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Das Nachbeben der Trockenheit – Grundwasser nicht ausgeglichen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Die Jahre 2018 und 2019 waren gezeichnet von langen Trockenperioden. Die Grundwasserstände in Hessen zeigen das heute an, denn sie reagieren auf das Wetter zeitverzögert. Leiden tut darunter vor allem der Wald.

Von unserem Redaktionsmitglied Lea Marie Kläsener

Die langanhaltende Trockenheit in den Jahren 2018 und 2019 zeigt sich heute in den Grundwasserständen. Mario Hergesell vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie erklärt, dass die Grundwasserstände im Herbst 2019 vielerorts niedriger waren als Ende 2018.

„Grundwasser reagiert grundsätzlich sehr träge auf den Witterungsverlauf“, erklärt er. Das Jahr teilt sich in Bezug auf das Grundwasser in zwei Teile: in das hydrologische Sommer- und Winterhalbjahr. Im ersteren verdunstet viel Wasser und es kommt wenig Niederschlag im Grundwasser an, im letzteren sollen sich die Grundwasserstände erholen.

Im hydrologischen Winterhalbjahr zwischen Herbst 2018 und Frühling 2019 konnten die Defizite im Grundwasser aber nicht vollständig ausgeglichen werden. So „war die Ausgangssituation für das hydrologische Sommerhalbjahr ungünstiger als im Vorjahr“, sagt Hergesell.

Grundwassersituation leicht entspannt

Dennoch: Durch die Niederschläge, die seit September gefallen sind, hat sich die Grundwassersituation in Hessen laut Hergesell leicht entspannt. An den meisten Messstellen steige das Grundwasser. Allerdings gibt es hessenweit Unterschiede: „Während in den südlichen und westlichen Landesteilen – insbesondere im Hessischen Ried – vielerorts für die Jahreszeit durchschnittliche Grundwasserstände beobachtete werden können, sind in den zentralen und nordöstlichen Landesteilen auch vielerorts noch sehr niedrige Grundwasserstände anzutreffen.“

Bei ausreichend Niederschlägen werden die Grundwasserstände bis Mai steigen. Darauf hofft Hergesell. Denn grundsätzlich sagt er: „Die seit Ende September 2019 gefallenen Niederschläge reichen noch nicht aus, um die Defizite auszugleichen.“

Verzögerte Stressreaktion

Ein Ort, an dem man das besonders merkt, ist der Wald. Michelle Sundermann von Hessen Forst erklärt, dass die Wälder 2018 und 2019 nicht optimal mit Wasser versorgt wurden. „Neben dem Niederschlag versorgen sich Bäume aus dem im Boden gespeicherten Wasser und gegebenenfalls aus Grundwasser, wenn dieses erreichbar ist“, sagt sie. Wegen der langen Trockenheit sind die Reserven im Boden aber sehr gering.

Dementsprechend seien die Wälder aktuell in keinem guten Zustand. Sie reagieren verzögert auf Stressfaktoren. „Das bedeutet, dass erst im Laufe des Jahres 2020 abgeschätzt werden kann, wie sich die Witterung von 2018 und 2019 auf die Wälder ausgewirkt hat“, erklärt sie.

Lage in Osthessen sei nicht so dramatisch

Besonders dramatisch sei die Lage zur Zeit in Nordhessen. Hier wütete Anfang 2018 der Orkan Friederike. „In den durch Windwurf aufgelichteten Wäldern konnten sich Borkenkäfer sehr gut entwickeln und von dort aus auf die angrenzenden, von der Trockenheit geschwächten Wälder übergreifen.“

„In Ost- und Südhessen ist die Lage dagegen noch nicht so dramatisch“, sagt Sundermann. Sie hoffe darauf, dass der anstehende Sommer nicht so trocken ausfällt, damit sich die Wälder erholen können. „Andernfalls ist auch hier eine Zuspitzung der Lage zu befürchten.“

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