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Neuer Regierungspräsident stellt in Frage, ob der aktuelle Windkraftausbau in Osthessen reicht

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Hünfeld - Osthessen muss mehr tun für den Ausbau erneuerbarer Energien – gerade bei der Windkraft. Das fordert Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (CDU). Die Region müsse ihren Beitrag für den Klimaschutz leisten.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Klüber sagt unserer Zeitung, in seiner Wahrnehmung sei die Bevölkerung in Osthessen in großen Teilen gegen Windkraft. „Aber ich frage mich, ob das reicht. Die Bevölkerung will mehr Klimaschutz, und wir wollen in 30 Jahren kein CO2 mehr produzieren. Aber wie will die Region das erreichen?“, fragt Klüber.

Er kritisiert: „Die Windkraft-Debatte ist verkürzt. Wer sie kritisiert, muss sagen, wo der Strom in Zukunft herkommen soll.“ Klüber hält den Wald als Standort grundsätzlich für geeignet – auch weil er meist weg ist von Siedlungen.

Klübers Kritik kommt in einer Zeit, in der der Windkraftausbau bundesweit stockt: Im ersten Halbjahr 2019 wurden an Land 86 Anlagen gebaut – so wenig wie noch nie seit dem Start des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000. Hauptgründe dafür sind laut Experten fehlende Flächen und Klagen gegen weitere Windräder.

Verhinderung durch die Politik

Diese Gründe bremsen auch den Ausbau in Osthessen, sagt Lothar Jestädt, Vorstand der Energiegenossenschaft Eichenzell, die bei Traisbach drei Windräder betreibt. „Es gibt nicht genug geeignete Flächen in Osthessen. Die Gebiete, die das Regierungspräsidium ausweist, sind oft ungeeignet, und geeignete Flächen sind oft nicht im Regionalplan enthalten.“

In Osthessen verhindere zudem oft politischer Einfluss die Ausweisung eines Gebietes: „Da werden dann alle Hebel in Bewegung gesetzt.“ Als Beispiel nennt Jestädt die Entscheidung der Regionalversammlung, den Burkhardser Kopf bei Welkers in letzter Minute als Windkraftgebiet aus dem Regionalplan zu streichen. Die Versammlung verwies auf den Vogelschutz.

Kritik von Hünfelds Bürgermeister

Stefan Schwenk (CDU), Bürgermeister von Hünfeld, sieht den Windkraftausbau kritisch – nicht zuletzt, weil er die drei Windräder von Traisbach vor seinem Stadtgebiet hat. Die Stadt sei nicht gegen Windkraft. Die Betroffenen vor allem in Dammersbach hätten aber den Eindruck gehabt, dass sie übermäßig belastet werden.

Deshalb habe die Stadt die Bürgerinitiative Dammersbach unterstützt und versucht, die Windflächen im Regionalplan zu begrenzen. Zunächst hätte Hünfeld fünf Prozent seiner Fläche für Windkraft bereitstellen sollen. Schwenk: „Das hätte starke Eingriffe in intakte naturnahe Waldgebiete erforderlich gemacht. Die Belastung für Menschen hätte sich auf wenige Flächen konzentriert.“

Neue Förderregeln lassen Ausbau stocken

Dass der Windkraftausbau stocke, liege aber vor allem an neuen Förderregeln. Die Standorte in den Hünfelder Vorranggebieten seien jetzt nicht mehr so lukrativ. „Natürlich mag bei dem einen oder anderen Investor auch eine Rolle gespielt haben, dass sie hier auf deutlichen Widerstand gestoßen sind“, sagt Schwenk. „Aber es hätte Investoren und Planern sehr gut zu Gesicht gestanden, wenn sie sich frühzeitig in Gesprächen den Bürgern gestellt und informiert hätten.“

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