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Nach Thomas Cook-Insolvenz: Berichte von Reisenden aus der Region

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Frankfurt/Fulda - So schnell kann der Traum von der Hochzeitsreise platzen: Der Ferienflieger Condor hat gestern am Frankfurter Flughafen Thomas-Cook-Reisende nicht mehr mitgenommen. Auch Menschen aus der Region waren davon betroffen.

Urlaub geplatzt, Stimmung im Keller: Passagiere von Tochterunternehmen des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook sind am Montagvormittag am Frankfurter Flughafen nicht zu ihren Reisezielen geflogen worden. Am Schalter der deutschen Tochter Condor bilden sich lange Schlangen – Menschen mit Koffern stehen ratlos zusammen.

„Wir hatten noch die Hoffnung, dass wir mitkommen können – aber gerade eben wurden wir aus der Schlange rausgezogen“, sagt Daniela Schwenken, die mit ihrem Mann Wolfgang zehn Tage ins ägyptische Hurghada fliegen wollte.

Keine Bestätigung von Condor

„Weil wir mit Bucher gebucht haben, dürfen wir nicht mit.“ Jetzt steht das Paar in der Abflughalle am Terminal 1, die Trolleys im Schlepptau, die Reise-Unterlagen in der Hand, die Gesichter so lang wie die Schlangen vor den Countern.

Viele der gestrandeten Reisenden beklagen, dass sie von Condor keine Bestätigung darüber bekommen, dass sie nicht mitgenommen wurden. „Condor soll uns schriftlich geben, dass wir hier waren – das machen sie aber nicht“, sagt Wiegand Michael Funke aus Fulda, der mit seiner Frau eine zweiwöchige Hochzeitsreise nach Bali geplant hatte.

Service-Center ist verriegelt

„Wir müssen beweisen, dass wir hier vor Ort waren, sonst bekommen wir nichts von der Versicherung“, sagt er. Um wenigstens einen kleinen Beweis zu haben, spricht Funke andere Reisende an, sucht mögliche Zeugen. Die Flitterwochen hat er sich längst abgeschrieben.

Das Service-Center von Thomas Cook in der Abflughalle hat bereits geschlossen. Die Glastüren sind verriegelt, Mitarbeiter sind keine zu sehen. Ein kleines Schild weist auf die Check-in-Schalter der Condor hin, die 50 Meter weiter hinten in der Halle liegen. Denn Reisende, die direkt bei Condor oder über Veranstalter außerhalb des Thomas-Cook-Konzerns gebucht haben, werden eingecheckt.

Chaotische Szenen in Urlaubsregionen

Noch chaotischere Szenen spielten sich in den Urlaubsregionen ab. So berichtet uns der Blankenauer Stefan Weber aus Antalya, dass dort mehrere Gäste nicht mehr auf ihre über Thomas Cook gebuchten Zimmer gelassen wurden – außer sie zahlten vierstellige Beträge.

Angeblich können sie das Geld später zurückerhalten. „Mehr als 50 Betroffene sitzen in einem Seminarraum, viele telefonieren mit ihren Anwälten“, erzählt Weber.

Reisebüros am Limit

Bei mehreren Reisebüros der Region haben wir am Montag angerufen, um ein Statement zur aktuellen Lage und den Auswirkungen auf die Menschen in unserem Verbreitungsgebiet einzuholen. Jedes Mal fiel die Antwort ähnlich aus.

„Es tut mir echt leid, aber ich habe gerade keine Zeit, mich dazu zu äußern. Bei uns stehen die Telefone nicht still“, sagte zum Beispiel Frank Happ, Geschäftsführer des Reisebüros Happ.

Die meisten Reisebüros haben Kooperationen mit diversen Anbietern wie der Thomas-Cook-Tochter Neckermann Reisen. Für diejenigen, die nun im Urlaub nicht wissen, wie sie wieder nach Hause kommen, aber auch bei denen, die in den kommenden Tagen und Wochen auf Reisen gehen wollten, sind die Reisebüros in dieser Situation der Ungewissheit der erste Ansprechpartner – zumal bei Thomas Cook selbst die Arbeit komplett eingestellt worden ist. / dk

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