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Neuhofer Bahnsteig war wieder vereist – Eltern berichten von „kritischer Situation“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Neuhof - Ein Bahnsteig in Neuhof soll Anfang Januar vereist gewesen sein – eben jener Bahnsteig, an dem vor fast zehn Jahren die 16-jährige Sophia wegen Glatteis zu Tode kam. Die Bahn erklärt auf Nachfrage, sie habe noch am gleichen Abend gehandelt und nachgestreut.

Von unserem Redaktionsmitglied Marcus Lotz

Der Vorfall soll sich am Donnerstag, 2. Januar, ereignet haben, wie ein Paar aus der Region berichtet. „Als unser Sohn gegen 18 Uhr mit dem Zug aus Frankfurt kam, war der Bahnsteig vereist. Diese kritische Situation bemerkten auch andere Fahrgäste“, erzählt die Mutter. „Man will nicht überreagieren“, fügt sie an, „aber wir finden es sehr bedenklich, wir dachten, dass die Bahn nach dem tödlichen Unfall des Mädchens abgeklärt habe, wie der Räumdienst sichergestellt wird.“ Auch ihren Sohn, der seit August regelmäßig über Neuhof mit dem Zug nach Frankfurt pendelt, habe sehr verwundert, dass es so glatt gewesen sei. „Solche Unfälle dürfen nicht mehr passieren“, betont die Mutter.

Im Februar jährt sich zum zehnten Mal das Unglück am Neuhofer Bahnhof, bei dem die 16 Jahre alte Schülerin Sophia auf einem vereisten Bahnsteig zu Tode kam. Das Strafverfahren gegen die vier Angeklagten – dem Chef einer Winterdienst-Firma und drei Bahn-Mitarbeitern �� endete erst vor wenigen Tagen mit der Zahlung von Geldauflagen. In seiner Einstellungsverfügung hatte der Vorsitzende Richter erklärt, es habe hinreichende Hinweise gegeben, dass der Bahnsteig nicht ausreichend geräumt und gestreut gewesen sei.

Reaktion der Bahn auf Nachfrage

Der Bahn ist der Vorfall vom 2. Januar 2020 ebenfalls gemeldet worden. Auf Nachfrage unserer Zeitung schildert eine Bahnsprecherin den Hergang wie folgt: „Der Bahnsteig war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gestreut. Am Donnerstag stellte sich dann eine besondere Wetterlage ein: Es kühlte ab, gleichzeitig regnete es leicht. Das sorgte dafür, dass sich über dem gestreuten Bahnsteig eine Eisschicht bildete. Nachdem die Polizei darum gebeten hatte, ist nachgestreut worden.“

Daraufhin sei der Winterdienst „rasch vor Ort“ gewesen und habe nachgestreut. Noch am selben Abend, nur wenige Stunden später, sei zudem eine Überprüfung des Bahnsteigs erfolgt. Zusätzlich seien Bahnfahrende über Anzeigetafeln über die Lage informiert worden.

„Umfangreiches Winterprogramm“

Bereits am nächsten Tag sei wieder alles in Ordnung gewesen, berichtet die Mutter des Bahnfahrers: „Es war extrem viel Split auf dem Bahnsteig – und in diesem Fall war es zum Glück nicht zu spät.“

Auf die Frage, wie weitere Unfälle speziell in Neuhof in Zukunft verhindert werden sollen, verweist ein Sprecher der Bahn lediglich auf das „umfangreiche Winterprogramm“ des Unternehmens, für das in diesem Jahr 70 Millionen Euro zur Verfügung stünden. So sollen geologische Daten und Live-Auswertungen die Koordination des Winterdienstes unterstützen.

Lesen Sie hier: Bundespolizei warnt am Neuhofer Bahnhof Schüler vor den Gefahren am Bahnsteig

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