Fotos: Charlie Rolff, Ralf Görlitz

„Olympiasieger werden“: Leichtathletik-Talent Friedrich Schulze (14) hat große Ziele

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Als dreijähriger Steppke hat Friedrich Schulze an der Kinder-Olympiade der LG Fulda teilgenommen. Fast zwölf Jahre später ist es dem inzwischen fast 1,90 Meter großen Mehrkämpfer mit der Leichtathletik ernster denn je. Sein Ziel: „Olympiasieger werden. Vielleicht 2032“, rechnet er aus.

Von unserem Redaktionsmitglied Angelika Kleemann

Was sich wie ein verrückter Jugendtraum anhört, ist gar nicht so abwegig, selbst wenn der Weg auf den Olymp ein weiter ist. Den nimmt der 14-Jährige gerne in Kauf, gibt sich zwar locker, geht allerdings fokussiert und diszipliniert ans Werk.

Obwohl Friedrich im Hochsprung mit 1,90 Metern die deutsche Bestenliste seiner Altersklasse anführt und von der Nachwuchs-Bundestrainerin Sophia Sagonas umworben wird, schlägt sein Herz für den Mehrkampf, wo er dem Landeskader von Philipp Schlesinger angehört.

„Nur für Disziplinen wie Hochsprung und Speerwurf zu trainieren, die man gut kann, ist mir zu einseitig und langweilig“, bekennt Friedrich. Vielmehr wolle er seinem Vorbild Niklas Kaul nacheifern, der im vergangenen Jahr mit 21 Jahren der jüngste Zehnkampf-Weltmeister aller Zeiten wurde.

Unterstützung von der Familie

Dabei kann Friedrich auf die Unterstützung seiner Familie bauen. Das gleich in zweierlei Hinsicht. Erstens ist er mit guten Sportgenen ausgestattet – Vater Dirk Klug war ein sehr guter Hürdensprinter und Zehnkämpfer des TV Flieden, Mutter Ines eine Leistungsschwimmerin. Und zweitens stehen die Eltern gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren Bruder Maximilian, dessen „Leistungssport“ die Chemie ist, voll hinter ihm.

Denn der Zeitaufwand ist immens. Immerhin muss der Gymnasiast viermal in der Woche nach Gelnhausen beziehungsweise ins Hallentraining nach Frankfurt-Kalbach chauffiert werden, wobei sich die Eltern abwechseln. Für Fahrt und Training kommen leicht viereinhalb bis fünf Stunden zusammen.

„Natürlich unterstützen und fördern wir Friedrich gerne. Wir sind doch mit ganzem Herzen Sportler“, erklärt Dirk Klug, während seine Frau Ines ergänzt: „Allerdings sage ich ihm immer, er macht es für sich und nicht für uns. Denn sonst wäre uns der Aufwand zu groß.“

Schulnoten seien besser als erwartet

Dass die Schule unter dem Sport nicht leidet, ist oberste Priorität im Hause Schulze-Klug. Da Friedrich nicht viel Zeit zum Lernen bleibt, hat der Achtklässler der Freiherr-vom-Stein-Schule eine effiziente Strategie entwickelt. „Ich pass im Unterricht gut auf“, die Noten seien besser als erwartet, sagt er mit einem breiten Grinsen. Denn Lernen auf Hin- und Rückfahrt ist für ihn keine Option, schlafen und essen schon, zumal der Zeitplan eng getaktet ist.

Abwechslung ist von jeher Trumpf bei Friedrich Schulze. Schwimmen, Fußball, Leichtathletik, Schlagzeug und Flöte – möglichst alles zusammen –, probierte er aus. „Ich brauche die Abwechslung“, erinnert sich Schulze an seine sportlichen Anfänge. Fast wäre er beim Schwimmen gelandet.

„Wasser war ihm zu kalt“

Zur Leistungsgruppe der Wasserfreunde zählte Friedrich als Grundschüler, zeigte Talent, machte schnell Fortschritte. Eines störte ihn aber schon: „Das Wasser war zu kalt.“ Einem Talentcheck unterzog sich Friedrich damals im Olympiastützpunkt Berlin – mit ungeahntem Ausgang. Lutz Unger, ein langjähriger Freund der Familie, befand, Friedrich könne im Schwimmen weit kommen.

Der Zufall wollte es, dass noch ein anderer Schwimmtrainer, früher selbst Leichtathletiktrainer, im Bad weilte und verwundert ausgerufen haben soll: „Was macht der denn im Wasser, das ist doch ein Leichtathlet!“ An diesen Satz erinnert sich Mutter Ines besonders. Der Kenner sollte Recht behalten.

Olympischen Spiele als Ziel?

Über die Station der heimatnahen SG Johannesberg, hier fungierte Dirk Klugs früherer Leichtathletik-Kollege Thomas Spitznagel als Trainer, landete Schulze beim TV Gelnhausen, trainiert dort seit gut einem Jahr mit und schloss sich zum Jahresende dem Verein an.

Seit drei Monaten gehört Friedrich Schulze zur Gruppe von Trainerin Miriam Merx, zu der auch die Sprint-Asse Juan-Esteban und Juan-Sebastian Kleta zählen, oder trainiert unter Dominic Johnson. Seitdem hat er sich enorm entwickelt.

Top-3-Platzierungen bei den Deutschen Meisterschaften im Hochsprung und im Mehrkampf sind sein Ziel für diese Saison, im kommenden Jahr schielt er auf eine Teilnahme an der U 18-EM. Und irgendwann könnten die Olympischen Spiele dran sein – vorausgesetzt, er bleibt gesund.

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