Foto: WWF Deutschland

6,4 Millionen Euro für neues Modellprojekt zum Insektenschutz in UNESCO-Biosphärenreservaten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

BERLIN - Gemeinsam mit dem WWF Deutschland und vier weiteren UNESCO-Biosphärenreservaten hat die Bayerische Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön ein auf sechs Jahre angelegtes Großprojekt „Biosphärenreservate als Modellregionen für den Insektenschutz“ beantragt. Mit Erfolg: Am vergangenen Freitag übergab Bundesumweltministerin Svenja Schulze einen Förderbescheid über insgesamt 6,4 Millionen Euro an Dr. Diana Pretzell, Leiterin des Fachbereichs Naturschutz beim WWF Deutschland.

In den UNESCO-Biosphärenreservaten Mittelelbe, Rhön (bayerischer Teil), Schaalsee, Schorfheide-Chorin und Schwarzwald geht es in den kommenden sechs Jahren ran an Acker und Wiese: Dort erproben und evaluieren der WWF Deutschland, Nationale Naturlandschaften, die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung Maßnahmen zum besseren Insektenschutz gemeinsam mit Landwirten und vielfältigen Partnern der Biosphärenreservate und deren Verwaltungen.

Startschuss für das Verbundprojekt

Das vom Bundesumweltministerium geförderte Projekt soll in einen Katalog von ökologisch und ökonomisch erprobten Maßnahmen für unterschiedliche landschaftliche und landwirtschaftliche Bedingungen führen. Mit der Übergabe des Förderbescheides von Bundesumweltministerin Svenja Schulze an Dr. Diana Pretzell vom WWF Deutschland ist im Rahmen der Internationalen Grünen Woche der Startschuss für das Verbundprojekt gefallen.

„Das Insektensterben ist für uns alle sehr besorgniserregend. In diesem Projekt packen wir gemeinsam an, um Wege für den Schutz von Insekten zu erproben“, sagt Dr. Diana Pretzell, Direktorin Biodiversitätspolitik des WWF und Leiterin des Projektes.

Modelllandschaften für mehr Insektenschutz

Die fünf Biosphärenreservate werden zu Modelllandschaften für mehr Insektenschutz in landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaften, so das gemeinsame Ziel der Verbundpartner.

Getestet und bewertet werden sollen bereits bekannte und auch neue insektenfördernde Maßnahmen auf den bewirtschafteten Flächen sowie in angrenzenden Strukturen – zum Beispiel Blühstreifen, Brachstreifen, Gehölzsäume, Bepflanzung und Mähen der Straßenränder, insektenschonender Maschineneinsatz, die Reduktion der Schnittzahl, veränderte Mahdzeitpunkte, Beweidung statt Mähen, optimierte Düngung durch Senkung der Menge und veränderte Ausbringungstechnik.

Langfristig und flächendeckend

Im Fokus stehen dabei nicht nur die naturschutzfachlichen Potenziale der Maßnahmen, sondern auch, wie sie sich in die Praxis der beteiligten Flächenbewirtschafter einfügen lassen und welche wirtschaftlichen Folgen sie haben. Nur wenn es gelingt, tragfähige und übertragbare Modelle zu entwickeln, kann sich eine insektengerechte Landnutzung langfristig und flächendeckend etablieren.

Gesamtmenge und Vielfalt sinken

Fast drei Viertel aller Tierarten in Deutschland sind Insekten. Sowohl die Gesamtmenge der Insekten als auch die Vielfalt der Insektenarten in Deutschland sinkt. Zentrale Faktoren für den Insektenschwund sind der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln, intensivierte landwirtschaftliche Bewirtschaftung von Wiesen und Feldern oder Lichtverschmutzung. Hinzu kommt der Verlust von Lebensräumen oder deren massive Veränderung, beispielsweise, wenn Streuobstwiesen, Hecken oder Kleingewässer verschwinden.

Balance von menschlicher Nutzung und natürlichen Kreisläufen

Die Idee der Biosphärenreservate geht auf ein Programm der UNESCO aus dem Jahr 1970 zurück. In diesen Modellregionen wird das Zusammenleben von Mensch und Natur beispielhaft erprobt und umgesetzt. Ihr Auftrag ist, Kulturlandschaften und wichtige Lebensräume für Mensch und Natur vor zerstörenden Eingriffen zu bewahren. Dazu gehört, in den Biosphärenreservaten eine Balance von menschlicher Nutzung und natürlichen Kreisläufen zu erreichen.

Deutschlands derzeit 16 offizielle UNESCO-Biosphärenreservate beheimaten regional höchst unterschiedliche historisch gewachsene ökologische Vielfalt. Fünf dieser Gebiete sollen nun zu Modelllandschaften entwickelt werden, in denen Insektenschutz und Landnutzung integriert werden. / mal

Das könnte Sie auch interessieren