Archivfoto: Sebastian Kircher

Mit Nagelbrett gestoppt: Drogendealer liefern sich Verfolgungsjagd mit Polizei

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Fulda - Drogeneinkauf in Spanien, Transport in Müllsäcken bis an die deutsche Grenze und eine Verfolgungsjagd mit der Polizei: Das sind die Eckdaten eines kuriosen Prozesses, der derzeit am Landgericht Fulda verhandelt wird.

Von unserem Redaktionsmitglied Hanna Wiehe

Zwei 28-jährige Männer kaufen am 29. April 2019 in Spanien mehr als 17 Kilogramm Marihuana ein, verpacken die Drogen in ihrem BMW in Müllsäcke und fahren damit Richtung Deutschland. Am deutsch-französischen Grenzübergang bei Altenheim am Rhein soll das Auto gegen Mitternacht kontrolliert werden. Doch der Fahrer, ein junger Mann aus Frankfurt, ignoriert die Halteaufforderungen der Polizei. Laut Staatsanwaltschaft ist er mit weit überhöhter Geschwindigkeit er in Richtung Offenbach gerast. Sein Beifahrer ist ein junger Mann aus Fulda, dem der BMW gehört.

Verfolgung erinnert an Actionfilm

Was dann passiert, erinnert an einen wilden Actionfilm: Bei der Verfolgungsjagd soll der 28-jährige Fahrer einen Streifenwagen, der versuchte, den BMW links zu überholen, abgedrängt haben. Teilweise sei der 28-Jährige mit bis zu 190 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen. Erst durch ein ausgelegtes Nagelbrett habe der Wagen gestoppt werden können.

Doch damit ist der Fall noch nicht zu Ende: Als die Polizisten den Kofferraum des BMW kontrollieren, entdecken sie die Betäubungsmittel. Die Drogen enthalten einen Wirkstoffgehalt, der die nicht geringe Menge überschreitet. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass das Rauschgift im Raum Fulda gewinnbringend verkauft werden sollte.

Fuldaer wurde bereits verurteilt

Außerdem finden die Beamten in der Türablage der Fahrerseite einen Teleskopschlagstock und Pfefferspray. Als die Beamten später die Wohnung des Fahrers in Fulda durchsuchen, finden sie weitere 600 Gramm Marihuana.

Der 28-Jährige aus Fulda ist bereits im Oktober 2019 verurteilt worden: Wegen unerlaubter bewaffneter Einfuhr von Betäubungsmitteln muss er für vier Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Keine Äußerungen des Angeklagten

Seit Donnerstag wird nun am Landgericht Fulda gegen den Mann aus Frankfurt verhandelt. Er steht wegen der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge mit Waffen, Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Straßenverkehrsgefährdung vor Gericht. Seit seiner Festnahme nach der Verfolgungsjagd am 30. April 2019 sitzt er in Frankfurt in Untersuchungshaft.

Wie ein Sprecher des Landgerichts erklärte, sei das Ermittlungsverfahren zunächst gegen beide Männer zusammen geführt worden, dann aber seien die Verhandlungen der beiden Männer voneinander getrennt worden. Denn in dem Verfahren des Frankfurters müsse auch geklärt werden, ob dieser überhaupt schuldfähig sei. Dazu werde ein Gutachten erstellt.

Am Donnerstag wurde vor Gericht zunächst die Anklage verlesen. Der Angeklagte äußerte sich dazu nicht.

Der Prozess wird am Mittwoch, 5. Februar, um 10.30 Uhr fortgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren