Landwirt Andreas Baumgarten aus Ebersburg baut Raps an.
+
Landwirt Andreas Baumgarten aus Ebersburg baut Raps an.

Preisanstieg in diesem Jahr

Der gelbe „Alleskönner“: Raps-Anbauflächen werden in Osthessen weniger

  • Andreas Ungermann
    vonAndreas Ungermann
    schließen

Schwinden die gelben Felder im Frühling? Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen beklagt einen tendenziellen Rückgang beim Rapsanbau. In Osthessen hat die Pflanze in den vergangenen Jahren tatsächlich zurückstecken müssen.

Region - Die Trockenheit der vergangenen drei Jahre, Schädlingsbefall und Unkraut auf dem Feld – der Raps hat mehrere Feinde. „Und er erfordert zudem sehr viel Fleiß, Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl vom Landwirt“, erklärt Andreas Baumgarten aus Ebersburg. Auf den Feldern des Ritzelshofs, den der heute 35-Jährige 2009 übernommen hat, baut er den gelben „Alleskönner“ auf etwa einem Viertel seiner Fläche an. an. Die Anbaufläche von Raps steigt in Osthessen aktuell zwar wieder leicht an. Das Niveau von vor fünf Jahren aber ist damit lange noch nicht wieder erreicht.

Gründe sieht Baumgarten gleich mehrere: vor allem das Wetter und die langanhaltende Trockenheit und Hitze in den vergangenen drei Jahren. „Da ist vielen die Aussaat nicht gelungen und der Raps ist in der Folge nicht aufgegangen, sondern regelrecht vertrocknet“, erklärt Baumgarten. Bei großem Aufwand seien dann auch noch stagnierende Preise zu beklagen gewesen. Das hat sich mit diesem Jahr jedoch geändert, die Preise seien in diesem Jahr so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Aktuell liegt der Raps bei rund 520 Euro je Tonne, in der Spitze kam der Kurs am 29. April gar auf 681,25 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: In den Jahren zuvor wurden an der Börse im Schnitt 380 Euro und weniger aufgerufen.

Osthessen: Raps-Anbauflächen werden weniger - Rückzug des gelben „Alleskönners“

Dementsprechend haben viele Landwirte schon jetzt ihre kommende Ernte vermarktet. „Bei den Preisen in den vergangen Jahren hat sich aber für viele Kollegen die Arbeit nicht mehr gelohnt“, konstatiert der Ebersburger, der bislang in jedem Jahr „in der Regel eine zuverlässige Frucht hinbekommen“ hat.

Ganz leicht und selbstverständlich ist das – auch angesichts politischer Vorgaben – laut Baumgarten allerdings nicht. Was den Aufwand für die Landwirte zusätzlich erhöht habe, seien die Verbote mehrerer Saatgutbeizen und anderer Wirkstoffe zum Schutz des Rapses vor Schädlingen, bestätigt auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes im Vogelsbergkreis, Volker Lein. Gerade die Beizen seien aber eine gute Möglichkeit, die Pflanze widerstandsfähig zu machen, ohne Insektizide spritzen zu müssen, erläutert Baumgarten und fügt hinzu: Ohne eine Behandlung sei der Raps, für den es sonst keine Anbaubeschränkungen wie Mindestabstände zu Wohnbebauungen gebe, eben aufgrund vieler Schädlinge wie dem Rapsglanzkäfer schwer anzubauen.

Raps erfordert Fleiß, Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl vom Landwirt.

Andreas Baumgarten, Landwirt aus Ebersburg

Darüber hinaus ist es nicht nur das Unkraut, das den Pflanzen zu schaffen macht. „Der Raps ist auch nicht mit sich selbst verträglich“, sagt der Ebersburger. Angesichts dessen, dass er die Pflanze ansonsten als „Alleskönner“ bezeichnet, klingt dies für den Laien zunächst wie ein Paradoxon. Da die Saat bereits Mitte/Ende August ausgebracht werde, stehe er bis zur Ernte elf Monate auf dem Feld und bringe es insgesamt auf eine Bodenbedeckung von 13 Monaten. Daraus resultiere eine hohe Menge an Biomasse und Humusaufbau sowie eine große CO2-Bindung. Außerdem entziehe der Raps schon im Herbst dem Boden viel Stickstoff. Von gut vier Tonnen Biomasse je Hektar spricht der Ebersburger.

Raps in Zahlen

954 Hektar Raps wurden im Landkreis Fulda im Jahr 2020 angebaut, das waren 101 Hektar mehr als im Jahr zuvor. Der durchschnittliche Ertrag lag bei 3 bis 3,5 Tonnen je Hektar.

1520 Hektar Raps wurden im Main-Kinzig-Kreis – schwerpunktmäßig in den Altkreisen Gelnhausen und Hanau – im vergangenen Jahr angebaut, 456 Hektar mehr als 2019. In den Jahren zuvor lag die Anbaufläche bei 2040 Hektar (2018), 2130 Hektar (2017) und 2258 Hektar (2016).

2748 Hektar Raps wurden im Vogelsberg im vergangenen Jahr angebaut, das waren wieder 1464 Hektar mehr als im Jahr zuvor. Allerdings lagen die Flächen im Vogelsbergkreis 2018 noch bei 3495 Hektar und im Jahr zuvor gar bei 4316 Hektar.

Die Folge – und das sei einer der größten Vorteile des Raps – sei die Bodenfrucht, von der auch andere Fruchtarten profitierten. Das wiederum wirke sich auf die Fruchtfolge aus. „Das kann keine andere Pflanze leisten“, betont Baumgarten und ergänzt: „Was auf dem Boden passiert, sehen die meisten gar nicht, das sieht der Landwirt. Im Raps werden Sie, wenn Sie in der Erde graben, ganz schnell auf Regenwürmer stoßen, das ist ein Zeichen dafür, dass die Natur im Gleichgewicht ist.“ In der Folge sei für die nachfolgenden Pflanzen ein viel geringerer Düngeaufwand nötig.

Video: Der Alleskönner Raps - In welchen Produkten man ihn findet

Auf dem Ritzelshof selbst setzt der 35-Jährige darauf, dass er den Raps auf einer Fläche immer mit drei, vier Jahren Unterbrechung anbaut. „Lieber mal ein Jahr länger warten und dann dafür einen besseren Raps ernten“, lautet Baumgartens Devise.

Seiner Meinung nach sei der Raps viel zu lange als Stiefkind behandelt und viel zu spät auch für die Lebensmittelproduktion entdeckt worden. Der Vogelsberger Volker Lein, bezeichnet den Raps als wertvolle Bienennahrung, hochwertiges Rapsspeiseöl und eiweißreiches Tierfutter. Zudem leiste er als Kraftstoffzusatz im Biodiesel einen beachtlichen Beitrag zum Klimaschutz und verdränge Palmöle – wenn politisch gewollt – vom Markt und stärke somit die heimische und regionale Produktion sowie die Vermarktung.

Das könnte Sie auch interessieren