabwässer dürften keine sehr appetitliche Flüssigkeit gewesen sein – hinter die Häuser verlegt wurde.

Wie Milena Wingenfeld erklärte, wurde der Kanal in seinem viele hundert Meter langen Verlauf später völlig überbaut oder eingeebnet. Es sei ein Glücksfall, dass man jetzt noch rund zehn Meter des Bodenbauwerkes gefunden habe. Im Frühjahr, bevor dort eine Tiefgarage mit Parkplätzen entstehen soll, will die Archäologin nach Resten der Holzfassung des Kanals suchen.

Damit wäre eine genauere Zeitbestimmung seines Alters möglich. Bei einer Türfassung aus Sandstein über dem Kanal ist sich Wingenfeld sicher, dass sie aus der Barockzeit stammt. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass sie später aufgebracht wurde – möglicherweise, um Müll und Hausabwässer zu entsorgen.

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Wie die Archäologin erklärte, sei man gemeinsam mit der Bauherrin, Nicole Lomb, bemüht, das Bodendenkmal zu erhalten, was bei diesem Bauvorhaben nicht ganz einfach ist. (Lesen Sie hier: Denkmalschutzpreis für Angel 11 in Fulda - Architekt Peter Sichau für Restaurierung geehrt)

Sollte das nicht gelingen, will Wingenfeld zumindest einen Abschnitt des freigelegten Kanals sichern und als Originalexponat in die künftige Dauerausstellung des Vonderau-Museums integrieren. Die Nutzung der Häuser nach ihrer Restaurierung ist noch offen, wie Bauherrin, Nicole Lomb, erklärte.

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