Mietwohnungen werden immer teurer - auch in Osthessen.
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Mietwohnungen werden immer teurer - auch in Osthessen.

Bedenklicher Trend

Osthessen: Immer höhere Mieten machen die Wohnungssuche schwer

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Zwar stiegen zuletzt die Mieten in Großstädten nicht mehr so stark an. Allerdings ziehen inzwischen die kleineren, im Aufschwung befindlichen Städte merklich nach - darunter auch Fulda. Wie sich die Coronakrise auf den Wohnungsmarkt auswirken wird, ist noch unklar. 

Region - In der Stadt Fulda sind die Angebotsmieten von 2008 bis 2018 von 5,00 auf 8,50 Euro pro Quadratmeter, also um 70 Prozent, gestiegen. Das teilte Anfang des Jahres das hessische Wirtschaftsministerium auf Anfrage hin mit – und bezog sich dabei auf die Daten von Online- Portalen. In keiner anderen Stadt Hessens sind in diesem Zeitraum die Preise prozentual derart in die Höhe geschossen.

Zwar sind die über Online-Portale ermittelten Daten nicht repräsentativ, bieten aber mangels offizieller Mietspiegel einen vergleichsweise guten Einblick in die Entwicklung der Wohnpreise. Innerhalb unseres Verbreitungsgebietes sind die Mieten nicht nur in Fulda in den vergangenen Jahren deutlich über der Inflationsrate gestiegen.

Mietpreise: Anstieg im Kreis Fulda besonders stark

Laut Miet-Check.de sind die Mieten in Hünfeld von 2014 bis 2019 von fünf auf sieben Euro pro Quadratmeter gestiegen – das sind 40 Prozent. In Schlüchtern waren es im gleichen Zeitraum knapp 30 Prozent, statt 4,58 Euro im Jahr 2014 kostete fünf Jahre später der Quadratmeter monatlich 5,90 Euro. Für Schlitz weist die Statistik des Onlineportals einen Anstieg von 4,44 Euro auf 5,46 Euro aus – greift dafür aber nur auf einen recht geringen Datensatz zurück. Generell werden die Zahlen immer weniger repräsentativ, desto kleiner die Kommune ist.

Abseits der blanken Zahlen sprechen nüchterne Beobachtungen für einen angespannten Wohnungsmarkt. Neben den tendenziell steigenden Mieten kommt in Fulda erschwerend hinzu, dass durch die florierende Hochschule immer mehr kleine Wohnungen nachgefragt werden, die in der benötigten Geschwindigkeit gar nicht „nachwachsen“ können. Und so tummelten sich zumindest vor der Pandemie auf einigen Wohnungsbesichtigungen Dutzende von Interessenten. Da kann die Miete noch so hoch sein, einer der vielen Suchenden wird schon zuschlagen. Bei unserer Recherche sind wir auf Ein-Zimmer-Wohnungen in Fulda gestoßen – wohlgemerkt angepriesen als „ideal für Studenten“–, bei denen mehr als 20 Euro pro Quadratmeter aufgerufen wurden.

Leserin berichtet von vergeblicher Suche nach Wohnung

Zwar ist es für Studenten auch in Fulda nicht kinderleicht, eine passende und bezahlbare Bleibe zu finden – im Vergleich zu anderen Studienstädten ist die Lage aber noch im Rahmen. Darauf verweist das Moses Mendelssohn Institut, das die Anspannung des Wohnungsmarktes für Studenten für jede Studienstadt mit einer Punktzahl belegt. Am schwierigsten ist die Lage demnach in Hamburg mit 79,0 Punkten, gefolgt von München (76,0), Stuttgart (76,0) und Frankfurt (75,5). Fulda liegt in dieser Liste auf Platz 72 von 74 mit lediglich 25,5 „Anspannungspunkten“.

Eine Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtete uns von ihrer vergeblichen Suche nach einer passenden Wohnung. Doch die Mieten seien derart gestiegen, dass sie trotz erheblicher Unstimmigkeiten mit dem aktuellen Vermieter lieber dort wohnen bleibe, als sich in einer neuen Wohnung finanziell zu übernehmen. Zwar habe sie schon mehrere günstigere Wohnungen besichtigt, diese seien aber entweder in einem sehr schlechten Zustand gewesen oder es sei an anderen Dingen gescheitert – wie an einem unangenehm schmierigen Date-Angebot seitens des Vermieters in spe.

Entwicklung der Mieten

Während im Vogelsbergkreis laut Daten von Immowelt die Kaltmieten in den vergangenen zehn Jahren nur moderat anstiegen, kletterten sie im Main-Kinzig-Kreis und im Landkreis Fulda deutlich stärker. Absolut liegen die Mieten im Main-Kinzig-Kreis am höchsten, prozentual sind die Mieten im Landkreis Fulda allerdings deutlich stärker angestiegen. Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise waren auf immowelt.de inserierte Angebote. Dabei wurden ausschließlich Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Der Mietpreis spiegelt den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider – also den Preis, der bei Betrachtung aller Angebote bei dem in der Mitte gezahlt werden muss.  

Der Mieterbund Fulda und Umgebung bestätigt, dass in den vergangenen Jahren zunehmend Nachfrage für Rechtsberatungen rund um Mieterhöhungen bestehe. Neben den steigenden Mieten seien immer höhere Nebenkosten ein weiteres Problem für Mieter. „Einige Kommunen planen den Wegfall der von den Grundstückseigentümern zu zahlenden Straßenbeiträge und stattdessen eine Erhöhung der Grundsteuer“, schreibt der Mieterbund. Die Straßenbeiträge würden demnach von den Vermietern auf die Mieter abgewälzt.

Ferner stellt der Mieterbund die Frage, ob bislang auf Mieter umlegbare Nebenkosten wie Gebäude- und Haftpflichtversicherung nicht eigentlich komplett von den Vermietern getragen werden sollten. „Sie dienen allein dem Schutz des Vermieters und seines Eigentums“, lautet die Begründung der Mietervertretung.

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