Fulda: Ein Blick auf die Aueweiher vom Südufer aus.
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Ein Blick auf die Weiher vom Südufer aus.

Vor Landesgartenschau

NABU sammelt Unterschriften gegen geplante Zusammenlegung der beiden Aueweiher in Fulda

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Die Stadt Fulda möchte den Aueweiher im Vorfeld der Landesgartenschau umgestalten. Der NABU sieht das kritisch. Doch die Planer betonen, dass die Arbeiten notwendig und mit Blick auf den Naturschutz rechtens sind.

  • Die Stadt Fulda will den Aueweiher vor der Landesgartenschau umgestalten.
  • Laut NABU würden die geplanten Maßnahmen der Natur am Aueweiher schaden.
  • Während die Stadt die Vorwürfe zurückweist, sammelt der NABU nun Unterschriften.

Fulda - Mit Blick auf die Landesgartenschau hat die Stadt viel vor – unter anderem im Bereich der beiden Aueweiher. Kurz zusammengefasst: Dort soll vor allem die Wasserqualität verbessert werden. Dazu soll Wasser abgepumpt, gereinigt und wieder eingeleitet werden.

Beide Aueweiher sollen dazu miteinander verbunden werden. Dazu wiederum muss ein Teil Auwald entfernt werden. Auf der dann entstehenden Insel sollen Tiere und Pflanzen besonders geschützt werden. Am Südufer des Weihers soll überdies ein Strandbereich geschaffen werden.

„Gravierende, ökologisch nachteilige Veränderungen“

Die Kritik des NABU am Vorgehen der Stadt ist deutlich: Die geplanten Maßnahmen ließen gravierende, ökologisch nachteilige Veränderungen für den Naturraum am Aueweiher erahnen, heißt es in einer Schrift des Vereins. Das geht aus einer Stellungnahme von Anfang April hervor, die auf der Internetseite des NABU Fulda-Künzell abrufbar ist.

Der Verein nennt darin mehrere Punkte, kommentiert sie und schlägt Alternativen vor. Darüber hinaus sammelt der Verein derzeit Unterschriften für seine Anliegen. Mehr als 600 Unterschriften liegen ihm nach eigenen Angaben derzeit vor.

NABU: Wasserqualität wird nicht verbessert

Diese sei nicht einleuchtend, erklärt der NABU. Eine Verbesserung der Wasserqualität durch eine Vergrößerung der Wasseroberfläche werde so nicht erzielt, da die Ursache für die schlechte Wasserqualität auf dem Boden der Aueweiher liege.

Der NABU schlägt vor, das gereinigte Wasser in gleichen Mengen in beide Weiher zurückzuleiten. Eine Beseitigung der Landverbindung sei somit nicht notwendig. Alternativ sei eine „hydraulische Verbindung“ durch einen Überlauf zwischen den Weihern möglich.

Stadt: Es soll keine Badestelle geschaffen werden

Überdies werde das gereinigte Wasser ausgerechnet im Strandbereich wieder eingeleitet, damit das Wasser für die dort Badenden die besten Werte erreiche. Es stelle sich die Frage, ob die Gewässersanierung der Aueweiher im Vordergrund stehe – oder ob die Stadt „nicht Angst um die Gesundheit der Badenden“ habe.

Die Stadt widerspricht den Anwürfen des Vereins in mehrfacher Hinsicht. Zunächst: Eine Badestelle solle überhaupt nicht geschaffen werden. Und: „Der Aueweiher ist ein stehendes Gewässer. In den vergangenen Sommern hat es immer wieder Probleme mit mangelnder Sauerstoffzufuhr im Wasser gegeben“, sagt Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos).

Schreiner weiter: „Indem wir eine Filteranlage einbauen, die Weiher zusammenlegen und aufbereitetes Wasser in das Gewässer leiten, möchten wir diesen Zustand beheben.“ Das sei dringend notwendig. Schreiner lobt ausdrücklich die Arbeit des Angelsportvereins Fulda.

Angelsportverein sieht geplante Maßnahmen positiv

Die Stadt ist Eigentümer des Weihers, hat diesen aber an den Verein zur Pflege verpachtet. Dieser sieht die geplanten Maßnahmen der Stadt positiv: „Wie das Fischsterben vor einigen Jahren ja deutlich gezeigt hat, steht es um die Wasserqualität der Aueweiher nicht zum Besten“, erklärt der Vereinsvorsitzende Stefan Krings.

Die Weiher seien stark eutroph – hätten also einen hohen Phosphatgehalt und ein starkes Wachstum an Biomasse, zum Beispiel Plankton. „Der Gewässergrund hat einen nicht unerheblichen Anteil an Faulschlamm, was insbesondere in den Sommermonaten zu starkem Sauerstoffmangel führt.

Zusätzlich kommt es meist zu einer Explosion von Algenwachstum. Darum sind die Weiher im Sommer meist grün“, erklärt Krings. Um nachhaltig eine Verbesserung der Wasserqualität zu erzielen müsse eine Belüftungsanlage her, die das gesamte Gewässer belüftet.

