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Neue Studie: Insektensterben bedroht die Birkwildküken

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Rhön - Das Birkwild in der Rhön ist vom Aussterben bedroht – trotz der aus Schweden umgesiedelten Tiere ist der Bestand auf relativ niedrigem Niveau von 25 bis 30 Tieren. Jetzt gibt es eine Vermutung, warum der Bestand stagniert: Es könnte mit dem Insektensterben zusammenhängen. Denn Insekten sind für die Ernährung der Küken von großer Bedeutung.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

Die traditionelle Herbstzählung der Birkhühner in der Hochrhön brachte aufgrund der schlechten Witterung kein aussagekräftiges Ergebnis. Die ehrenamtlichen Helfer sichteten nur zehn Hähne und fünf Hennen. Wildland-Gebietsbetreuer Torsten Kirchner geht aber von mindestens 15 Hennen aus, die zwischen Schornhecke, Rotem Moor und Thüringer Hütte leben.

Die Zahl leitet er aus seinen Beobachtungen im Laufe der vergangenen Wochen an den bekannten Plätzen ab. Und gerade die Hennen sind für die Fortpflanzung sehr wichtig.

Population „stabil auf niedrigem Niveau“

Im vergangenen Herbst waren es nur sieben weibliche Tiere, die gezählt wurden. Aufgrund der 25 Importe aus Schweden im Frühjahr sei die Zahl jetzt höher.

Er ist zuversichtlich, denn drei Bruten waren erfolgreich. „Das ist für die Rhön eine gute Zahl“, sagt Kirchner. Insgesamt schätzt der Birkwild-Fachmann die Population „stabil auf niedrigem Niveau“ ein.

Zu wenige Insekten

Aber warum wächst trotz der seit zehn Jahren aus Schweden importierten Birkhühner nicht der Bestand? Kirchner nennt mehrere Gründe. Da sind die natürlichen Fressfeinde wie Wildschweine, Füchse, Dachse, Waschbären oder Greifvögel, aber auch der zunehmende Tourismus mit E-Bike-Fahrern und – das ist neu – vermutlich zu wenige Insekten.

Experten bezeichnen dies als „stummen Sommer“. Erwachsene Birkhühner ernähren sich von pflanzlicher Kost, aber Küken fressen in den ersten Wochen, die für das Überleben entscheidend sind, ausschließlich Insekten.

Auch Braunkelchen fehlt Nahrung

Und nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist auch in Schutzgebieten, wie dem Biosphärenreservat Rhön, die Anzahl der Insekten um etwa 60 Prozent zurückgegangen. Das könnte ein Grund sein, dass die Entwicklung stockt. Der Nachwuchs sei vorhanden, ihm fehle aber die Nahrung.

Dies hat Kirchner auch beim Braunkehlchen, einer weiteren Art, die in der Rhön vom Aussterben bedroht ist, beobachtet. „Wir sehen singende Braunkehlchen, aber selten Futter tragende Vögel, die ihre Jungen versorgen.“

Frühjahrszählung wird mehr Aufschluss geben

Auch hier könnte der Grund das Insektensterben in den Schutzgebieten sein. Er geht von 17 Brutpaaren, aber nur ein oder zwei Jungen aus. Für den Gebietsbetreuer ist dies eine Forschungsaufgabe, der sich das neue Biodiversitätszentrum in Bischofsheim widmen sollte.

„Denn normalerweise kommt das erwachsene Birkwild mit den Gegebenheiten in der Rhön ganz gut zurecht“, berichtet der Fachmann. Seine Erfahrungen stammen von den aktuell sieben besenderten Birkhühnern, die Auskunft über ihre Lebensgewohnheiten geben sollen.

Mehr Aufschluss darüber, wie die Tiere über den Winter gekommen sind, wird die Frühjahrszählung im kommenden Jahr geben. Natürlich hofft Kirchner, dass dann die Zahl von 23 Tieren vom März 2018 getoppt wird.

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