Foto: ArTo / stockadobe.com; Emanuel Malzew

Musikalische Umarmung: Stefan Malzews Beethoven-Projekt „Alles Neunte“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Bad Salzschlirf - Der Biografie eines Komponisten kann man sich lesend nähern. Es geht aber auch musikalisch, sagt Stefan Malzew. Deswegen hat er das Projekt „Alles Neunte“ initiiert, mit dem er am Samstag, 7. März, in Bad Salzschlirf zu erleben ist. Im Mittelpunkt: Beethoven.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Ein Konzert, das zu einer Art Selbsterfahrung werden kann, der Sound eines Mannes, der die Musik verändern sollte, und ein Workshop, bei dem „es richtig Rabatz geben wird“: Wenn Stefan Malzew über Ludwig van Beethoven spricht, dann sprudelt er geradezu über.

Nicht nur wegen der Kompositionen des Mannes, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr riesig gefeiert wird. Sondern auch wegen dessen Lebensumständen, der Kämpfe, der Einsamkeit. „Beethoven war jemand, der nie in den Arm genommen wurde. Das holen wir nun nach. Nicht physisch, aber musikalisch“, betont der 56-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zuwendung zu Beethoven

„Alles Neunte“ heißt der Abend im Kulturkessel von Bad Salzschlirf, bei dem der Musiker Malzew zusammen mit Hannes Richter und Winfried Holzenkamp ab 20 Uhr die Zuhörer entführen will in die Welt eines außergewöhnlichen Mannes, der als „Topstar am Klavier“ begann, einen rebellischen Geist und ein „riesengroßes Herz“ besaß und wegen seiner zunehmenden Taubheit immer mehr zum Eigenbrötler wurde.

„Kann man in seiner Musik Hinweise darauf finden, wie er sich gefühlt hat?“ Dieser Frage sei er nachgegangen, sagt Malzew. Und habe ein Konzert konzipiert, das fröhlich beginne, immer ernster werde, schließlich „abgrundtief traurig“ sei, bevor dann aber die Zuwendung zu Beethoven warme und auch rockige Züge bekomme.

Tragödie erfahrbar machen

Anders formuliert: Es geht von Beethovens Stücken über atmosphärischen Jazz und John Lennons „Imagine“ hin zu Schuhmann, Mozart und Joe Cockers „With A Little Help From My Friends“. Am Ende stünde dann „unsere Version von Beethovens Neunter“. Alle Menschen werden Brüder – eine Vision als allumspannender Bogen.

Nicht verraten wird an dieser Stelle, wie Stefan Malzew, der seit etwa acht Jahren als selbstständiger Musiker in Bad Salzschlirf lebt, Beethovens Tragödie erfahrbar machen will. Der große Komponist merkte zwar schon früh, wie sein Gehör nachließ. „Dass er ganz taub werden würde, war ihm aber vielleicht nicht von Anfang an bewusst.“ Umso dramatischer, als er nichts mehr hören konnte. Umso beeindruckender aber auch seine Lebensleistung...

Workshop am Konzerttag

Als Joseph Haydn Beethovens „Eroica“ gehört hatte, soll er gesagt haben: „Von nun an wird in der Musik nichts wieder so sein, wie es mal war.“ Stefan Malzew fragt: Wie muss Musik klingen, dass man dies heute noch über sie sagen kann? Über Radiobeschallung und Streamingdienste sei alles überall verfügbar, Konsumenten hätten die Fähigkeit zu Hören fast verloren.

Die Flinte ins Korn zu werfen, ist aber nicht sein Ding. Deswegen bieten er und seine beiden Musikerkollegen am Tag des Konzertes ab 10 Uhr im Kulturkessel einen Workshop an für alle Musik-begeisterten Menschen jeden Alters und egal ob mit oder ohne Instrument. Zwanglos soll es auf die Suche nach neuen, wortwörtlich unerhörten Klängen gehen. Der Eintritt zu diesem Workshop ist frei, eine Anmeldung nicht nötig.

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