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Mordfall Gabriele Schmidt bei „Aktenzeichen XY“: Mehrere Hinweise in ZDF-Sendung

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Von: Marcus Lotz

Holger Mannel (links) von der Kripo Fulda war zu Gast bei Moderator Rudi Cerne.
Holger Mannel (links) von der Kripo Fulda war zu Gast bei Moderator Rudi Cerne. © ZDF-Mediathek (Screenshot: Marcus Lotz)

Die fünfjährige Gabriele Schmidt ist am 3. Juni 1983 mitten in Fulda grausam ermordet worden. In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ gingen am Mittwochabend mehrere Hinweise zu dem Verbrechen ein.

Fulda - Der Tod des eigenen Kindes ist für viele Eltern der schlimmste nur denkbare Schicksalsschlag. Als ihre Mutter die kleine Gabriele am frühen Abend des 3. Juni 1983 gegen 18 Uhr noch eine Weile draußen mit dem Dreirad fahren ließ, ahnte sie nicht, dass ihr eben jenes Unglück noch bevorstand.

Dabei hielt sich das in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ am Mittwoch als „schüchternes, aber liebes Mädchen“ beschriebene Einzelkind kurz vor dem Verbrechen gar nicht weit von ihrem Zuhause auf – sie spielte im Innenhof des Hauses in der Magdeburger Straße in Fulda.

Zur selben Zeit hielt sich eine Nachbarin im Hof der Wohnanlage auf. Sie hörte einen Schrei, konnte aber nicht zuordnen, woher dieser kam, und maß dem Vorfall daraufhin keine weitere Bedeutung zu.

„Aktenzeichen XY“ (ZDF): Mordfall Gabriele Schmidt - Mehrere Hinweise

Als die Mutter Gabriele schließlich zum Essen rufen wollte, war das Kind verschwunden. Sie rief daraufhin ihren Mann, der sich an diesem Abend in einer Kleingartenkolonie aufhielt. Gemeinsam suchten sie Gabriele – erfolglos. Sie riefen die Polizei.

Einsatzkräfte entdeckten noch in der Nacht zunächst die Kleidung des Mädchens auf einem rund 50 Meter langen Gartengelände, das sich hinter dem Haus erstreckte. Direkt an das Grundstück grenzt der Galgengraben, ein dicht bewachsenes Areal mit ober- und unterirdischem Wasserlauf. Hier finden die Einsatzkräfte schließlich die Leiche des Mädchens in einem ein Meter breiten Entwässerungsrohr.

„Das Kind hat ein Martyrium erlebt. Es wurde misshandelt, missbraucht, erschlagen und in einer Röhre abgelegt“, berichtet der Fuldaer Kriminalhauptkommissar Holger Mannel in der ZDF-Sendung im Gespräch mit Moderator Rudi Cerne.

Die Eltern kommen über das Verbrechen nie hinweg. Der Vater verbringt rund 25 Jahre in der Psychiatrie, wo er im Jahr 2008 verstirbt.

Fast 40 Jahre nach Mordfall an Gabriele: Polizei hofft auf Hinweise

Um das Verbrechen doch noch aufzuklären, hofft die Polizei auf Hinweise. Dass es diese geben muss, davon geht Mannel aus: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass irgendjemandem etwas aufgefallen ist.“ Der Täter habe das Opfer wahrscheinlich schon über einen längeren Zeitraum beobachtet und dadurch über tägliche Routinen Bescheid gewusst. „Die Kleidung des Täters müsste nass und verschmutzt gewesen sein, eventuell hatte er auch Blut des Opfers an sich oder hatte sich selbst beim Kriechen durch die enge Röhre verletzt“, sagte Mannel.

Der versteckt gelegene Ablageort der Leiche spreche für einen Täter mit guter Ortskenntnis, mit schmaler, aber kräftiger Statur, zum damaligen Zeitpunkt zwischen 15 und 30 Jahre alt.

Bei dem Kind gefunden wurden außerdem 20 Mark, welche es nicht von seinen Eltern hatte. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter das Geld benutzte, um sich das Vertrauen des Kindes zu erschleichen.

Kanalarbeiter und Frau geben Hinweise zum Fall Gabriele

Bereits während der Sendung gingen erstaunlich viele Hinweise zu dem Fall ein. Unter anderem meldete sich ein Kanalarbeiter sowie eine Frau, die erzählte, von einem Mann mit Bezug zur Region Fulda sexuell missbraucht worden zu sein. Auch hatten sich Anrufer aus Betroffenheit dazu bereiterklärt, die auf 5000 Euro ausgesetzte Belohnung zu erhöhen.

Wer weitere Hinweise hat, wird gebeten, sich bei der Polizei unter Telefon (0661) 1054447 zu melden. In begründeten Einzelfällen können diese vertraulich behandelt werden.

FZ-Redakteurin Daniela Petersen bei „Hallo Deutschland“ (ZDF)

Übrigens: Im Vorfeld zur Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ hat das ZDF einen Beitrag mit Fuldaer-Zeitung-Redakteurin Daniela Petersen gedreht. Das Stück lief am Mittwochnachmittag bei „Hallo Deutschland“.

Für die ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“ am Mittwoch wurde auch mit FZ-Redakteurin Daniela Petersen gedreht.
Für die ZDF-Sendung „Hallo Deutschland“ am Mittwoch wurde auch mit FZ-Redakteurin Daniela Petersen gedreht. © Sophia Auth

Petersen hat in ihrem Buch „Tatort Osthessen“ über den Fall berichtet und erzählt in dem Fernsehstück von der Recherche. „Es ist eines der schlimmsten Verbrechen, die in Fulda je passiert sind, und es ist schlimm, dass bis heute kein Täter gefasst wurde und sich bisher niemand für diesen Mord verantworten musste“, sagt Petersen. / Foto: Sophia Auth

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