Jahrzehntelang das Gesicht der Raiffeisenbank: Lothar Jünemann. / Foto: Norman Zellmer

Nach 29 Jahren: Lothar Jünemann verlässt Raiffeisenbank im Fuldaer Land

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Flieden - Rund 29 Jahre war Lothar Jünemann Vorstand der Fliedener Raiffeisenbank und ihres Nachfolgeinstituts. Er hatte zuletzt die Bankenfusion begleitet und war das Gesicht von „Kinder im Königreich“. Am Freitag wird er verabschiedet.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Lothar Jünemann sitzt – gekleidet in weißem Hemd, dunkler Businesshose, blauweißer Krawatte und Sakko –vor Akten und Papieren am Schreibtisch. Auf dem PC-Bildschirm leuchtet das Menü des digitalen Postfachs. Der Videotext des Flachbildfernsehers an der Wand zeigt Börsendaten. Dass der 63-Jährige in nicht einmal einer Woche in den Ruhestand gehen wird, ist im Büro nicht zu erkennen.

„Es gibt so viele Projekte“, sagt der 62-Jährige. Nach der Fusion der Raiffeisenbanken Flieden und Großenlüder zur RB im Fuldaer Land treibt die Bank die Digitalisierung und die Erschließung neuer Geschäftsfelder voran. Den bevorstehenden Ruhestand habe er, Jünemann, daher „ausgeblendet. Aber es ist schon ein komisches Gefühl“, sagt er mit Blick auf den neuen Lebensabschnitt, der im März beginnt. „Da ist schon Wehmut dabei.“

Fast 29 Jahre Vorstandsmitglied

Jünemann konnte sich jedoch auf das Datum vorbereiten, auch wenn er die zurückliegenden Monate mit „Vollgas“ gearbeitet habe. Denn in den Fusionsgesprächen seit 2016 sowie in den Verhandlungen und Verträgen zu dem Zusammenschluss 2019 wurde vereinbart, dass Jünemann nun aus dem dreiköpfigen Vorstandsteam ausscheiden und der Posten nicht neu besetzt wird.

Dass der frühere Verbandsprüfer fast 29 Jahre Vorstandsmitglied ist, war eigentlich nicht vorgesehen, so Jünemann: Ursprünglich sollte ein jüngerer Kollege die Führungsaufgaben in Flieden übernehmen; mit dessen Erkrankung rückte Jünemann 2018 nach.

„Leistungserfahrung“ gesammelt

1991 kam der aus Nordhessen stammende Steuerexperte an die Fliede. Zuvor hatte er für den genossenschaftlichen Bankenverband Banken geprüft, und restrukturierte schon mal als „Feuerwehrmann“ in Schwierigkeiten geratene Institute. „Da habe ich Leitungserfahrung gesammelt.“ Als er Anfang der 90er Jahre schließlich die Fliedener Bank prüfte, unterbreitete man ihm das Angebot, in Osthessen zu bleiben und als Vorstand einzusteigen. „Ich habe es nie bereut“, sagt er.

Denn er habe sich schnell wohlgefühlt. Er kam mit seiner offenen Art den Menschen schnell nahe. „Der Kontakt zu den Menschen ist wichtig“, sagt der Fliedener. Nicht nur, um ihnen Bankprodukte und -Dienstleistungen zu vermitteln oder sie als Kunden an die Bank zu binden – etwa mit ihren traditionellen Kundenreisen oder den Generalversammlungen, bei denen auch mal Ottmar Hitzfeld und Sebastian Kehl zu Gast waren.

Engagement für und mit Menschen wichtig

Jünemann ist das Engagement für und mit Menschen auch außerhalb der Bank wichtig: Der Banker gründete mit Unterstützung der Bank den Verein „Aktion Kinder im Königreich“, der sozial benachteiligte und hilfebedürftige Kinder und deren Eltern unterstützt, und war bis 2019 dessen Vorsitzender. Zudem war er in den 90er Jahren Vorsitzender der Werbegemeinschaft Königreich Flieden, die alljährlich einen Fliedener König ausrief – passend zum Königreich Flieden als Beiname der Kommune. „Mir und uns als Bank war wichtig, der Region immer etwas zurückzugeben“, sagt der Vorstand, der 30 Jahre Fußball spielte, danach Tennis und nun hin und wieder Golf spielt. „Der Ball wurde immer kleiner“, sagt er im Scherz.

Die zusätzliche Freizeit ab März – Jünemann wird am Freitag mit einer Feierstunde in Döngesmühle feierlich von Mitarbeitern und beruflichen Wegbegleitern verabschiedet – will er erst einmal genießen. „Das lass’ ich auf mich zukommen.“ Neben seinem Interesse am Sport möchte er die freie Zeit mit seiner Frau intensiver verbringen.

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