Das Gelände an der A-7-Ausfahrt Fulda-Mitte
+
Das Gelände an der A-7-Ausfahrt Fulda-Mitte könnte in Zukunft leichter mit einem großen Möbelhaus bebaut werden, wenn die Gemeinde Künzell mit ihren Vorschlägen beim Land Hessen auf Zustimmung stößt.

Neue Debatte über Möbelhaus an A7?

Gemeinde Künzell dringt auf Änderungen im Landesentwicklungsplan

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
    schließen

Die Diskussion über den geplanten Bau eines Möbelhauses an der A 7 beschäftigte die Region über Jahre – bis die Regionalversammlung das Projekt im September 2016 ablehnte. Jetzt schlägt die Gemeinde Künzell eine Änderung vor, durch die die Regionalversammlung vor Ansiedlungen nicht mehr gefragt werden müsste.

Kreis Fulda - Würde das Land dem Künzeller Vorschlag folgen und würde das Möbelhaus Sommerlad erneut beantragen, an der Abfahrt Fulda-Mitte bauen zu dürfen, dann hätte das Gießener Möbelhaus viel bessere Chancen. „Ja, die Genehmigung für ein Möbelhaus wäre dann einfacher möglich als 2016“, sagt Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos). „Das Grundstück an der A 7 gehört weiter der Firma Sommerlad. Es gibt jetzt aber keine konkrete Anfrage von ihr. Ich sehe auch nicht, dass das Möbelhaus derzeit Interesse an dem Projekt hätte.“ 

Ohnehin gebe es noch immer keinen Straßenanschluss für das Sommerlad-Areal. Der Versuch der Gemeinde, sich über ein Vorkaufsrecht landwirtschaftliche Tauschflächen zu sichern und so Gelände für die Straße zu bekommen, scheiterte jüngst vor Gericht, berichtet Zentgraf.

Plan wird erneuert

Seinen Änderungswunsch bringt Zentgraf jetzt in die Aufstellung eines neuen Landesentwicklungsplans ein. Das Land erneuert derzeit den Plan, der den Rahmen für die Regionalpläne setzt. Als brisantestes Thema aus osthessischer Sicht galten bisher Überlegungen des Landes, die Stadtregion Fulda sowie Neuhof und Flieden in Zukunft im Landesentwicklungsplan als verdichteten oder – die Stadt Fulda – hochverdichteten Raum zu bewerten. Folge wäre, dass das Land den Kommunen und dem Kreis jedes Jahr insgesamt 5,5 Millionen Euro weniger überweisen würde. Der Kreistag hat in einer Resolution im Dezember 2019 Aufklärung vom Land gefordert und eine Schlechterstellung Osthessens abgelehnt.

Die jetzt beschlossene Künzeller Stellungnahme schließt sich dieser Kritik an. Künzell nimmt aber einen weiteren Punkt auf, nämlich den Einzelhandel. Wunsch der Gemeindevertreter:Wenn ein Oberzentrum und Nachbarkommunen gemeinsam ein regionales Einzelhandelskonzept verabschiedet haben – wie das bei Fulda, Künzell, Petersberg und Eichenzell der Fall ist–, und sie sich über eine geplante Ansiedlung einig sind, dann soll die Regionalversammlung nicht mehr entscheiden. „Unsere Erfahrung aus dem Sommerlad-Verfahren ist, dass eine Vorlage an Kassel nicht sinnvoll ist, wenn die Stadtregion sich einig ist“, sagt Zentgraf.

Woide will sich derzeit nicht äußern

Landrat Bernd Woide (CDU) will sich derzeit nicht zu den Vorschlägen aus Künzell äußern. Die Kreisgremien beraten ab kommender Woche über den Landesentwicklungsplan. Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) sagt, die betroffenen Kommunen im Landkreis wollten ihre Positionen untereinander abstimmen. „Dabei werden wir auch über den Vorschlag aus Künzell reden“, sagt Wingenfeld.

Der Hünfelder Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) hingegen kündigt Widerstand gegen die Künzeller Pläne an. Bisher hätten der Landesentwicklungs- und der Regionalplan eine „Amerikanisierung von Einzelhandelsstrukturen“ eingedämmt. Das stehe jetzt auf der Kippe. Auch habe die Politik mit viel Aufwand gewachsene Einzelhandelsstrukturen und Stadtzentren gefördert. „Würden mit solchen Neuregelungen Malls und Konsumtempeln auf der grünen Wiese nach amerikanischem Vorbild Tür und Tor geöffnet, dann ginge das voll zulasten von Stadtzentren, Ortsmittelpunkten und der gewachsenen Vielfalt der Einzelhandelsstrukturen“, warnt Tschesnok. Die Regional- und Landesplanung müsse aus seiner Sicht auch weiter Rahmenbedingungen gewährleisten, in denen gewachsene Strukturen gestärkt und nicht zerschlagen würden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema