Neuer Studiengang der Hessischen Polizei ab September 2020 in der Polizeischule in Mühlheim für vertiefte IT-Kenntnisse - auch für Kampf gegen Cybercrime. (Symbolbild)
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Die hessische Polizei bietet einen neuen Studiengang für vertiefte IT-Kenntnisse an. (Symbolbild)

Kampf gegen Cybercrime

Neuer Studiengang der Hessischen Polizei

Die Hessische Polizei beschreitet neue Wege: Ab September wird in der Polizeischule in Mühlheim am Main ein neues Studium angeboten, bei dem künftige Ermittler vertieften Einblick in IT-Kenntnisse erhalten. Denn diese werden bei der Aufklärungsarbeit immer wichtiger.

Lispenhausen im Oktober 2017: In dem Dorf im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird eine Frau in ihrer Wohnung erwürgt, anschließend legt der Täter Feuer in dem Haus, um das Verbrechen zu vertuschen. Verdächtigt wird der Ex-Mann der Toten – der hat aber ein Alibi, besuchte an dem Abend einen Nachbarn.

Die ausgewerteten Daten des Mobiltelefons hatten einen nicht unerheblichen Anteil an der Urteilsfindung.

Patrick Bug, Pressesprecher des Polizeipräsidiums

Kenntnisse zur Erkennung digitaler Spuren wichtig

Die Ermittler des Polizeipräsidiums Osthessen kommen ihm dennoch auf die Schliche. Sie werten seine Handydaten aus und können so nachweisen, dass der Mann zum Tatzeitpunkt in der Wohnung seiner Exfrau war. Im Februar 2019 wird er vom Landgericht Fulda zu 14 Jahren Haft verurteilt. „Die ausgewerteten Daten des Mobiltelefons hatten einen nicht unerheblichen Anteil an der Urteilsfindung“, betont Patrick Bug, Pressesprecher des Polizeipräsidiums. Es sind Fälle wie dieser, die zeigen, dass es für die Ordnungshüter immer wichtiger wird, sich im Internet auszukennen. „Kenntnisse zur Erkennung digitaler Spuren, deren professionelle Sicherung und beweissichernde Auswertung sind für die Kriminalpolizei wichtig, da die zunehmende Digitalisierung des Alltags sich in immer mehr Bereichen bemerkbar macht“, erklärt Bug. Hierbei gehe es nicht nur um Cyberkriminalität, also Delikte, bei denen das Internet als Tatwerkzeug benutzt wird, etwa bei Hackerangriffen. Sondern auch um Fälle wie den Totschlag von Lispenhausen, bei denen Täter digitale Spuren hinterlassen.

„Wir wollen keine Informatiker ausbilden“

Dieser Entwicklung trägt die Polizei nun Rechnung. In der Hessischen Polizeischule in Mühlheim am Main gibt es ab September die Möglichkeit, zum Cyberkriminalisten ausgebildet zu werden. „Absolventen werden im Laufe ihres Studiums etwa fünfmal so viele technische Fachanteile aus dem Bereich Informatik und Informationstechnik in ihrem Curriculum vorfinden, als dies im jetzigen Kriminalpolizei-Studium der Fall ist“, erklärt Professor Dr. Steffen Bug. Der Petersberger hat diese neue Vertiefungsrichtung mitkonzipiert. Der Professor betont zugleich: „Wir wollen keine Informatiker ausbilden.“ Die Studierenden würden nach wie vor Kriminalpolizisten werden. Aber er ist überzeugt: „Der Bedarf an IT-Kompetenzen wird größer.“ Bug berichtet von einem Mordfall in Freiburg, bei dem anhand einer Fitness-App nachgewiesen werden konnte, dass der Täter eine Leiche in einen Fluss geworfen hatte. Die App, die als Schrittzähler fungiert, hatte angezeigt, der Täter sei Treppen gestiegen – der Weg hinunter zur Uferböschung und wieder hinauf. Patrick Bug vom Polizeipräsidium Osthessen lobt: Dieses neue Studium sei wichtig, „um kriminalpolizeiliche Arbeit professionell und zukunftssicher abbilden zu können“.

Hessen sei dabei Vorreiter, fügt Professor Bug an, bundesweit gebe es kein anderes Studium dieser Art. In Mühlheim wird es 50 Plätze zum Wintersemester geben. Bug hofft, dass auch osthessische Bewerber darunter sind. Er sagt, die Ausbildung zum Cyberkriminalisten habe einen weiteren Zweck: „Fachkräftemangel betrifft auch die Polizei. Sie muss ein attraktiver Arbeitgeber bleiben. Mit dem neuen Studiengang können wir Menschen erreichen, die mit Polizeiarbeit bislang nichts anfangen konnten, aber zum Beispiel eine technische Affinität, vor allem zum IT-Bereich, haben.“

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