Verena Heil-Ruppel und ihr Anwalt Rudolf Karras fordern von der Bahn jetzt Schadensersatz. / Foto: Volker Nies

Nach Ende des Sophia-Prozesses: Mutter fordert Schadensersatz

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Neuhof - Doch kein Ende im Sophia-Prozess? Zwar wurde das Verfahren um das Bahnunglück vom 4. Februar 2010, bei dem Sophia (16) in Neuhof ums Leben kam, am Dienstag eingestellt. Jetzt verlangt Sophias Mutter, Verena Heil-Ruppel (61), jedoch Schadensersatz.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

„Wir haben die Deutsche Bahn nach dem Unglück aufgefordert, dass sie für die Folgen haftet und beispielsweise die Kosten der Beisetzung übernimmt“, berichtet Rudolf Karras, der Rechtsanwalt von Sophia Mutter Verena Heil-Ruppel.

„Wir wurden uns mit der Bahn nicht einig, haben uns aber darauf verständigt, dass wir die Verjährung der Forderungen aussetzen und wir wieder verhandeln, wenn der Strafprozess abgeschlossen ist“, berichtet Karras.

Bahn soll haften

Die Bahn als Unternehmen haftet, wenn es in ihrem Verantwortungsbereich zu Fehlern kommt. Dabei muss keinem Mitarbeiter ein persönliches Verschulden nachgewiesen werden. Das ist im Strafverfahren hingegen nötig.

„Mir ging es nicht um Rache oder Vergeltung“

Das Landgericht Fulda hatte am Dienstag das Strafverfahren gegen die vier wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Männer gegen die Zahlung einer Geldauflage eingestellt.

„Mir ging es nicht um Rache oder Vergeltung“, sagte Verena Heil-Ruppel (61), die Mutter von Sophia, nach dem letzten Verhandlungstag. „Mir ging es um die Aufklärung des Unglücks – und darum, die Aussage der Bahn zu entkräften, Sophia sei selbst schuld gewesen an dem Unfall. Das hat der Prozess geschafft.“

Deshalb akzeptiere sie die Einstellung des Verfahrens. „Vielleicht habe ich mit dem Prozess auch erreicht, dass sich ein solches Unglück nicht wiederholt und die Bahn jetzt mit mehr Sorgfalt arbeitet“, sagte Heil-Ruppel.

Angeklagte müssen Geld an gemeinnützige Projekte zahlen

Mit der Einstellung trifft das Gericht keine Aussage über die Schuld der Angeklagten. Sie gelten weiter als unschuldig.

Der 46 Jahre alte Leiter der beauftragten Winterdienstfirma muss 3600 Euro an die Bahnhofsmission Fulda zahlen. Der 41 Jahre alte Fahrdienstleiter, der 67 Jahre alte Winterdienstkoordinator und der 58 Jahre alte Bahnhofsmanager der Bahn müssen je 1200 Euro an den Opferhilfeverein Weißer Ring, die Arbeitsgemeinschaft der Gefangenen- und Haftentlassenen-Hilfe und den Fuldaer Verein für Opferbetreuung zahlen.

Prozess war eine psychische Belastung

Mit dem Abschluss des Strafverfahrens endet eine strapaziöse Zeit für die Mutter – aber auch für die vier Angeklagten. Die zehn Verhandlungstage, in dem sie sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten mussten, nahm sie sichtlich mit. Einer der Angeklagten ist seit Monaten arbeitsunfähig – weil ihn die Vorwürfe belasten.

Die Strafkammer hatte dem Unternehmen Bahn vorgehalten, es habe den Winterdienst mangelhaft organisiert. Zieht die Bahn jetzt Konsequenzen aus dem Unglück?

Die Antwort der Bahn-Pressestelle auf unsere Anfrage ist ausweichend: „Die Deutsche Bahn bereitet sich personell, technisch und organisatorisch auf die Wintermonate vor. Insgesamt wendet die DB 70 Millionen Euro für den Winterdienst auf, davon 30 Millionen Euro für die bundesweit 5700 Bahnhöfe.“

Winterdienstmitarbeiter könnten digital über Beginn und Ende der Räumung informieren. „So kann in der Winterdienstdatenbank der DB jederzeit der Status der Bahnhöfe überprüft und im Bedarfsfall kurzfristig nachgesteuert werden“, sagt die DB-Sprecherin.

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