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Neue Interessengemeinschaft gegen Erweiterung des Kalkwerks bei Müs

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Müs - Gegen die Erweiterung des Abbaugebiets für die Gewinnung von Kalk und Zement oberhalb von Müs wollen sich Anwohner wehren. Eine neue Interessengemeinschaft (IG) hat sich formiert. Denn Anwohner befürchten eine steigende Beeinträchtigung der Gesundheit durch Lärm und Staub.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Nach den besinnlichen Tagen tritt die IG „Unsere Heimat Müs“ erstmals öffentlich auf. Die Initiatoren um Sprecher Günther Peschau und Patrick Reinhardt haben zu einer Veranstaltung geladen. „Wir haben uns eine Woche nach der Firmenpräsentation zusammengestellt; so kann’s nicht weitergehen“, sagt der 61-jährige Peschau, der direkt an der ZKW-Zufahrtsstraße und rund 300 Meter vom Steinbruch entfernt wohnt. Er ist der nächstgelegene Anlieger. Mit der Erweiterung des Abbaugebiets könnte, so die Befürchtung, die Lebensqualität in dem Ort zurückgehen. Denn es werde „massiv in den Lebensraum eingegriffen“.

Rund 20 Mitstreiter

Er und seine rund 20 Mitstreiter wollen die Erweiterung auf jeden Fall verhindern: Wenn der bestehende Hang unterhalb des ZKW-Werks dem Abbau geopfert werde, bedeute das mehr Staub und Lärm für den gesamten Ort, ist ihre Sorge. Zudem seien einige Häuser statisch nicht dafür gemacht, in dem zukünftigen Abstand zwischen Steinbruch und Bebauung Explosionen so einfach wegzustecken. In dem Betrieb wird regelmäßig gesprengt, um Steinmassen zu bewegen und verarbeiten zu können. Wegen der Erweiterung könnten die Häuser an Wert verlieren.

„Die ganze Attraktivität des Ortes wird leiden“

„Die ganze Attraktivität des Ortes wird leiden“, sagt Patrick Reinhardt (32) mit Blick auf Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner. „Wer wolle denn dann noch nach Müs ziehen oder hier bleiben? Es geht auch um nachfolgende Generationen“, sagt der junge Familienvater. „Unsere Heimat wird in Säcke verpackt“, ergänzt Peschau. Die geplante Werkserweiterung habe Folgen auch im weiteren Umfeld – durch mögliche Emissionen etwa auf Nachbardörfer und auf Bad Salzschlirf. Jedoch seien bei vielen die ZKW-Pläne und deren Tragweite noch nicht angekommen. Daher wolle man aufklären.

IG-Initiatoren sammeln Unterschriften

Um auf die Pläne und ihre Folgen aufmerksam zu machen, wollen die IG-Initiatoren informieren; zudem sammeln sie seit einigen Wochen Unterschriften. Die IG soll eine Plattform sein, auf der sich Anwohner und Mitstreiter austauschen können. „Die Menschen sollen sich dann eine eigene Meinung bilden können“, so Peschau. Es soll eine sachliche und offene Diskussion mit Argumenten geführt werden, „ohne Schwarz-weiß-Raster“. Dazu wurde in sozialen Medien eine Gruppe gegründet.

Die IG will aber noch ein weiteres Ziel verfolgen: Die Anwohner sollen mit ihren Interessen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wahrgenommen werden. „Wir wollen Gehör finden, wenn einmal politische Entscheidungen anstehen“, sagt Sprecher Peschau. Die IG versteht sich als Lobby für den Ort. Daher will sie auch das Ansinnen der Gemeindeverwaltung mit Nachdruck unterstützen, vor der Zementwerk-Erweiterung die Bürger zu befragen.

Infoabend

Die Initiatoren der IG „Unsere Heimat Müs“ laden am Freitag, 27. Dezember, zu einer Informationsveranstaltung. Im Vorfeld waren 600 Flyer verteilt worden. Beginn ist um 19 Uhr im Müser Bürgerhaus. Es soll über die Ziele, Pläne und andere im Zusammenhang mit der Werkserweiterung wichtige Themen informiert werden. Erwartet werden mehr als 150 Zuschauer.

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