Während sich Neuhof für Variante IV ausspricht, zieht man in Kalbach Variante V vor.
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Während sich Neuhof für Variante IV ausspricht, zieht man in Kalbach Variante V vor.

Kritik an Kalbacher Vorschlag

Neuhof von Autobahn und Schienen eingekesselt: Bürgermeister Stolz lehnt Trassen-Variante VII ab

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Nachdem aus der Gemeinde Kalbach wiederholt Widerstand gegen die von der Bahn bevorzugte Variante IV für die Neubaustrecke Frankfurt-Fulda angekündigt wurde, meldet sich nun die Gemeinde Neuhof zu Wort. Denn die Neuhofer sind verunsichert. 

Neuhof - Die Position von Neuhof ist laut Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) klar: „Wir befürworten die Variante IV, weil wir – ebenso wie die Bahn – in ihr die meisten Vorteile sehen, wenn man die Interessen aller Beteiligter abwägt. Die Variante VIIlehnen wir vehement ab.“ Käme Variante VII, sei Neuhof eingekesselt: „Das würde den östlichen Ortsrand betreffen. Wir haben im Westen den Kaliberg, im Norden und Süden die Autobahn. Für die Bürger wäre Variante VII eine Katastrophe.“ Der Erste Beigeordnete, Franz Josef Adam (CDU), ergänzt: „Unsere Hauptsorgen sind die Lärmentwicklung, der Landverbrauch und der Hochwasserschutz im Überschwemmungsgebiet der Kalbach und Fliede. Mehr Trassen auf Gemeindegebiet würden die Situation gewaltig verschärfen.“

Groß sei laut Stolz zudem die Angst gewesen, dass sich die belastenden Zustände, welche während der jahrelangen Bauphase der Autobahn geherrscht hatten, bei einem Bau auf Gemeindegebiet wiederholten. Die Bevölkerung habe dies damals „geduldig und für die Allgemeinheit ertragen“. Entsprechend erleichtert sei man über die Erklärung der Bahn gewesen, Variante IV zu bevorzugen.

Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz: „Wir befürworten Variante IV“

Die Gemeinde Kalbach habe jüngst für Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt – etwa durch die Ankündigung, die Vorzugsvariante juristisch prüfen zu lassen. „Die Aussage von Bürgermeister Florian Hölzer, er sehe gute Chancen, die Variante V wieder auf den Tisch zu bringen, hat wieder Ängste geschürt.“

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„Die Äußerung Hölzers können wir nicht so stehenlassen“, unterstreicht Stolz, der zugleich die gute Zusammenarbeit mit der Nachbargemeinde in anderen Bereichen betont. Dass man hinsichtlich des Bahnprojekts nun unterschiedlicher Meinung sei und das öffentlich kundtue, sei „kein Problem“. Zu diesem Zeitpunkt wieder auf die Variante V zurückzukommen, bezeichnet Stolz hingegen als „nicht sehr partnerschaftlich“. Der Rathauschef verweist auf das Raumordnungsverfahren, in dem sich nach „unzähligen Gutachten, Analysen und Abwägungen“ zwei Varianten als potenziell geeignet herausgestellt hätten, darunter Variante IV als Hauptvariante. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bahn doch noch gegen die „intensivst vorgeprüfte“ Variante IV entscheide, schätzt Stolz auf „unter 20 Prozent“. Die Wahrscheinlichkeit, dass zusätzlich noch die Nebenvariante VII gleichzeitig ausscheide, beziffert das Gemeindeoberhaupt auf „maximal 1 bis 2 Prozent“. Dass die Bahn sich dann auch noch dazu entscheide, die Variante V zu favorisieren, das sei laut Stolz nahezu ausgeschlossen. „Das dann aber so zu propagieren, als sei das sehr wahrscheinlich, das halte ich für nicht sehr partnerschaftlich.“

Neubaustrecke Frankfurt-Fulda: Neuhof lehnt Variante VII ab

Franz Josef Adam befindet: „Die Kalbacher haben sich in ihrer Argumentation festgefahren. Sie beziehen sich in sämtlichen Stellungnahmen auf die Vorgaben des Raumordnungsverfahrens und des Regionalplans Nordhessen, der damals beim Bau der A 66 zugrunde gelegt wurde. Kalbach behauptet, die Planungen für die Varianten IV und VII würden diesem Raumordnungsverfahren widersprechen.“ Diese Argumentationslinie verfolge Kalbach „gebetsmühlenartig“ bereits seit Jahren, obwohl das Regierungspräsidium dem widersprochen habe. „Kalbach verschweigt, dass Variante V im Variantenvergleich ebenso wie alle anderen Varianten untersucht wurde und deutlich schlechter abgeschnitten hat und daher seit 2018 nicht weiter verfolgt wurde. Insbesondere im Mitteilungsblatt der Gemeinde Kalbach sei jüngst „eine Sprache gebraucht worden, die mich erschrocken hat. Das war schon fast Kriegsrhetorik.“

Er könne die Sorgen der Kalbacherinnen und Kalbacher nachvollziehen. Aber: „Das permanente Hinhalten durch die Behauptung, das Planungsbüro der Bahn habe einen Fehler gemacht, das können wir für die Bürger der Gemeinden Neuhof und Flieden nicht gutheißen.“

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