In dem nördlichen Teil des Brähler-Komplexes am Kreisel  soll den Plänen zufolge die Gemeindeverwaltung einziehen.
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In dem nördlichen Teil des Brähler-Komplexes am Kreisel soll den Plänen zufolge die Gemeindeverwaltung einziehen.

Investor kauft und baut um

Novum in der Region: Hosenfelder Rathaus zieht ins Schlachthaus um

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Novum in der Region: Die Hosenfelder Gemeindeverwaltung verlässt ihr angestammtes Rathaus und zieht in ein Mietobjekt in der Ortsmitte. So sollen die Sanierung der Immobilie vermieden und Kosten gespart werden.

Update vom 10. Juli, 9.30 Uhr: Das Schicksal des Landgasthofes Brähler ist inzwischen ebenfalls bekannt geworden: Die letzte von vier Kneipen in Hosenfeld wird Ende August schließen.

Lesen Sie hier die Erstmeldung vom 16. Mai:

Die Gemeinde steht vor einer grundlegenden Änderung: Das seit Anfang der 70er Jahre als Rathaus genutzte Gebäude am Kirchpfad wird als Verwaltungssitz aufgegeben. Darauf verständigten sich die Gemeindevertreter in ihrer Sitzung am Donnerstag.

550 Quadratmeter Nutzfläche

Den Plänen zufolge soll das Rathaus auf das Brähler-Areal in der Hainzeller Straße verlegt werden. Die Verwaltung wird dort einen Gebäudetrakt mit 550 Quadratmeter Nutzfläche anmieten. Der Bereich wurde einst als Schlacht- und Kühlhaus sowie für Ferienwohnungen genutzt, wie Investor Heiko Merz gestern erläuterte.

Ohne die Ankündigung der Gemeinde, Mieter zu werden, wäre die Entwicklung der Immobilie schwierig geworden. Merz und Manuel Habicht wollen den Komplex samt Gasthaus und Metzgerladen kaufen und umbauen, sagte Bürgermeister Peter Malolepszy (CDU). Mitte 2021 könnte die Verwaltung umziehen.

Weniger Pflichten für die Eigentümerin

Zwar müsse man „sich erst an den Gedanken gewöhnen“, dass die Gemeinde zukünftig Mieter sei, erklärte Malolepszy. Dies bedeute jedoch auch weniger Pflichten als sie als Eigentümerin hätte, sagte er mit Blick auf das als stark sanierungsbedürftig geltende Rathaus.

„Da kommen wir nicht mit weniger als einer Million Euro aus.“ Das frühere Lehrerwohnhaus ist nicht barrierefrei, kaum gedämmt und ist zu klein. Deswegen sind seit Jahren Mitarbeiter in ein angemietetes Nebengebäude ausquartiert. Seit Langem wird über eine Lösung diskutiert.

Vertrag ist nach 15 Jahren kündbar

2019 nahm das Rathaus-Thema Fahrt auf: Nachdem Pläne für eine Sanierung mehrfach von der Politik diskutiert worden waren, prüfte die Verwaltung mehrere Varianten: Neben der Sanierung des Rathauses war auch ein Neubau am alten Standort erwogen worden.

Dieser könnte bis zu 1,6 Millionen Euro kosten. Wegen der Finanzsituation komme „ein Neubau nicht infrage“; auch eine Sanierung sei kaum zu stemmen, so der Rathauschef. Ab Herbst gab es dann Gespräche mit den Investoren – und ein Mietangebot, was sich im Vergleich als die günstigste Variante herausstellte. Der Vertrag ist nach 15 Jahre kündbar.

Mittlerer fünfstelliger Betrag wird jährlich gespart

Die Mietlösung hat nach Auskunft von Malolepszy mehrere Vorteile: Die Verwaltung wird wieder an einem Standort untergebracht und spart Kosten für das Nebengebäude. Insgesamt spare die Gemeinde jährlich einen mindestens mittleren fünfstelligen Betrag gegenüber Neubauen oder Sanieren.

Darüber hinaus wird die Brähler-Immobilie, deren Zukunft als ungewiss galt, weiter genutzt. Auch mit Blick auf eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit habe eine Mietvariante Charme: Schließe sich Hosenfeld mit einer Kommune zusammen, „sei das bei Miete einfacher“ weil man kein Rathaus mehr habe, so Malolepszy. Konkrete Pläne gibt es jedoch nicht.

Fraktionen tragen Pläne mit

Die beiden Fraktionen der Gemeindevertretung tragen die Pläne mit: Bei einer Enthaltung stimmten die Kommunalpolitiker am Donnerstag dafür. Dabei wäre die Abstimmung fast ohne Aussprache über die Bühne gegangen. Erst als FW-Fraktionschef Thomas Koch anmahnte, dass in dem Gremium zu wenig diskutiert werde und es um eine weitreichende Entscheidung gehe, gab es mehrere Wortmeldungen.

Abgeordnete äußerten sich auch zu einem weiteren zentralen Element des Beschlusses: Nach dem Umzug wird der benachbarte Bauhof einen Teil der alten Rathausräume beziehen. Zudem wird das Archiv dort unterkommen.

Klarheit darüber, wie es im Ortskern weitergeht

Harald Völliger (FW) äußerte dazu Bedenken, denn beides in einem maroden Gebäude unterzubringen, habe „keinen langfristigen Nutzen“. Reinhold Hasenauer (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung, verteidigte, dies sei vorübergehend.

Es soll ein Konzept erarbeitet werden. Siegfried Weber (CDU) sagte, die Mietlösung sei die beste Lösung; Sanierung oder Neubau überstiegen die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde.

CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Alt lobte, dass nun eine Entscheidung getroffen und der Investor nicht vertröstet worden ist. Nun wisse man auch, wie es im Ortskern weitergehe.

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