Fotos: Martin Kirchner, Jörges

Nach Skisaison 2019/20: Ans Aufhören denkt keiner

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rhön - Die Betreiber der Skilifte in der Rhön haben die Skisaison 2019/20 bereits abgehakt. Es war eine der schlechtesten. Aber sie bleiben optimistisch und bauen darauf, dass es in den kommenden Jahren wieder besser wird. An Schließung der Anlagen denkt keiner.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

Die nackten Zahlen sind ernüchternd. Am Zuckerfeld und am Kreuzberg liefen die Lifte gerade mal an zwei Tagen, am Arnsberg gar nicht. Auf der Wasserkuppe waren es bislang 42 Tage, dass der Zauberteppich, der nur gut 100 Meter lange Anfängerlift, lief. Nur 24 Mal hatte der Märchenwiesenlift offen. Zählt man das Förderband Zauberteppich für die Anfänger mit, kommt man auf 42 Tage. Im Vergleich zu den 72 Tagen des Vorjahres wenig.

Volker Willert betreibt die drei Lifte am Kreuzberg. Er denkt nicht daran aufzugeben und hofft, dass es wieder besser wird. In der vergangenen Saison waren die Lifte immerhin an 32 Tagen offen. „Der Wintersport am Kreuzberg hat Tradition“, betont er. Sein Opa Otto Willert hat den ersten Lift am Kreuzberg im Jahr 1958 gebaut.

Aufgeben ist kein Thema

Volker Willert sieht sich in der Verantwortung, den Wintersport aufrechtzuerhalten. „Wenn alle Skilifte zumachen, würde der Rhön etwas fehlen“, sagt er. Solange es keine großen Defizite gibt, will er weitermachen. Die Rechnung ist einfach: So lange die Anlagen in Ordnung sind und keine teuren Investitionen notwendig seien, wird er Blick-, Rothang- und Dreitannelift weiter betreiben.

Weitermachen wird auch die Familie Jörges, die seit 49 Jahren den Lift oberhalb von Gersfeld-Obernhausen betreibt. 2020/21 steht das 50-jährige Jubiläum an. Das soll groß gefeiert werden. Da hofft Harald Jörges auf einen guten Winter und viele Skitage. Die Voraussetzungen dafür sind mit Investitionen in den vergangenen Jahren in zwei Pistenraupen und drei Schneekanonen gemacht worden.

Angebot für Wintersportfreunde soll erhalten bleiben

Schlechte Winter habe es immer gegeben, erinnert er sich an das Jahr 1973. Da lief der Lift nicht einen Tag. Oder an Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre. „Da waren es auch nur ganz wenige Tage, dass Ski gefahren werden konnte“. In dieser Saison war es eine Südwest-Wetterlage, die ständig warmes und feuchtes Wetter gebracht habe.

„Wir sollten nicht so negativ denken und keine Panik verbreiten“, sagt er. Dazu habe es in den vergangenen Jahren zu viele gute Winter mit bis zu 102 Skitagen am Zuckerfeld gegeben. Vergangenes Jahr waren es immerhin noch 45.

Ans Aufgeben denkt er nicht. „Unsere Familie ist hier fest verwurzelt. „Wir wollen den Wintersportfreunden der Region etwas bieten. Viele freuen sich, dass wir ihnen die Möglichkeit geben, hier ihrem Hobby nachzugehen.“

Betrieb in Wildflecken lohnte sich nicht mehr

Gar keinen Tag hatten die beiden Skilifte am Arnsberg bei Oberweißenbrunn offen. Betreiberin Madeleine Adrian sagt, mit den Wintern der vergangenen Jahre könne man den Betrieb nicht finanzieren. „Es ist mehr ein Hobby.“ Sie würde gerne den Lift im Sommer als zweites Standbein nutzen, um Radfahrer auf den Arnsberg zu bringen, die dann den Berg als Downhill-Strecke nutzen. Dies sei bislang von der Naturschutzbehörde abgelehnt worden, erläutert sie.

Falls sich dieses Projekt zerschlage und der nächste Winter wieder keinen Schnee bringe, sieht sie für den Weiterbetrieb schwarz.

Die drei Feuerberglifte bei Wildflecken sind nach der Saison 2015/16 stillgelegt worden, weil sich für den Besitzer der Betrieb nicht mehr gelohnt habe.

Plusgrade verhindern den Einsatz von Kunstschnee

Am besten in dieser Saison weggekommen ist noch die Wasserkuppe mit 42 Skitagen, wovon allerdings der Märchenwiesenlift nur an 24 Tagen gelaufen ist, erklärt Betriebsleiter Florian Heitmann. Die 42 Tage entfielen auf den 100 Meter langen Anfängerlift Zauberteppich. Für die Wasserkuppe ist dies unterdurchschnittlich wenig.

Heitmann erklärt, woran es gelegen hat: Obwohl 16 Anlagen zur Produktion von künstlichem Schnee in der Ski- und Rodelarena Wasserkuppe zur Verfügung stehen, war es in dieser Saison einfach nicht kalt genug, um die Pisten flächendeckend und auch über einen längeren Zeitraum zu beschneien. Als es im Januar in Fulda und Umgebung richtig kalt war, herrschten in den Höhenlagen der Rhön aufgrund einer Inversionswetterlage Plusgrade. Dies verhinderte, dass Kunstschnee gemacht werden konnte.

Für Statistiker noch eine interessante Zahl. Am 15. März 1988 wurde auf der Wasserkuppe die höchste Schneemenge gemessen, seit es Aufzeichnungen gibt. Es waren 1,47 Meter.

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