Beim Autozulieferer Herbert Maschinenbau sind seit Februar 240 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.
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Beim Autozulieferer Herbert Maschinenbau sind seit Februar 240 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.

Industrie, Handel und Dienstleister betroffen

Region gegen den Bundestrend: Immer mehr Insolvenzen in Osthessen

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Herbert Maschinenbau in Hünfeld, Reifen Krieg in Neuhof, das Modehaus Schneider in Fulda, Elektro Kurzer in Burghaun – bekannte Namen gingen im ersten Halbjahr in die Insolvenz. Insgesamt ist die Zahl der zahlungsunfähigen Unternehmen in Osthessen gestiegen – gegen den Bundestrend.

  • Gegen den Bundestrend gibt es in der Region Osthessen vermehrt zahlungsunfähige Unternehmen.
  • Unternehmen, die sich wegen des Corona-Lockdowns in Zahlungsschwierigkeiten befinden, sind nicht verpflichtet, Insolvenz anzumelden.
  • Von den Insolvenzen der letzten Monate waren unter anderem der Autozulieferer Herbert Maschinenbau , Reifen Krieg in Dorfborn und XXL Kurzer aus Burghaun betroffen.

Im Kreis Fulda liegt die Zahl der Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr so hoch wie seit Jahren nicht mehr. In den Altkreisen Lauterbach und Schlüchtern ist der Wert über dem der Vorjahre. Das berichtet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Kassel / Fulda Schlegel & Busold KG.

Der Anstieg ist überraschend, da Firmen, die sich seit dem Corona-Lockdown in Zahlungsschwierigkeiten befinden, nicht mehr verpflichtet seien, Insolvenz anzumelden. Betroffen sind vor allem die Bereiche Handel, Dienstleistung, Gastgewerbe und Industrie. Deutschlandweit sinken allerdings alle registrierten Insolvenzfälle um 8,2 Prozent auf 8900 Unternehmen zum Vorjahr (2019: 9690 Fälle).

Region Osthessen gegen den Bundestrend: Gründe für vermehrte Insolvenzen nicht bekannt

Reifen Krieg in Dorfborn meldete im Februar die Zahlungsunfähigkeit an.

Warum der Trend in Osthessen in die Gegenrichtung läuft, dafür gebe es keine konkreten Gründe, erklärte die Auskunfttei.

Die deutschlandweiten Insolvenzzahlen spiegelten die wirtschaftliche Not der Corona-Krise bisher nicht wider, erklärt die Creditreform. Bei den Unternehmen führe insbesondere die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zunächst bis zum Herbst zu diesem Effekt. Zudem liefen staatliche Hilfspakete in Milliardenhöhe zur Stützung der Wirtschaft, was faktische Insolvenzen zunächst verhindere.

Zahlen

Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr

Landkreis Fulda
2016: 34
2017: 28
2018: 37
2019: 30
2020:45

Altkreis Lauterbach
2016: 9
2017: 12
2018: 3
2019: 4
2020: 6

Altkreis Schlüchtern
2016: 13
2017: 11
2018: 8
2019: 8
2020: 12

Quelle: Creditreform

Experten erklären Insolvenz-Trend: Kleinere Steigerungen wirken sich prozentual aus

„Wir können derzeit kein ungewöhnliches Insolvenzgeschehen im Landkreis Fulda feststellen“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow. Bei einer niedrigen Basis von Unternehmensinsolvenzen – laut Creditreform 45 in diesem Jahr und 36 im Vorjahr – wirkten sich kleine Steigerungen prozentual stark aus. Konow bestätigt die Aussage der Creditreform, dass durch staatliche Unterstützungsmaßnahmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht derzeit einige Unternehmen künstlich am Leben gehalten werden.

„Gemeinsam mit dem Hessischen Industrie- und Handelskammertag haben wir uns gegen eine längere Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und damit eine künstliche Verzerrung des Marktgeschehens ausgesprochen“, berichtet Konow. Die IHK blicke trotz aller coronabedingten Einschränkungen grundsätzlich positiv auf die Zukunft der breit aufgestellten Fuldaer Wirtschaft und setze auf die Selbstheilungskräfte des Marktes.

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