Mitarbeiter wie der stellvertretende Leiter der Bauabteilung, Burkhard Fleck, nehmen es mit Humor, dass ihre kleinen Büros Arbeitsplatz, Archiv, Ablage und Besprechungsraum zugleich sind. / Foto: Norman Zellmer

Neuhofer Rathaus platzt aus allen Nähten

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Neuhof - Während die Kaligemeinde nach Eröffnung der A 66 mehr Raum braucht für neue Bau- und Gewerbegebiete, weil immer mehr Einwohner in die Kommune ziehen oder sich neue Firmen ansiedeln, hielt das Rathaus mit dieser Entwicklung nicht mit. Platzmangel ist Alltag geworden in der Neuhofer Verwaltungszentrale – ein Ortsbesuch.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Eng geht es zu im Rathaus von Neuhof: Mitarbeiter teilen sich zu dritt ein kleines Büro, das schon für zwei knapp bemessen ist. Kollegen müssen ihre Schreibtische für Besprechungen frei räumen, weil es keinen Besprechungsraum gibt. Akten werden auf dem Fußboden gelagert, weil für Archivräume kein Platz ist. Im Sozialraum stehen Scanner und Plotter; gefrühstückt wird daher am eigenen Schreibtisch oder auf dem Gang.

„Zustände sind nicht tragbar“

Die Enge hat auch Folgen für Bürger: Der Wartebereich ist spartanisch – gewartet werden muss zumeist stehend im Rathausflur oder auf der Treppe. Das Bürgerbüro ist so klein, dass man notgedrungen mithört, was am Nachbartisch besprochen wird. Das prägende Rathaus in der Ortsmitte platzt aus allen Nähten.

„Die Zustände sind nicht tragbar“, fasst Kerstin Klüber vom Bürgerbüro zusammen. Eine diskrete Beratung sei mitunter schwer möglich, weil der Raum so klein ist. Auch die Barrierefreiheit ist nicht gegeben: Wer im Rollstuhl sitzt oder einen Kinderwagen schiebt, dem bleibt der Zugang zum Rathaus wegen der Stufen und Treppen verwehrt. „Dann erledigen wir die Sachen am Auto oder an der Tür“, sagt Klüber. Das passiere nicht oft, aber „es kommt vor“.

„Es ist gemütlich...“

Auch in anderen Abteilungen wird es eng: In der Bauabteilung beispielsweise arbeitet Daniela Seidl in einer Art Durchgangsraum, der mehrere Büros verbindet. „Es ist gemütlich“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Man arrangiere sich; viele Kollegen kennen es auch nicht anders, denn sie arbeiten seit ihrer Ausbildungszeit unter diesen Bedingungen, erklärt Burkhard Fleck, stellvertretender Leiter der Bauabteilung.

Ursprünglich war das Nebengebäude am Rathaus ein Bettenhaus eines benachbarten Beherbergungsbetriebs sowie Wohnhaus. In den 60ern übernahm die Kommune das Haus am Rathaus; die Bauabteilung zog ein.

Bürgermeister ironisch

„Es ist eine Zeitreise“, so Fleck. Die Raumstruktur des Gebäudes sei noch wie einst; nur arbeiteten darin immer mehr Menschen. Das führte so weit, dass Archiv-, Besprechungs- und Sozialräume zu Arbeitsplätzen und Lagerräumen wurden. Im Haupthaus wurde gar der Sitzungssaal verkleinert, damit Platz zum Arbeiten da ist.

„Es hat Charme, es ist gemütlich“, fasst Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) diplomatisch zusammen. Sein Gesichtsausdruck und sein Lachen verraten, der Satz ist ironisch gemeint. In Sachen Arbeits- und Brandschutz oder Barrierefreiheit erfülle das Rathaus schon länger nicht mehr die Standards einer modernen Verwaltung. Schließlich ist das Nebengebäude des Rathauses primär kein Bürogebäude.

Abriss und Neubau beschlossen

Das Thema Rathausmodernisierung sei „schon länger in der Schublade“. Wegen des Autobahnbaus seien jedoch andere Projekte – Umstrukturierung im Wasser- und Abwassernetz, Straßenbau und Bau des Gemeindezentrums – wichtiger gewesen. Das ändert sich nun: Nachdem in den zurückliegenden Jahren viel für die Bewohner von Neuhof und den Ortsteilen gebaut wurde, dürfen die Rathausmitarbeiter nun für sich bauen.

5,8 Millionen Euro

Ein Abriss und Neubau des Nebengebäudes ist beschlossen; die Entwürfe für das Nebengebäude wurden in den zurückliegenden Monaten konkretisiert. 2020 soll der Startschuss fallen; ein Generalunternehmer soll das Projekt abwickeln. Geld ist bereitgestellt: 5,8 Millionen Euro – verteilt über mehrere Jahre – könnte der Neubau kosten; der Löwenanteil wird finanziert über das Landesprogramm „Hessenkasse“, Darlehen sowie als Zuschuss für Barrierefreiheit.

In Vorbereitung dazu wird der alte Bauhof modernisiert; in den kommenden Monaten soll die Bauabteilung vorübergehend dort einziehen. Dann werden die Mitarbeiter erstmals seit Jahrzehnten wieder mehr Platz zum Arbeiten haben...

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren