Das Plakat wurde dieser Tage auf einer Wiese nahe Müs von Unbekannten aufgestellt.
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Das Plakat wurde dieser Tage auf einer Wiese nahe Müs von Unbekannten aufgestellt.

Widerstand in der Bevölkerung

„Die Müser wollen das nicht“: Große Kritik an geplantem Gewerbegebiet „Auf der Hoh“

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Mit großer Mehrheit hatte die Gemeindevertretung im Dezember einen Grundsatzbeschluss zur Entwicklung eines neuen Gewerbegebiets in Müs beschlossen. Doch diese Pläne sollen geändert werden: Der Widerstand in der Bevölkerung sei groß.

Müs - „Kein Gewerbegebiet auf der Hoh! Unser Dorf soll eine Zukunft haben!“ lautet die Aufschrift eines Plakats, das dieser Tage auf einer Wiese nahe Müs von Unbekannten aufgestellt worden war. Ortsvorsteher Bernhard Keller weiß auf Nachfrage zwar nicht, wer das Schild aufgestellt hat, kennt aber die Hintergründe: Die Gemeindevertretung hatte in ihrer Dezember-Sitzung einen Beschluss gefasst, nach dem die zukünftige Gewerbegebiets-Entwicklung in Müs auf den Bereich „Auf der Hoh“ konzentriert werden soll. Es geht um eine Fläche von rund 50 000 Quadratmetern östlich von Müs direkt an der Bundesstraße, die als kommunales Baugebiet entwickelt werden soll, nachdem die Eigentümer ihre Verkaufsbereitschaft signalisiert hatten.

Nachdem im Dezember 23 der 25 anwesenden Gemeindevertreterinnen und -vertreter für die Pläne gestimmt hatten, stellt Ortsvorsteher Keller fest: „Die Müser wollen das nicht.“ Die Bevölkerung befürchte Lärm- und Schmutzbelastungen. Außerdem könnten die Gebäude das Landschaftsbild negativ beeinflussen, so Keller. „Die Bevölkerung und auch der Ortsbeirat steht nicht hinter den Plänen.“ Deshalb habe der Ortsbeirat der Gemeinde nach seiner jüngsten Sitzung vorgeschlagen, das bereits bestehende Gewerbegebiet weiterzuentwickeln. Denn, so betont Keller, man sei in Müs nicht grundsätzlich gegen mehr Gewerbe. Im Gegenteil: „Neue Ansiedelungen von Unternehmen bringen der Gemeinde Steuereinnahmen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze. Firmen haben hier gute Möglichkeiten, die Anbindung ist gut, und auch die Nachfrage ist da.“

Großenlüder-Müs: Geplantes Gewerbegebiet „Auf der Hoh“ stößt bei der Bevölkerung auf Widerstand

Um den Beschluss der Dezember-Sitzung rückgängig zu machen, hat die UBL-Fraktion bereits einen entsprechenden Antrag für die nächste Sitzung der Gemeindevertretung angekündigt. Darin heißt es, das beschlossene Gewerbegebiet „Auf der Hoh“ mit der Bezeichnung „Fläche A“ solle nicht umgesetzt werden. Stattdessen sollen „vorrangig und erneut die Alternativflächen B und C und eine andere Fläche für ein mögliches, neues Gewerbegebiet auf der anderen Seite der Bundesstraße geprüft und verhandelt werden“. Die UBL begründet den Antrag mit „großem Widerstand und Protest der Müser Bevölkerung zum geplanten Gewerbegebiet Fläche A“. (Lesen Sie hier: Gemeindevertreter segnen Pläne ab: Mehr Gewerbefläche in Morles).

Auf Nachfrage bestätigt Fraktionsvorsitzender Karl Süss: „Es gibt erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung.“ Die Fläche A hätte „schon einen gewissen Charme“ gehabt, insbesondere durch die direkte Zufahrt gleich an der Bundesstraße. „Geologisch liegt sie aber sehr hoch, was wahrscheinlich zu den Bedenken bezüglich des Landschaftsbildes geführt hat“, mutmaßt Süss. Dass die Gemeindevertretung nun die Pläne ändern soll, die erst vor wenigen Wochen fast einstimmig befürwortet wurden, erklärt sich Süss so: „Dass es so großen Widerstand in der Bevölkerung geben würde, war zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar.“

Karl Süss (UBL): „Es gibt erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung“

Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) weist darauf hin, dass der Ortsvorsteher die Fläche in der Sitzung befürwortet und geäußert habe, dass Müs dahinterstehe. Der Rathauschef sagt aber auch: „Von der Lage, von der Erschließung, von den ganzen Rahmenbedingungen her ist die Fläche auf der Hoh nach Ansicht der Experten die am besten geeignete Fläche, doch wäre es gegen den Bürgerwillen gehandelt, wenn man den Müser Bürger – neben den hohen Belastungen durch die ZKW Otterbein – ein weiteres Gebiet angrenzend an die Wohnbebauung zumuten würde.“

Über den Antrag der UBL werde in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung am 4. Februar entschieden.

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