Lüfter laufen rund um die Uhr

Die Aquajets, die der Verein vor einiger Zeit zur Belüftung in den Weiher gesetzt hat, könnten nicht die Ursachen beheben, sondern nur die Symptome lindern, betont Krings. Sie hätten zwar bislang hervorragende Dienste geleistet.

„Allerdings sind die finanziellen Belastungen für den Verein nicht unerheblich, da im Sommer die Lüfter meist rund um die Uhr laufen und wir neben unserem selbst erzeugten Solarstrom auch Strom aus dem Netz benutzen müssen.“ Stadt und Verein sind sich einig: Beide streben eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität an.

Dabei helfe eben auch die Zusammenlegung beider Weiher: „Das ist ähnlich wie in einem kleinen Gartenteich: Eine kleine Fläche kann kein biologisches Gleichgewicht erzeugen – bei einer großen Fläche gelingt das besser“, betont Marcus Schlag, einer der Geschäftsführer der Landesgartenschau-Gesellschaft.

NABU: Badeverbot wird nicht kommen

Mit dem Sanierungskonzept der Stadt soll das Wasser nicht nur belüftet, sondern ihm auch Phosphat entzogen werden, wie Schlag betont.  Am Süd- und Ostende des südlichen Aueweihers solle eine Sandstrand für „Beach & Fun“ angelegt werden, kritisiert der NABU.

Auch wenn die Stadt betone, dass dort kein Schwimmbadbetrieb vorgesehen sei, suggeriere ein groß angelegter Sandstrand das Gegenteil. Die Stadt wolle das Baden jedoch auch nicht offiziell verbieten, erklärt der NABU. Einen breiten Schilfgürtel, den der Verband als Kompromiss vorgeschlagen habe, um unter anderem das Schwimmen auf den See hinaus zu verhindern, sei von der Stadt abgelehnt worden.

Dies zeige, dass die Wasserfläche für den Badebetrieb und für Wassersport freigegeben werden solle – was nicht nur Müllverschmutzung zur Folge hätte, sondern auch die Störung der Tiere auf der zu schützenden Insel. Überhaupt äußere sich die Stadt zum Thema Wassersport nur sehr ungenau und widersprüchlich.

Neue Lebensräume für Amphibien

„Der Aueweiher wird nicht zum Badesee“, betont Schlag. Das Schwimmen in dem Gewässer sei nicht zu realisieren. Auch die Idee, einen Teil abzugrenzen und zum Schwimmen freizugeben, habe man aus rechtlichen Gründen verworfen. 

Da das Südufer der Naherholung dienen soll, bleibt das Nordufer, wo derzeit der Parkplatz an der Hornungsbrücke ist, dem Naturschutz vorbehalten – unter anderem sollen dort eine Holzterrasse und ein Wassergarten entstehen.

Entlang von Ost- und Westufer soll nicht viel eingegriffen werden – die Pfade sollen jedoch etwas vom Weiher weggeführt werden. An Flachwasserbereichen sollen neue Lebensräume entstehen – zum Beispiel für Amphibien.

NABU: See-Café neuer Unruheherd

Um während der Landesgartenschau eine Bewirtung für Besucher sicherzustellen, gibt es Überlegungen, im Bereich der Segelflughalle Gastronomie anzubieten. Das bestätigt die Stadt. Der NABU kritisiert diese Örtlichkeit: So werde direkt gegenüber der neu entstehenden „Vogelinsel“ ein See-Café platziert – und damit ein neuer Unruheherd mit Lärm und Müll am Aueweiher.

Auch lehnt der Verein eine „Floßverbindung an dieser Insel vorbei“, die nun geplant sei, ab: „Dabei werden die notwendigen Abstände zur Insel nicht eingehalten und somit Vögel des Auwalds und deren angedachte Brutstätten zusätzlich gestört.“

Der NABU möchte die Landverbindung zwischen beiden Weihern erhalten, das betont der Verein in der Stellungnahme. Überdies müsse die Stadt für die „Zerstörung der geschützten Auwälder“ einen Ausgleich schaffen. 

Stadt: Kein gesetzeswidriges Verhalten

„Um beide Weiher zusammenzuführen, müssen natürlich einige Bäume entfernt werden“, sagt Schlag, betont aber: „Doch wir haben die Insel, die dann entstehen wird, so geplant, dass wir so wenig Auwald wie möglich entfernen müssen.“ Dort seien Tiere und Pflanzen später besonders geschützt.

Für jene Bäume, die dann weichen müssen, würden neue gepflanzt. Den Vorwurf, man handele hier gesetzeswidrig, weist die Stadt zurück: „Es gibt für solche Maßnahmen exakte Vorgaben, was zu tun ist, und die werden wir erfüllen“, betonen Stadtbaurat und der LGS-Geschäftsführer. 

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