Foto: Ding Ting/XinHua/dpa

Nach Corona-Gerüchten im Netz: Klinikum-Chef warnt vor Hysterie

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

FULDA - Wer sich gerade mit einer Erkältung herumschlägt, der wird mitunter gefragt, ob das nicht das Coronavirus sein könnte. Auch Krankenhäuser berichten von einer größeren Besorgnis unter den Patienten. Jetzt tauchte in den sozialen Netzwerken ein Formular aus dem Klinikum Fulda auf, auf dem von „Corona“ die Rede ist. Vorstandssprecher Dr. Thomas Menzel gibt aber Entwarnung.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

„Wir hatten bisher keine Verdachtsfälle. Es gab eine Patientin, bei der wir den Test gemacht haben. Der fiel aber negativ aus. Das hatten wir auch so erwartet“, sagt Dr. Thomas Menzel. Die Patientin habe über Durchfall geklagt. „Sie war aber nicht im Risikogebiet und hatte auch keinen Kontakt mit einem Erkrankten“, ergänzt Menzel. Ausschlaggebend, wann eine erkrankte Person als „Verdachtsfall“ gilt, seien die Kriterien des Robert -Koch-Instituts: „Es gibt eine klare Definition. Zwei Dinge müssen vorliegen: Es müssen die Symptome vorhanden sein, die einem grippalen Infekt ähneln, und die Person muss in den letzten zwei Wochen im Risikogebiet gewesen sein oder Kontakt mit einem Erkrankten gehabt haben.“

„Es entsteht hier eine Hysterie“

Dass in den sozialen Medien nun ein Formular des Klinikums aufgetaucht ist, bei dem unter „Erreger“ der Begriff „Corona“ aufgeführt ist, wundert – und ärgert – Menzel. „Es ist ein Formular, das von Reinigungskräften ausgefüllt wird. Dass jemand dort ,Corona‘ draufgeschrieben hat, ist schlichtweg falsch.“ Es sei ärgerlich, dass mit so etwas Ängste geschürt werden, gerade wenn ein solches Formular ins Netz gestellt wird. „Es entsteht hier eine Hysterie. Menschen werden verunsichert. Ich bin stinksauer darüber.“

Viel größere Sorge bereite ihm aus medizinischer Sicht die Influenza, die in diesem Jahr wieder zugenommen habe. „Die Zahl der Grippefälle nimmt zu.“ Eine solche Infektion sei viel wahrscheinlicher als eine Ansteckung mit Coronaviren.

Ein wesentlicher Unterschied

Ähnlich beurteilt auch Dr. Carsten Schmidt, Infektiologe am Klinikum, die Situation: „Nachdem was wir wissen, sind die Verläufe bei der Coronavirusinfektion häufig zwar schwerer als bei der Influenza. Aber der wesentliche Unterschied besteht darin, dass die Coronaviren bis auf wenige Ausnahmen in Deutschland noch gar nicht aufgetaucht sind.“

Geringes Risiko für die Bevölkerung

Auch Gudrun Käsmann, Pressesprecherin in der Helios St. Elisabeth Klinik in Hünfeld, weist darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, sich mit der Virusgrippe Influenza infiziert zu haben, wesentlich höher sei als eine Infektion mit dem Coronavirus. „Grundsätzlich gilt: Das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland wird zurzeit als gering eingeschätzt. Diese Einschätzung kann sich aufgrund neuer Erkenntnisse kurzfristig aber ändern.“ Helios sei für den Fall, dass ein Patient mit Verdacht auf Coronavirus in die Klinik kommt, vorbereitet. Das Personal sei nach einem Hygieneplan auf Grundlage der Richtlinien des Robert-Koch-Instituts geschult worden. „Bei Verdachtsfällen werden in enger Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden alle Vorkehrungen getroffen, um den Befund zu sichern, die betreffenden Patienten zu isolieren und diese so schnell wie möglich zur Therapie in eine dafür ausgerüstete spezialisierte Klinik zu verlegen“, erklärt Käsmann.

Bei Verdacht werden Vorkehrungen getroffen

Das Klinikum kann solche Patienten behandeln, betont Menzel. Dort gibt es ein sogenanntes Schleusenzimmer: „Wenn der Verdacht auf Coronavirus besteht, würde der Patient in ein Isolierzimmer gebracht werden. Das Personal muss dann durch eine Schleuse und entsprechende Hygienemaßnahmen treffen. Der Betroffene kommt so nicht mit anderen Patienten in Berührung“, erklärt Dr. Petra Zahn, Direktorin der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Fulda.

„Unsere Klinik ist vorbereitet“

Dr. Rüdiger Hacker, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Abteilung für Anästhesie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda pflichtet seinen Kollegen bei: „Unsere Klinik ist, wie alle Krankenhäuser, für solche Fälle vorbereitet.“ Auch er schätzt die Gefahr für die Bevölkerung derzeit als gering ein. „Nichtsdestotrotz wird unter Umständen mit weiteren Fällen in ganz Deutschland gerechnet.“ Bereits beim Erstkontakt mit einem Patienten, der die Symptome aufweist, werde abgeklärt, ob dieser sich in einem Risikogebiet aufgehalten habe. „Bei bestehendem Verdacht auf das Coronavirus wird dies dem Gesundheitsamt gemeldet“, ergänzt Hacker.

Das Gesundheitsamt war für eine Stellungnahme gestern nicht erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren