Fotos: Michel Ickler

Müll bis nach Australien: Bon-Pflicht sorgt für Diskussion in der Region

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Den Satz „Möchten Sie den Kassenbon?“ bekommen Kunden bei Kleinbetrieben wie Bäckereien oder Imbisse ab dem 1. Januar regelmäßig zu hören. Schuld ist die Bon-Pflicht, die teilweise eine Menge Müll verursacht.

Von unserem Redaktionsmitglied Michel Ickler

„Durch die ausgedruckten Kassenzettel entsteht viel Müll und zusätzliche Kosten“, klagt Christiane Hahn über das neue Gesetz im Café Storchennest. „Wir sind nicht begeistert“, fügt Freundin Andrea Leßmüller hinzu und stellt das neue Kassengesetz in Frage. Für viele Konsumenten stellt sich deswegen die Frage, warum eine solche Neuerung in Kraft tritt. Denn bis auf den im Müll landenden Kaufbeleg hat sich für die Kunden nichts geändert.

Manipulierte Kassen, Schummel-Softwares oder verfälschte Rechnungen: Der Staat verliert laut Bundesrechnungshof jährlich bis zu zehn Milliarden Euro durch Steuerbetrug. Auch weil diverse Geschäfte ihre Umsätze nicht offenlegen und somit Steuern hinterziehen. Um die sogenannten Mogelkassen zu entlarven, brachte die große Koalition am 15. Dezember 2016 ein Gesetz auf den Weg: das Kassengesetz, besser bekannt als Bon-Pflicht.

Kassenbons auch in Kleinbetrieben

Dieses ist Anfang des Jahres in Kraft getreten. Somit sind alle Händler mit elektronischen Kassensystemen dazu verpflichtet, den Kunden unaufgefordert einen Kassenbon auszuhändigen – oder diesen zumindest anzubieten. Dazu zählen auch Kleinbetriebe wie Bäckereien, Metzgereien oder Imbisse – sei der Betrag noch so klein.

Eine Verkäuferin von Müllers Backshop in Sickels, die ihren Namen in der Zeitung nicht preisgeben möchte, bezeichnet die Bon-Pflicht als schwachsinnig und zieht eine Schlange aneinanderhängender Kassenzettel hinter der Ladentheke hervor. Jeden Kunden müsse sie nach dem Bon fragen. Das Angebot in Kauf nehmen aber höchstens drei von hundert Kunden.

Extra Kassensysteme angeschafft

Die Kassensysteme wurden nach Bekanntgabe des Gesetzes extra angeschafft. Durch die Neuerung verbraucht der kleine Laden in der Johannes-Nehring-Straße eineinhalb Rollen des thermobeschichteten Papiers am Tag. „Das ist natürlich mit mehr Kosten verbunden. Aber Gesetz ist Gesetz, ob es uns passt oder nicht“, sagt die Verkäuferin.

Bei Filialen der Bäckerei Happ werde mit dem Gesetz kundenorientiert umgegangen, erklärt Inhaber Michael Happ. „Wir wollen unseren Kunden den Kassenbon nicht aufzwingen, den er nicht möchte.“ Er könne aber aus steuerrechtlicher Sicht durchaus nachvollziehen, warum dieses Gesetz auf den Weg gebracht worden sei. Dennoch müsse es individuelle Lösungen geben.

Diese sieht in Happ-Filialen so aus, dass die Verkäufer jeden Kunden nach dem Beleg fragen, wie Christin Blum aus dem Standort in der Florengasse informiert. „Das Kassensystem registriert den Verkaufsvorgang. Dieser wird auch für den Kunden nachvollziehbar auf einem großen Display angezeigt und in der Kasse erfasst. Wir fragen unsere Kunden aktiv, ob sie einen Bon möchten und drucken diesen selbstverständlich auf Wunsch aus.“ Unnötiger Müll entstehe mit dieser Methode nicht.

Kritik an der Umsetzung des Gesetzes

Thomas Bertz, Marketingleiter des Backunternehmen Papperts, sieht das Kassengesetz grundsätzlich als sinnvoll an, kritisiert aber die Umsetzung. „Im Moment wird so viel über Digitalisierung und Umweltschutz geredet. Da hätte es bestimmt auch andere Lösungsansätze gegeben.“ Mit einer technischen Lösung hat sich das Unternehmen bereits beschäftigt, auch ein Antrag, sich von der Bon-Pflicht zu befreien, wurde gestellt.

Im technischen Bereich musste die Bäckerei keine Nachrüstungen vornehmen, beim Bedarf der Kassenrollen hat sich hingegen viel verändert. „95 bis 98 Prozent der Kassenzettel landen bei uns direkt im Müll. Überschlagen sind das 17.000 bis 18.000 Kilometer Kassenzettel-Müll. Das entspricht einer Strecke von Poppenhausen bis nach Australien“, rechnet Bertz vor.

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