Cello-Lehrer Jochen Fuchs und Natalya Oldenburg musizieren im Kellersaal.
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Meist ist es ruhig - nur Jochen Fuchs und Natalya Oldenburg von der Musikschule der Stadt Fulda musizieren gelegentlich im Kellersaal.

„Nicht system- aber seelenrelevant“

Stille in der Musikschule Fulda: Während der Corona-Pandemie wird über Video-Programme unterrichtet

  • Alina Komorek
    vonAlina Komorek
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Während 2019 noch mehr als 70 Konzerte stattfanden, waren es 2020 nur 15 Veranstaltungen, an denen die Musikschule ihre Talente zeigen konnte. Musikschulleiterin Natalya Oldenburg und Cello-Lehrer Jochen Fuchs berichten vom Musikunterricht.

Fulda - Es ist nur die „Vogelhochzeit“. Aber als sie durch das Kellergewölbe der Musikschule in Fulda klingt, löst sie einen Gänsehaut-Moment aus. Auf dem alten Cello spielt Jochen Fuchs die tieferen Töne, Musikschulleiterin Natalya Oldenburg auf ihrer Geige die höheren. Hier unten finden normalerweise die Musikschul-Konzerte statt. Seit der Corona-Pandemie ist hier die meiste Zeit alles still, deshalb wirkt die schlichte „Vogelhochzeit“ wie eine Erleichterung – der Raum ist endlich wieder mit Musik gefüllt.

Im ersten Lockdown, der im März vergangenen Jahres begann, habe die Musikschule innerhalb von drei Tagen auf den Online-Betrieb umgestellt. „Es ist keine einzige Unterrichtsstunde ausgefallen“, sagt der 63-jährige Cello-Lehrer. (Lesen Sie hier: Corona in Fulda: Regeln verschärft) 

Während der Corona-Pandemie wird in der städtischen Musikschule online unterrichtet

Egal, ob online oder in Zeiten der Lockerungen vor Ort: Zwar konnte der Unterricht während der gesamten Pandemie-Zeit stattfinden, das vergangene Jahr sei trotzdem eine Herausforderung gewesen. Denn obwohl die Lehrkräfte nicht lange brauchten, um für den Unterricht auf verschiedene Video-Programme umzusteigen, birgt der online-Unterricht einige Tücken.

Beispielsweise ist das Internet – im Gegensatz zu den Räumen der Musikschule – voll. Zu voll. „Häufig war die Verbindung schlecht oder das Netz überlastet“, berichtet Jochen Fuchs, der seit knapp vier Jahrzehnten an der Fuldaer Musikschule Cello- und Kammermusik unterrichtet.

Musikbox

Statt Konzerten sind auf der Homepage der Musikschule Fulda kleine Musikvideos zu sehen. Auf diese Weise wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, ihre Stücke zu präsentieren. Diese sind unter „Online Veranstaltungen“ zu finden: musik-fulda.de

Musikschulleiterin Oldenburg fügt hinzu: „Die Konferenzprogramme auf dem Handy oder Tablet sind für das Sprechen gedacht – nicht für das Musizieren.“ Die Klangqualität habe aus diesem Grund gelitten. Außerdem sei es kaum möglich, die ersten Unterrichtsstunden online zu geben, wenn die Lehrkräfte nicht physisch anwesend sein könnten. Während der ersten Stunden seien die Kinder meist noch klein und bräuchten besonders viel Unterstützung.

Dass die meisten Veranstaltungen der Musikschule ausfallen mussten, wirke sich ebenfalls auf den Musikunterricht aller Instrumente aus: Ohne die Konzerte fehlten den Kindern nicht nur die regelmäßigen Auftritte, sondern vor allem die Motivation, die sie sonst zum Üben für die Konzerte aufbringen würden. Die Lehrkräfte hätten aus diesem Grund Wege finden müssen, um die Schülerinnen und Schüler bei Laune zu halten.

In der Musikschule der Stadt Fulda bleibt es während der Pandemie still

„Es wurden Videos aufgenommen, CDs produziert und Klassenvorspiele über Zoom gemacht“, berichtet die 43-jährige Musikschulleiterin. Dies sei gut angekommen, die Generation sei ohnehin viel in digitalen Medien unterwegs und müsse sich kaum an die Umstellung von Präsenz- auf Online-Unterricht gewöhnen. Im Gegensatz zu Cello-Lehrer Fuchs: „An einem Tag habe ich sieben Stunden online unterrichtet“, erzählt er über den ersten Lockdown, „das war anstrengender als der Live-Unterricht.“

Von den Ausfällen des Gruppenunterrichts seien vor allem die Kleinsten betroffen. Hier sei es sogar zu Abmeldungen gekommen, häufig aber mit dem Versprechen, die frühe musikalische Bildung nach dem Ende der Pandemie wieder aufzunehmen. „Der Gruppenunterricht lebt von der Interaktion“, finden Oldenburg und Fuchs. Und die sei bei den kleinen Kindern nur vor Ort möglich.

Musikschule in Fulda: Leiterin und Lehrer sind froh, dass online-Unterricht möglich ist

Natürlich fehle den beiden die Orchester- und Kammermusik, die durch die gebogenen Flure des alten Hauses in der Buseckstraße hallt. Aber sie seien froh, dass überhaupt Unterricht möglich sei. Viele musikalische Feinheiten ließen sich während des Präsenzunterrichts besser erörtern, berichtet der Cello-Lehrer. Oldenburg ergänzt, dass die Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler gut kennen würden, was die Situation einfacher mache. „Die Verbindung zu den Lehrkräften an der Musikschule besteht meist viel länger als zu den Lehrkräften an der allgemeinbildenden Schule“, sagt sie. Die Bindung halte meist viele Jahre und sei deshalb besonders innig.

Beide, die Musikschulleiterin und der Cello-Lehrer, berichten vom „Kulturhunger“, den sie bei den Kindern und Eltern bemerkten – und dass dieser eben gerade nicht so richtig gestillt werden könne. Die Hoffnungen beider liegen daher auf den Impfungen und den Öffnungen, die mit ihnen kommen. Oldenburg findet: „Auch wenn wir nicht systemrelevant sind – seelenrelevant sind wir auf jeden Fall.“

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