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Moritz Reinhard im Interview: „Ich fühle mich beim OFC pudelwohl“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Offenbach - Vor einem Jahr wagte Moritz Reinhard aus Hofbieber-Elters den Schritt von Heimatverein Elters/Eckweisbach/Schwarzbach zu Regionalligist Kickers Offenbach. Bevor der OFC heute in die Restrunden-Vorbereitung startet, haben wir mit dem 24-jährigen Angreifer gesprochen.

Von unserem Redaktionsmitglied Steffen Kollmann

Ihr erstes Jahr im Profifußball liegt hinter Ihnen. Mit welchen drei Wörtern lässt sich diese Zeit am besten zusammenfassen?

Freude, Herausforderung und Privileg. Freude deshalb, weil ich beruflich das machen kann, was mein Hobby ist. Eine Herausforderung ist es, da dieser Schritt etwas komplett Neues für mich war. Und es ist ein Privileg, da es extrem selten ist, dass jemand so einen Weg gehen darf.

In der Regionalliga haben Sie 33 von 35 Spielen bestritten, einige davon als Joker, und sieben Treffer erzielt. Sind Sie mit dieser Bilanz zufrieden?

Ich glaube, wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich 33 Spiele machen und nur zweimal nicht zum Einsatz kommen werde, hätte ich das sofort unterschrieben. Wenn ich nur auf die Hinrunde dieser Saison blicke, muss ich sagen, dass die Runde sehr gut angefangen hat, sowohl für die Mannschaft als auch für mich persönlich. Wir standen ganz oben, ich habe oft von Anfang an gespielt und früh zweimal getroffen. Leider ist es bei diesen zwei Toren geblieben und wir sind als Mannschaft in einen negativen Strudel geraten. Deswegen können wir nicht zufrieden sein mit der bisherigen Saison, und persönlich hätte ich gerne eins, zwei Buden mehr gemacht.

Nach fünf Spielen noch an der Spitze, überwintert der OFC – mit Aufstiegsambitionen gestartet – nur auf dem zehnten Rang. Wie ist dieses Seuchenjahr der Kickers zu erklären?

Uns sind ein paar wichtige Spieler verletzt ausgefallen, dennoch darf das keine Ausrede für diese Negativserie sein. Spielerisch hat von Anfang an ein bisschen was gefehlt, aber wir waren bissig bis in die letzten Minuten, sind sogar in Unterzahl einige Male zurückgekommen. Wir hatten ein Selbstverständnis, dass uns nichts passieren könne, dass wir das Spiel schon irgendwie gewonnen bekommen würden. Das ist nach dem guten Start aber abhanden gekommen. Warum das so ist, kann man nicht so einfach benennen, sonst hätten wir es längst abgestellt.

Mitte September reagierte der Verein und trennte sich von Trainer Daniel Steuernagel, Assistent Max Lesser und Sportdirektor Sead Mehic – die verantwortlichen Personen, die Ihnen den Weg zu den Profis ermöglicht haben. Wie haben Sie die Nachricht damals aufgenommen?

Ich habe allen drei viel zu verdanken, schließlich ist es nicht alltäglich, dass ein Regionalligist mit einer solchen Strahlkraft einem Spieler aus der siebten Liga die Chance gibt – und dann auch noch viel Einsatzzeit ermöglicht. Deshalb war die Entlassung im ersten Moment schade. Aber es geht immer weiter, erst mit Interimscoach Steven Kessler, jetzt seit ein paar Wochen mit dem neuen Trainer Angelo Barletta. Es gilt nun wieder, voll anzugreifen und das abzurufen, was uns in den ersten Spielen stark gemacht hat.

Früh in seiner Amtszeit griff Angelo Barletta durch, in den Medien war zu lesen, dass gleich sieben Spieler aussortiert wurden. Wie geht man damit als Akteur um und wie lief der Vorgang ab?

Ich habe es auch im ersten Moment über die Medien mitbekommen. Ich war im Skiurlaub und habe ein Bild geschickt bekommen, ob ich denn noch dabei bin. Zum Glück darf ich mich nach wie vor beim OFC beweisen.

Gab es schon ein Einzelgespräch mit Barletta, wie der neue Trainer mit Ihnen plant?

Nein, das gab es noch nicht. Wir haben vor der Winterpause ja nur eine beschränkte Zeit miteinander gearbeitet, zwei Trainingswochen waren es. Da lag der Schwerpunkt sicherlich nicht auf Einzelgesprächen.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Vertragsverlängerung, ein Wechsel zu einem Proficlub, die Rückkehr in die Heimat – gibt es schon Tendenzen, wohin die Reise führen wird?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch alles offen. Ich bin ja auch neu im Geschäft und lasse deshalb alles auf mich zukommen. Fakt ist, dass ich mich beim OFC pudelwohl fühle. Es ist super, das machen zu dürfen, was einem Spaß macht. Deshalb möchte ich so lange wie möglich auf diesem Niveau agieren. Aber es wäre auch kein Beinbruch, irgendwann zurück in die Gruppenliga zu Elters zu kehren.

Während Sie von der siebten in die vierte Liga gekommen sind, hat Ihr Sturmkollege Moritz Hartmann vor einigen Jahren noch in der Bundesliga gespielt – und dort sogar schon 13 Tore erzielt. Was können Sie von so einem Teamkollegen mitnehmen?

Eine ganze Menge. Mo ist ein super Typ, der bei Fragen mit Tat und Rat zur Seite steht. Abschauen kann ich mir etwas in vielen Dingen, sei es in Sachen Torabschluss, Freilaufverhalten, Technik oder Taktik. Wenn ich mich nirgendwo mehr verbessern könnte, würde ich wahrscheinlich woanders spielen. Deshalb ist es ein Privileg, mit so einem Spieler wie Mo zusammenspielen zu dürfen, der auch schon oft in der ersten Bundesliga gespielt und getroffen hat.

Auch aufgrund von Neuzugängen wie Hartmann war die Euphorie im Sommer groß, umso größer ist nun der Frust bei den zahlreichen Fans. Wie geht man als Spieler mit Beschimpfungen aus der Kurve um, gerade wenn man von seinem Heimatverein Elters doch anderes gewohnt ist?

Ich glaube, so sehr unterscheiden sich Elters und Offenbach da nicht. Die Fans bezahlen Eintritt, sind bei jedem Heimspiel, nehmen lange Auswärtsreisen in Kauf. Wenn du dann als Mannschaft ein in Anführungszeichen Scheißspiel ablieferst, kann ich es nachvollziehen, wenn die Fans pfeifen. Auch in Elters bekommst du dann mal einen blöden Spruch gedrückt. Ich würde es als Fan genauso machen, man kann ja nicht zufrieden sein, wenn seine Mannschaft verliert. Viel wichtiger ist aber, dass in jedem Spiel positive Unterstützung da ist, das sieht man ja auch an den hohen Zuschauerzahlen.

Vor kurzem stand der Jahreswechsel an: Mit welchen Vorsätzen oder Zielen gehen Sie ins Jahr 2020?

Ich war noch nie der Typ, der sich irgendwelche Vorsätze macht. Und was die Ziele angeht, könnte ich jetzt genau die gleichen Dinge sagen, die ich bereits vor einem Jahr angegeben habe: Ich möchte so viel Spielzeit wie möglich bekommen, der Mannschaft bestmöglich helfen und weiter Erfahrungen sammeln.

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