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Ortsvorsteher von Müs: „Wir reden auch Tacheles“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Müs - Der Müser Ortsvorsteher Bernhard Keller steht in der Kritik: Rund 30 Bürgerinnen und Bürger kamen zur jüngsten Sitzung des Ortsbeirates, um Unmut über die Pläne von ZKW Otterbein und die Rolle des Ortsvorstehers zu äußern.

Von unserem Redaktionsmitglied Marcus Lotz

„Ich bin erstmals in einer Ortsbeiratssitzung, weil ich mir ansehen wollte, wie in Müs eine Meinung gebildet wird, und weil ich Angst habe“, sagt eine Anwohnerin zu Beginn der Fragerunde am Ende der Sitzung. „Was hier mit dem Steinbruch abläuft, hat für mich nichts mit Lebensqualität zu tun“, kritisiert sie.

Dass die Lebensqualität der Menschen in Müs insbesondere in der Nähe des Steinbruchs bereits jetzt stark beeinträchtigt ist, darin sind sich die Anwesenden weitgehend einig. Die Rede ist von Lärm, Staub, der Zerstörung des Landschaftsbildes und einer hohen Belastung durch Quecksilber. „Schlafen bei geöffnetem Fenster ist nicht möglich“, beschwert sich eine zweite Anwohnerin. „Es fahren immer mehr Lkws, das geht nachts um 2.30 Uhr los.“ Eine Müserin klagt: „Ich würde gerne Obst und Gemüse aus meinem Garten essen, aber seit ich die Belastungswerte kenne, traue ich mich das nicht mehr.“

Reizt die Lobby ihre Freiheiten aus?

Der Ärger über ZKW-Geschäftsführer Winfried Müller ist groß, aber auch Ortsvorsteher Keller steht in der Kritik: „Ich verstehe nicht, warum du erst für und dann gegen eine Bürgerbefragung bist“, sagt ein Bürger. Keller entgegnet: „ZKW Otterbein hat noch gar keinen Antrag auf eine Erweiterung gestellt. Dem kann ich nicht vorgreifen. Ich kann erst eine Befragung durchführen, wenn Fakten auf dem Tisch liegen.“ Die Befürchtung einiger Anwesender: Dann ist es zu spät für wirksamen Protest.

Zum Thema Belastungswerte meint Keller: „Wenn die sich an die Gesetze halten, kann man denen das doch nicht anlasten.“ Daraufhin ein Bürger: „Man muss fairerweise sagen: Sie machen nichts Illegales. Aber die Zementlobby reizt ihre Freiheiten aus, und wir müssen das am Ende aushalten.“

Keller vermisst ausgewogene Debatte

Keller möchte sich an diesem Abend auch des Eindrucks erwehren, er lasse sich durch persönliche Motive leiten: „Ich sehe mich genauso in der Pflicht wie jeder andere auch. Wer denkt, ich stehe hinter Winfried, weil er mein Cousin ist, irrt. Wir reden schon auch Tacheles miteinander.“ Die aktuelle Debatte ist dem Ortsvorsteher „zu viel Contra“, er vermisse eine ausgewogene Debatte. „Es geht um meine Existenz, das hat für mich nichts mehr mit Pro und Contra zu tun“, kontert eine Anwohnerin.

Keller stützt sich bei seiner Argumentation vor allem auf Zusagen Müllers. „Wenn die Geschäftsführung sagt, dass sie die Bürger bei dem Prozess mitnehmen möchte, nehme ich sie beim Wort.“ Viele der Anwesenden schütteln daraufhin ungläubig mit dem Kopf. „Die Bürger mitnehmen, das sind fromme Worte. Aber wir müssen letztendlich mit den Belastungen leben“, entgegnet einer von ihnen.

Trotz emotionaler Diskussion bleibt die Debatte konstruktiv, denn beide Seiten sind sich einig: Sie wollen die verhärteten Fronten wieder aufweichen. Auf Vorschlag des Ortsvorstehers wird dieser einen Gesprächstermin zwischen der Geschäftsführung, Mitgliedern des Ortsbeirates und einigen der besorgten Anwohner absprechen.

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