Das gesamte Feld hinter den Bürgerinitiative-Vorstandsmitgliedern Armin Sopp, Kristin-Marie Reinhardt, Hannah Jestädt und Chris Lohfink (von links) könnte weggebaggert werden, wenn die ZKW Otterbein ihren Kalksteinbruch wie geplant erweitern dürfen.
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Das gesamte Feld hinter den Bürgerinitiative-Vorstandsmitgliedern Armin Sopp, Kristin-Marie Reinhardt, Hannah Jestädt und Chris Lohfink (von links) könnte weggebaggert werden, wenn die ZKW Otterbein ihren Kalksteinbruch wie geplant erweitern dürfen.

Weil der Bürgermeister moderiert

Streitthema Kalksteinbruch geht in die nächste Runde: ZKW Otterbein lehnt Teilnahme am Runden Tisch ab

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Er sollte Brücken bauen und Vertrauen bilden, der Runde Tisch zum Plan der Zement- und Kalkwerke (ZKW) Otterbein, ihren Kalksteinbruch bis auf 135 Meter an den Ort Müs heran zu erweitern. Das Brücken bauen wird schwierig, denn die Firma lehnt die Teilnahme jetzt ab. 

Großenlüder - Das Unternehmen begründet die Absage damit, dass Bürgermeister Werner Dietrich (UBL) moderiert. ZKW nehme teil, wenn es einen „unbefangenen, neutralen und überparteilichen Moderator“ gebe. Dietrich sei dies nicht.

„Der Runde Tisch wird trotz der Absage der ZKW am nächsten Montag erstmals zusammentreten“, entgegnet der Bürgermeister. „Die Funktionsfähigkeit des Runden Tisches wird durch die Nichtteilnahme der Geschäftsführer Winfried und Dr. Christian Müller nicht gefährdet. Ein konstruktiver Austausch ist weiter möglich.“

Dietrich sagt, er bedauere, dass die ZKW nicht teilnähmen, denn die Müllers und er hätten stets ein vertrauensvolles Miteinander gepflegt. Ende 2019 habe es eine gemeinsame Erklärung von Firma und Gemeinde zum Start der Bürgerinformation gegeben. Leider hätten Müllers jetzt seine Angebote zum klärenden Gespräch abgelehnt. Als Bürgermeister sei er nicht „parteilich“. Dass die Herren Müller erst dann teilnähmen, wenn er, Dietrich, nicht Moderator sei, sei eine Missachtung des Amtes des von allen Bürgern gewählten Bürgermeisters. Seine Einladung an die Müllers stehe. „Schließlich geht es ja um ZKW Otterbein.“

Bürgerinitiative wünscht sich gesunde Zukunft für Bürger und ZKW Otterbein in Müs

Die Bürgerinitiative begrüßt den Start des Runden Tisches. „Das ist ein Ort, an dem wir den Vertretern der Behörden unsere Sorgen schildern können, aber auch ein Ort, um Alternativen zur Erweiterung des Kalkabbaus zu besprechen“, sagen die Vorstandsmitglieder Hannah Jestädt (25) und Kristin-Marie Reinhardt (22). Eine Alternative zu einem größeren Steinbruch aufzuzeigen, dass ist dem Vorsitzender Chris Lohfink (61) und Vorstandsmitglied Armin Sopp (55) wichtig.

„Unser Ziel ist es nicht, die ZKW zu schließen. Wir wollen eine gemeinsame, gesunde Zukunft“, sagt Lohfink. Die Strategie der Firma, den Kalksteinbruch zu erweitern, sei nicht zukunftsweisend. „Unternehmen müssen nachhaltiger werden. Firmen, die sich gegen diesen Trend stellen, gefährden Jobs.“ Zudem seien die Kalkvorkommen in Müs begrenzt – selbst wenn der Steinbruch jetzt noch einmal vergrößert werde.

Konflikt in Müs: ZKW Otterbein soll laut Bürgerinitiative zukunftsorientierter agieren

„Otterbein hat zwei Möglichkeiten“, sagt Sopp. „Entweder es vergrößert den Steinbruch, gefährdet das Grundwasser und nutzt Ersatzbrennstoffe aus aufbereitetem Abfall - wobei die Umweltbelastung auch den Ort Großenlüder und Bad Salzschlirf erreicht - oder es wird ökologischer, verzichtet auf die Erweiterung und wird zum Vorreiter für moderne Bauverfahren.“

Nur als nachhaltiges Unternehmen hätten die ZKW eine Zukunft. Ihren Plan hat die Initiative den ZKW-Geschäftsführern bereits vorgestellt – ohne Erfolg. „Müllers sagen, ihr Geschäft sei der Abbau von Kalk und die Herstellung von Zement“, äußert Sopp.

Zu Beginn des Jahres war bekannt geworden, dass die Gemeinde Großenlüder Veto-Recht zur Erweiterung des Steinbruchs hat. Neben dem Runden Tisch wurde auch eine Befragung der Bürger angestrebt, zu der es am 29. Juni kommen soll.

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