Luftbild des Steinbruchs bei Müs.
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Der Steinbruch der Zement- und Kalkwerke Otterbein soll bis auf 135 Meter an den Ortsrand rücken.

Verhärten sich die Fronten weiter?

Konflikt um Steinbruch-Erweiterung in Müs: Zement und Kalkwerke Otterbein wollen eigenen Runden Tisch

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Die Pläne der Zement- und Kalkwerke (ZKW) Otterbein, den Kalksteinbruch bei Müs bis auf 135 Meter an den Ortsrand zu erweitern, stoßen in Großenlüder auf Widerstand. Die Gemeinde will die Beteiligten an einen Runden Tisch holen. Das will das Unternehmen jetzt auch – an einen eigenen Runden Tisch.

  • Die Zement- und Kalkwerke (ZKW) Otterbein wollen ihre Pläne für den Kalksteinbruch bei Müs weiter vorantreiben
  • Die ZKW schürt laut Bürgermeister Werner Dietrich unnötig den Konflikt
  • Fraktionen von UBL, CDU und SPD schlagen sich auf Dietrichs Seite

Müs - Seinen Plan hat Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) schon lange öffentlich gemacht: Die Gemeinde holt die Betroffenen an einen Tisch. Das beschloss der Gemeindevorstand, auch das Regierungspräsidium war einverstanden.

Die Zement- und Kalkwerke kannten Dietrichs Pläne. Dennoch kündigen sie an, auch sie wollten einen Runden Tisch organisieren. Die regelmäßige Gesprächsrunde solle von zwei neutralen Mediatoren geleitet werden, „um mit allen beteiligten Parteien gemeinsame Lösungen zu finden“, wie das von den ZKW beauftragte Düsseldorfer Pressebüro vom Hoff erklärt.

Die Firma plane eine eigene Veranstaltung, damit diese von einem neutralen, unbeteiligten Mediator moderiert werden könne. „Würde die Gemeinde selbst moderieren, könnte sie ihre eigenen Interessen nicht am Tisch einbringen“, erklärt das Pressebüro .

Trotz Coronakrise: ZKW will nächste Schritte gehen

Bürgermeister Dietrich ist empört: Er habe die Zement- und Kalkwerke über den Plan der Gemeinde, einer Runden Tisch zu organisieren, informiert. Die ZKW hätten sich mit ihm vor ihrer Verlautbarung nicht abgestimmt. Die Ankündigung der ZKW sei zudem ein Verstoß gegen seinen Appell, während der Coronakrise keine öffentlichen Diskussionen über das umstrittene Projekt durchzuführen.

Das Pressebüro der ZKW widerspricht: Das Unternehmen habe den Bürgermeister per Brief über seine Idee informiert. Dietrichs Wunsch nach einem Burgfrieden habe sich auf das Genehmigungsverfahrens bezogen. Bis dahin sei es jedoch ein langer Weg. Erste Erkenntnisse aus den Gutachten lägen Mitte 2020 vor, erst in einem Jahr seien alle Gutachten abgeschlossen. Niemand wisse, wie lange die Coronakrise dauere. Deshalb wolle das Unternehmen die nächsten Schritte angehen.

Konflikt durch ZKW geschürt?

Dietrich lässt das nicht stehen: „Die ZKW-Geschäftsführung wurde über den Runden Tisch der Gemeinde rechtzeitig informiert. Warum braucht die ZWK dann einen eigenen Runden Tisch mit selbst bestellten und bezahlten Mediatoren? Es wird hier durch die ZKW-Geschäftsleitung unnötig und unbegründet ein Konflikt in die von mir ausgerufene ‚Friedensphase‘ und den vom Gemeindevorstand beschlossenen Runden Tisch eingebracht. Das zeigt leider sehr klar, wer eigentlich die Konfliktpartei in dieser ganzen Angelegenheit ist.“ Die ZKW hätten ihm vergangene Woche einen Hinweis auf die eigenen Pläne gegeben und am nächsten Tag die Medien über diese Pläne informiert.

Die Fraktionen CDU, UBL und SPD unterstützen die Sicht des Bürgermeisters. CDU-Fraktionschef Marco Herbert erklärt, die CDU stehe zum Runden Tisch der Gemeinde. Die Fraktion lehne die Moderation der von den ZKW beauftragten Firma zum gegenwärtigen Zeitpunkt und bis zu einem Beschluss durch die Beteiligten des Runden Tisches der Gemeinde ab. Die Union wundere sich, dass die ZKW durch eine öffentliche Ankündigung Fakten schaffen wollten, ehe Konsens über ihren Vorschlag bestehe.

UBL lehnt Runden Tisch der ZKW ab

Die UBL erklärt, sie kritisiere seit Jahren, dass das Unternehmen die Anwohner nicht genügend vor Staub, Lärm, und Erschütterungen schütze. Die ZKW-Leitung lehne eine Dialog auf Augenhöhe ab. Die Zahl der Beschwerden, Befürchtungen, Meldungen über Betriebsstörungen, Auswirkungen der Sprengungen, und Belastungen der Anwohner nehme aktuell stetig zu. Die UBL lehne den vom Unternehmen vorgeschlagenen eigenen Runden Tisch ab, weil es diesen bereits von der Gemeinde gebe. Die UBL werde an einem Runden Tisch der ZKW nicht teilnehmen.

SPD-Fraktionschef Florian Fritzsch äußert, das Treffen der Interessenvertreter solle – vielleicht auch erst zu einem späteren Stadium – durch eine neutrale und unabhängige Gesprächsleitung moderiert werden. Der nicht abgestimmte Vorstoß der ZKW Otterbein führe in der gegenwärtigen Situation jedoch zu einer Verhärtung der Fronten und trage nicht zur Befriedung des Konflikts bei.

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