Der Kalksteinbruch der Firma ZKW Otterbein soll bis auf 135 Meter an den Ort heranwachsen.
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Der Kalksteinbruch der Firma ZKW Otterbein soll bis auf 135 Meter an den Ort heranwachsen.

Start: 29. Juni

Gemeinde Großenlüder will, dass die Bürger in Müs ihre Meinung zur Steinbrucherweiterung abgeben

  • Volker Nies
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Die Gemeinde Größenlüder will von den Bewohnern von Müs wissen, wie sie zum Vorhaben der Firma ZKW Otterbein stehen, den Kalksteinbruch bis auf 135 Meter an den Ort auszudehnen. Es ist eine anonyme, schriftliche Befragung geplant.

Update vom 14. Juni, 11.45 Uhr: Wie Bürgermeister Werner Dietrich mitteilte, wird die Befragung am 29. Juni starten. Zunächst hatte es geheißen, dass die Bürger den Fragebogen Anfang nächster Woche erhalten werden. „Aus internen Gründen verschiebt sich der Beginn der Bürgerbefragung um 14 Tage“, erklärte Dietrich.

Die Erstmeldung lesen Sie hier:

Müs - Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) hatte die Befragung bei der Info-Veranstaltung im November angekündigt. Jeden Antwortbogen will er persönlich auswerten: „Die teilnehmenden Bürger sollen absolut sicher sein, dass niemand erfährt, was sie im Fragebogen geschrieben haben.“

Die Befragung soll ablaufen wie eine Briefwahl, so dass niemand mehrfach teilnehmen kann. „Der Fragebogen bleibt geheim. Der innere Umschlag mit dem anonymen Antwortbogen und der äußere Umschlag mit dem Teilnehmernamen werden getrennt. Der Umschlag mit Fragebogen kommt ungeöffnet in eine Urne“, berichtet Dietrich.

Ihm sei es wichtig, dass die Teilnehmer wissen, dass ihre Antworten geschützt sind. Das garantiere er: „Die Fragebögen kommen ausschließlich zu mir und zu keinem anderen Mitarbeiter im Rathaus.“

Bewohner ab 14 Jahren erhalten Fragebogen

Etwa 980 Müser Bürger sollen den Fragebogen Anfang nächster Woche erhalten. Die Antwort soll bis 5. Juli bei Dietrich eingehen. Teilnehmen dürfen alle Bewohner von Müs ab 14 Jahren. „Die junge Generation wird ja noch lange vom Abbau betroffen sein.“ Die Teilnahme ist freiwillig. Die Kosten für die Verteilung und das Rückporto trägt die Gemeinde.

Der Rathauschef unterstreicht, dass die Bürgerbefragung keine förmliche Abstimmung sei – schon gar nicht eine Abstimmung „Pro“ oder „Contra“ Steinbrucherweiterung – und sie deshalb auch rechtlich keine Bindungswirkung für die Gemeinde entfalte.

In der Befragung sollten die Bürger erklären, wie sie die Auswirkungen und Belastungen durch den Kalkabbau und die Verarbeitung sähen und welche Wünsche und Erwartungen sie hätten.

Es sei wichtig, dass die Menschen in Müs einmal ein persönliches Fazit zögen, sich zu ihrer Betroffenheit oder Nichtbetroffenheit äußern können und dabei auch die Pläne für das neue, ortsnahe Abbaugebiet mit einbezögen. Jeder Müser habe jetzt die Möglichkeit, sich frei und geheim zu äußern.

„Es ist wichtig, dass wir erfahren: Wie sind die Menschen betroffen? Was erwarten sie? Was können wir für sie tun?“, fasst Dietrich zusammen. Die Bürger erhalten in dem Umschlag mit dem Fragebogen ein Begleitschreiben, das – wie Dietrich sagt – die bekannten Fakten zusammengefasst darstellt.

Sorgen um Grundwasser, Umwelt und Natur

Für die Befragung sei es jetzt ein guter Zeitpunkt: „In seiner öffentlichen Informationsveranstaltung hat das Unternehmen Daten, Zahlen und das Vorhaben vorgestellt. Auf dieser Grundlage sowie auf dem Stand der Erfahrungen und der Betroffenheit der Menschen aus den rund 130 Jahren Zement- und Kalkwerke Otterbein erfolgt diese Jugend- und Bürgerbefragung“, äußert Dietrich.

In der Corona-Krise sei die öffentliche Auseinandersetzung auch etwas zur Ruhe gekommen. Die Müser Bürger hätten in den zurückliegenden Jahren ihre Erfahrungen mit dem Kalksteinabbau und der Verarbeitung durch den Industriebetrieb gemacht. Jetzt soll ein Abbaugebiet bis auf 135 Meter an die Ortsbebauung heranrücken. „Ihre Erfahrungen können und sollen die Menschen jetzt mitteilen und nicht etwa in der Mitte eines Planverfahrens, wenn vielleicht vieles schon festgelegt ist“, sagt Dietrich. Dass sich die Menschen um das Grundwasser, die Umwelt und Natur, aber auch ihre Gesundheit und ihr Eigentum Sorgen machten, erfahre er von den Bürgern regelmäßig.

Umfrage soll unabhängig und neutral verlaufen

Dietrich sagt, er habe auch die Interessen des Unternehmens im Blick: „Ich weiß um den Familienbetrieb, arbeite seit meinem Amtsantritt gut mit der Eigentümerfamilie Müller zusammen. Ich weiß um die Arbeitsplätze, um den Rohstoffabbau, ich weiß aber auch um Menschen, Umwelt und Natur, um den Ort Müs, um die, die betroffen sind.“

Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, dass er die Befragung neutral und unabhängig durchführen werde, so unabhängig und neutral, wie er seine Arbeit als Bürgermeister seit mehr als elf Jahren tue. Die Ergebnisse der Befragung will Dietrich zu einem späteren Zeitpunkt öffentlich machen.

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