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Norbert Küpper: FZ hat großen Sprung nach vorne gemacht

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Im Interview erläutert der Veranstalter des „European Newspaper Award“, Norbert Küpper, was die Fuldaer Zeitung auszeichnet.

Was ist der Jury bei der Fuldaer Zeitung positiv aufgefallen?

Die Fuldaer Zeitung ähnelt nun eher Zeitungen aus Norwegen, Schweden, den Niederlanden und Belgien. In diesen Ländern sind bei Zeitungen Art-Direktoren beschäftigt und man hat Layout-Abteilungen. Man legt eben großen Wert darauf, die guten Inhalte auch gut zu präsentieren. Die Fuldaer Zeitung folgt nun diesem Trend. Die Jury hat es bemerkt und honoriert es durch den Sonderpreis – die Judges’ Special Recognition. Auffallend war die Titelseite und die Fortsetzung im Innern – Cover und Coverstory. Hier wurden sehr viele gute Beispiele aus Fulda eingereicht. Dass ein großer Sprung nach vorne gemacht wurde, war nicht zu übersehen.

Sie kennen die Fuldaer Zeitung schon lange. Was zeichnet die Zeitung in besonderer Weise aus?

Bei der Fuldaer Zeitung war man stets auf ein seriöses, klassisches Erscheinungsbild bedacht. Das Format war schon immer etwas kleiner als bei anderen Zeitungen und damit leserfreundlicher. Eine Innovation war auffällig, als Print und Online stärker verzahnt wurden. Damals wurde der traditionelle Fraktur-Zeitungskopf durch den heutigen Zeitungskopf ersetzt, der gut lesbar ist und doch zeitlos wirkt. Die Gestaltung sollte zum Inhalt passen – Inhalt von heute in einem Design von heute. Das ist bei der Neugestaltung sehr gut gelungen.

Hat Sie der Mut, inhaltlich und gestalterisch einen neuen Weg einzuschlagen, überrascht?

Im europäischen Raum gibt es ähnliche Beispiele, aber in Deutschland ist man mit der kompletten Neukonzeption eher vorsichtig. Es gab in den letzten Jahren ein paar Beispiele, die bei den Lesern nicht gut ankamen. Dabei ging es aber mehr um eine neue Gewichtung der Inhalte. Die Fuldaer Zeitung hat in der Tat in Deutschland einen bisher neuartigen Schritt gemacht, hin zu einem starken visuellen Journalismus und zu einer pointierteren Themensetzung, als es sonst üblich ist.

Die Jury schreibt, die Fuldaer Zeitung sei ein „Vorbild für Zeitungen in Europa“. Warum tun sich andere Zeitungen schwerer?

Innovationen gibt es bei Zeitungen sehr viele, wenn man zum Beispiel an neue redaktionelle Serien oder neue Beilagen denkt. Zeitungen haben sich in den letzten Jahrzehnten auch deutlich gestalterisch gewandelt. Die Zeitung journalistisch neu zu denken, ist aber sehr selten. Um einen starken visuellen Journalismus zu machen, braucht man entsprechende Werkzeuge, aber auch eine Art-Direktion und Gestalter, die es täglich umsetzen. Wenn man solche Neuerungen plant, wird es Gegenwind in der Redaktion geben. Man muss außerdem immer an die Leser denken und sie im Vorfeld einbinden.

Wo sehen Sie die Zeitung in zehn Jahren?

Zeitungen und seriöser Jorunalismus werden mehr denn je gebraucht. Fakenews sind im Web sehr weit verbreitet und müssen natürlich bekämpft werden. Am besten durch journalistische Qualtität, wie sie Zeitungen mit ihren ausgebildeten Journalistinnen und Journalisten seit jeher liefern. Die Leser vertrauen dem Medium Zeitung, sei es gedruckt oder online. Daher werden Zeitungen die Leser im Alltag noch intensiver begleiten. Früher hatte man ca. 30 bis 40 Minuten zur Lektüre der gedruckten Zeitung, heute hat man die Chance, die Leser 24 Stunden am Tag zu informieren. Neue journalisitische Angebote, wie Morning-Newsletter oder etwa Podcasts, die man morgens im Stau zur Arbeit anhören kann, sind nur zwei Stichworte. Das Web eröffnet immer wieder neue Chancen, die Leser zu erreichen. Zeitungen nutzen sie. Das Ergebnis ist eine Rundum-Versorgung, am besten mit einem Abonnement-System. Das klassische Jahresabonnement wird auch von Zeitungen immer mehr auf elektronische Medien ausgedehnt. Die gedruckte Zeitung wird mehr und mehr durch Online-Angebote aus Zeitungsverlagen ergänzt. Gestalterisch wird sie noch mehr einer täglichen Wochenzeitung ähneln, also noch seriöser und magazinähnlicher aussehen als heute. Die Inhalte werden noch unverwechselbarer, weil Menschen auch in Zukunft Neugierig sein werden. Beispiele sind das Handelsblatt, das genau diesen Weg beschreitet und dank eine Verzahnung von Print und Online sogar leichte Auflagensteigerungen erzielt. Ein anderer Hauptpreisträger dieses Jahres, die Financial Times ist sogar inzwischen eine weltweite Medienmarke, die weit mehr als eine Million Abonnenten hat. Dabei sind die meisten Abonnenten Nutzer von reinen Online-Angeboten der Financial Times. Schon vor zehn Jahren gab es Kritiker, die das baldige Ende der Zeitungen herbeienten. Tatsache ist, dass Zeitungen auf allen Medienkanälen Inhalte verbreiten und dass dafür die gedruckte Zeitung irgendwann nicht mehr erforderlich sein wird. / bt

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