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Nach Großeinsatz wegen entlaufenen Jungbullen: Bahn stellt keine Schadensersatzforderungen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Flieden/Schlüchtern - Nachdem ein Jungbulle Anfang März aus seinem Gatter entwischt und dann in den Schlüchterner Tunnel (Distelrasen-Tunnel) – einer der meistbefahrenen Eisenbahntunnel in Deutschland – gelaufen war und damit einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst hat, ist nun klar: Der Halter bekommt höchstens ein Bußgeld und wird ansonsten nicht zur Kasse gebeten.

Nach Angaben der Polizei lief das Rind an den Gleisen entlang und tauchte an der A66 wieder auf. Bahnstrecke und Autobahn wurden daraufhin sofort gesperrt.

Als der ausgebüxte Bulle außer Sicht geriet, stieg ein Polizeihubschrauber auf und sichtete den Bullen erneut in der Nähe der Autobahn. Ein Jäger, der von der Polizei an Ort und Stelle gebracht worden war, tötete den Bullen dann am späten Abend am Ende des mehrstündigen Großeinsatzes.

Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet

„Gegen den Tierhalter haben wir ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gemäß der Eisenbahn- Bau- und Betriebsordnung (EBO) eingeleitet“, erklärt Klaus Arend, Pressesprecher der Bundespolizeiinspektion Kassel, gegenüber unserer Zeitung. Dem Verfahren liege der Tatbestand einer so genannten „Betriebsstörenden Handlung“ zu Grunde.

Inwieweit der Fall in einem Bußgeldverfahren mündet, sei jedoch noch unklar. Für den Polizeieinsatz muss der Halter allerdings wohl nicht aufkommen. Arend erklärt: „Bei eingeleiteten Straf- oder Bußgeldverfahren ist die Erhebung von Polizeikosten nicht vorgesehen.“

Die Erstellung eines Gebührenbescheides für einen Polizeieinsatz werde grundsätzlich nur bei präventiven Polizeieinsätzen – also Einsätzen zur Gefahrenabwehr – geprüft.

Zur Sicherheit des Bahnbetriebs

Was laut Arend auf den Verursacher zukommen könnte, sind Schadenersatzforderungen, also zivilrechtliche Ansprüche von Dritten. Sie können bis 30 Jahre nach einer Handlung eingefordert werden. Darauf will die Deutsche Bahn jedoch verzichten. Das erklärte eine Bahn-Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Da durch diesen Vorfall kein Sachschaden entstand, wird die DB Netz AG in diesem Fall auf eine Schadenersatzforderung gegenüber dem Tierhalter verzichten“, erklärte sie. Streckensperrung und Einsatzkräfte – auch der DB – dienten der Sicherheit des Bahnbetriebs. / mal

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