Neue Studie zur Lebenserwartung zeigt große Unterschiede in der Region.
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Neue Studie zur Lebenserwartung zeigt große Unterschiede in der Region.

Risikofaktor Arbeitslosigkeit

Osthessen leben länger: Neue Studie zur Lebenserwartung in der Region

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Ob man in einem „gesunden“ oder einem „ungesunden“ Kreis lebt, hat großen Einfluss auf die Lebenserwartung. Der Unterschied macht fünfeinhalb Jahre bei Männern und vier Jahre bei Frauen aus. Fulda schneidet relativ gut ab.

  • Eine Studie untersucht die Lebenserwartung in den Landkreisen in Deutschland.
  • Der Landkreis Fulda schneidet im bundesweiten Vergleich gut ab.
  • Die Unterschiede hängen wesentlich mit Arbeitslosigkeit zusammen, weniger mit der Anzahl der Ärzte.

Fulda - Dass bestimmte soziale und wirtschaftliche Faktoren Einfluss auf die Lebenserwartung haben, ist bekannt. Menschen mit geringerem Einkommen und niedrigerer Bildung leben im Schnitt kürzer als Personen mit höherem Einkommen oder einem Universitätsabschluss. Dies liegt nicht nur am Einkommen, sondern auch daran, dass bei reicheren Menschen ungesunde Verhaltensweisen seltener vorkommen – wie schlechte Ernährung, Rauchen oder übermäßiges Trinken. 

Osthessen hat hohe Lebenserwartung: Neue Studie untersucht Landkreise

Eine Untersuchung der Zahlen aller 402 Kreise in Deutschland durch Experten aus Rostock und Tallahassee (Florida) zeigt jetzt, dass auch der Wohnort großen Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Das Ergebnis: Ländliche Kreise in Ostdeutschland sowie einige Kreise des Ruhrgebiets haben eine relativ niedrige Lebenserwartung. Kreise mit relativ hoher Lebenserwartung konzentrieren sich auf Baden-Württemberg und Südbayern. Es gibt keine durchgängigen Stadt-Land-Unterschiede.

Männer in Bremerhaven haben die kürzeste Lebenserwartung, während Männer im Landkreis München erwarten können, rund fünf Jahre länger zu leben. Die niedrigste Lebenserwartung für Frauen zeigt der Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt, die höchste der Kreis Starnberg im Südwesten Münchens.

Die Forscher

Die Studie „Lebenserwartung auf Kreisebene in Deutschland“ haben Roland Rau und Carl P. Schmertmann im Deutschen Ärzteblatt, Heft 29–30 im Juli 2020 veröffentlicht. Sie haben Bevölkerungsdaten und Sterbedaten der Jahre 2015 bis 2017 für alle deutschen Kreise ausgewertet. 

Roland Rau ist Professor an der Universität Rostock und hat den Lehrstuhl für Demographie inne. Am Max-Planck-Institut für demografische Forschung leitet er die Arbeitsgruppe Mathematische Demografie. 

Carl Schmertmann ist Professor für Wirtschaft an der Florida State University (FSU)und Forscher am FSU-Center for Demography and Population Health.

Landkreis Fulda liegt bei Frauen auf Rang 75 und bei Männern auf Rang 65

In Hessen liegen der Hochtaunuskreis (bei Männern bundesweit Platz 5; 80,65 Jahre, bei Frauen Platz 6; 85,22 Jahre) und der Main-Taunus-Kreis (bei Männern Platz 14; 80,27 Jahre, bei Frauen Platz 22; 84,83 Jahre) vorn. Die kürzeste Lebenserwartung in Hessen melden Werra-Meißner (Platz 332 bei Männern; 77,76 Jahre, bei Frauen Platz 209; 83,58 Jahre) und Schwalm-Eder (Platz 294 bei Männern; 78,07 Jahre, Platz 181 bei Frauen; 83,73 Jahre).

Der Landkreis Fulda liegt mit Platz 65 bei Männern und Rang 75 bei Frauen auf guten Plätzen – besser als alle seine Nachbarkreise. Bemerkenswert:Im Vogelsberg leben Männer rund eineinhalb Jahre kürzer als im Kreis Fulda, die Frauen werden etwa gleich alt. Der Main-Kinzig-Kreis liegt in der Lebenserwartung bei Männern und Frauen nur einige Monate hinter dem Kreis Fulda. Auch die Franken in der Nachbarschaft (Kreise Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) leben im Schnitt kürzer als die Fuldaer.

Risikofaktor Arbeitslosigkeit - und Ärzte machen keinen Unterschied

Nur wenige Kilometer weiter östlich allerdings, im Wartburgkreis und im Kreis Schmalkalden-Meiningen, ist die Lebenserwartung deutlich geringer: Bei Männern beträgt der Rückstand mehr als zwei Jahre gegenüber Fulda, bei Frauen mehr als ein Jahr.

Wie erklären die Statistiker die Unterschiede? Die Experten zeigen Zusammenhänge auf: Je wohlhabender ein Landkreis ist, desto höher ist die Lebenserwartung. Sind viele Bewohner eines Landkreises arbeitslos gemeldet oder beziehen staatliche Unterstützungszahlungen wie Wohngeld, Hartz IV oder Grundsicherung im Alter, sinkt die Lebenserwartung. Bei Männern sind die Ausschläge deutlicher als bei Frauen.

Ein Ergebnis widerspricht der Erwartung deutlich: Die gesundheitliche Versorgung, gemessen an der Zahl der Allgemeinärzte pro 100.000 Einwohner, hat statistisch kaum Einfluss auf die Lebenserwartung. Bei Männern und Frauen liegt die Lebenserwartung sogar etwas niedriger, wenn es viele Ärzte gibt, in Ostdeutschland liegt sie etwas höher, wo viele Ärzte arbeiten.

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