Ulmensteinsee bei Nüsttal.
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Im Ulmensteinsee bei Nüsttal nehmen Besucher immer wieder gerne ein Bad. Doch Gesundheitsamt und DLRG halten das für keine gute Idee.

Gefahren im Wasser

Band- und Saugwürmer: DLRG und Gesundheitsamt warnen eindringlich vorm Baden in Flüssen oder Teichen

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Das Rosenbad hat wieder geöffnet – doch die coronabedingten Hygiene- und Abstandsgebote machen den Freibad-Besuch zu einem komplizierten Vergnügen. Logisch, dass der eine oder andere auf die Idee kommen könnte, sich stattdessen im See oder Fluss abzukühlen. Doch vor dem Bad in Gewässern, die nicht offiziell als Badeseen deklariert sind, warnen das Gesundheitsamt und die DLRG.

Osthessen - Als in der vorvergangenen Woche das Quecksilber über die 25-Grad-Marke kletterte, war es wieder so weit: Der See im ehemaligen Basaltsteinbruch Ulmenstein bei Nüsttal wurde beliebtes Ausflugsziel – und zum Ersatz für die geschlossenen Freibäder. Dabei gelte hier: „Baden auf eigene Gefahr“, erklärt Thomas Bug von der Gemeindeverwaltung Nüsttal, „es gibt keinerlei Schutzvorkehrungen, das Schwimmen kann gefährlich sein.“ An einigen Stellen ist der See nicht sehr tief, an anderen ragen unter der Wasseroberfläche kaum erkennbare Basaltsäulen empor.

Seit 100 Jahren wird im Steinbruch Ulmenstein gebadet

Trotzdem sind viele Ulmenstein-Besucher offenbar sorglos: In jedem Sommer stellt die Gemeinde fest, dass im See geschwommen wird. Das sei so, seitdem vor rund 100 Jahren Wasser in den Steinbruch einbrach: „Schon in den 50er Jahren sind viele von den hohen Felsen ins Wasser gesprungen“, weiß Bug.

Juristischer Hintergrund

Das Baden in Gewässern fällt unter den sogenannten Gemeingebrauch, der im Wasserhaushaltsgesetz in Verbindung mit dem Hessischen Wassergesetz geregelt ist. Gemeingebrauch ist als ein unentgeltlicher Jedermann-Gebrauch ohne besondere Zulassungserfordernis zu verstehen.

Er wird nur durch Eigentumsrechte, durch Rechtsvorschriften wie beispielsweise naturschutzrechtliche Verbote oder durch alte Rechte, Bewillligungen und Befugnisse beschränkt. Das bedeutet also, der Gemeingebrauch endet dort, wo Rechte anderer entgegenstehen.

Nach dem hessischen Wasserrecht umfasst der Gemeingebrauch zum Beispiel auch das Baden – gemeint ist das Schwimmen und nicht etwa das Baden im Sinne von Waschen unter Verwendung von Reinigungsmitteln – sowie auch das Tauchen und das Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft, aber das allerdings nur an natürlich fließenden Gewässern. Ausgenommen werden Stillgewässer wie Baggerseen oder in Kanälen befindliche Gewässer.. Zudem sind Talsperren, Wasserspeicher und bestimmte Stauanlagen sowie Gewässer, die in Hofräumen, Betriebsgrundstücken, Gärten und Parkanlagen liegen und im Eigentum der Anlieger stehen, vom Gemeingebrauch ausgenommen.

Nicht zu verkennen sind die Gefahren wie Strömungen in natürlich fließenden Gewässern, deren Einschätzung in der Selbstverantwortung jedes Einzelnen liegt. Die Nutzung eines Gewässers über den Gemeingebrauch oder die Nichtbeachtung von Beschränkungen sind ordnungswidrig.

Quelle: Fachdienst Wasser und Bodenschutz beim Landkreis Fulda

Und jetzt, 2020, kommen noch einige Faktoren hinzu: Viele Schwimmbäder bleiben geschlossen, und auch am Guckaisee ist das Baden verboten. In unserer Übersicht erfahren Sie, welche Badeseen rund um Fulda trotz Corona öffnen. Wer abseits der bewachten Badestellen schwimmt, der kann sich in Gefahr begeben – in zweifacher Hinsicht. Zum einen gibt es keine Aufsicht, die bei Badeunfällen zu Hilfe eilt, und zum anderen kann das Schwimmen in natürlichen Gewässern krank machen.

Parasiten und Bakterien können Hautausschläge und Krankheiten verursachen

Ein Fall vor zwei Jahren in der Nähe von Hünfeld-Mackenzell zeigte das: Damals hatte eine Gruppe Jugendlicher Abkühlung in der Nüst gesucht: Schlimmer Hautausschlag plagte die Jungen hinterher tagelang. Was das genau war, ist nicht bekannt. „In allen Seen, Teichen, Flüssen und Bächen, die nicht als Badegewässer ausgewiesen sind, ist das Baden gewissermaßen gefährlich und kann zu Erkrankungen führen. Die Natur ist nicht ohne Risiko“, erklärt das Gesundheitsamt beim Landkreis Fulda.

Im Nieder-Mooser-See soll spätestens ab dem 27. Juni geschwommen werden dürfen.

Eine Vielzahl von Parasiten und Bakterien finde sich in den Gewässern – etwa Salmonellen durch den Kot von Enten oder Schwänen, Bandwürmer durch Hundekot, Saugwürmer durch Schnecken beziehungsweise Cercarien als Parasit der Vögel, die den Menschen als Zwischenwirt befallen, oder Amöben, die hartnäckige Hornhautentzündungen der Augen verursachen könnten.

Deren Vorkommen sei vollkommen natürlich. „Beim Baden jedoch kann es je nach Empfindlichkeit zu leichten bis massiven Hautausschlägen kommen – und durch Verschlucken des Wassers zu schweren, gegebenenfalls sogar lebensbedrohlichen Erkrankungen“, warnt die Behörde. Beim Verschlucken könnten Gifte, die von Algen produziert werden, die Leber oder das Nervensystem schädigen. Hinzu kommen je nach Umgebung der Gewässer Einträge ins Wasser durch Siedlungen, Landwirtschaft oder Industrie. „Insofern warnt das Gesundheitsamt selbstverständlich davor, in Gewässern, die nicht als Badegewässer ausgewiesen sind, zu baden.“

Deutschland: 2019 sind mehr als 400 Menschen ertrunken

Den gleichen Rat erteilt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). In der Bilanz des Bundesverbandes für das Jahr 2019 heißt es, dass in Deutschland mindestens 417 Menschen ertrunken seien. „Flüsse, Seen oder Kanäle sind nach wie vor die größten Gefahrenquellen.“ Das Risiko, dort zu ertrinken, sei um ein Vielfaches höher als in Schwimmbädern.

Michael Lipus, Leiter des DLRG-Bezirks Osthessen-Fulda, sagt deshalb: „Wir empfehlen, nur an bewachten Badeseen seine freie Zeit zu genießen.“ In anderen Gewässern bestehe die Gefahr, sich zu verletzen, insbesondere im Bereich der Wehre, wo durch Walzen Verwirbelungen entstehen können. Auch durch Dinge, die achtlos in Flüsse oder Seen geworfen werden – zum Beispiel Fahrräder – können sich Schwimmer verletzen. Hinzu komme, dass sich Rettungskräfte in solchen häufig versteckten Bereichen weniger gut auskennen: „Da ist die Frage, wie gut die Rettungskette funktioniert. Besser ist es, an einem See wie in Nieder-Moos mit einer guten Überwachung zu schwimmen“, sagt Lipus.

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