Kaum Lebensraum für Tiere

Steine des Anstoßes: Kommunen diskutieren Verbot von Schottergärten

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Für den einen sind Schottergärten Ausdruck ordentlicher Landschaftsgestaltung, für den anderen sind sie Gärten des Grauens. Eines sind sie aber in jedem Fall: ökologisch schwierig. Schottergärten bieten kaum Lebensraum für Tiere. Deshalb sind sie mancherorts auch verboten. 

Fulda - Seit Kurzem gilt in ganz Baden-Württemberg ein Verbot von Schottergärten. Auch in Osthessen diskutieren Kommunen, ob ein solches Verbot in die Bebauungspläne aufgenommen werden soll: So wurde das Thema beispielsweise vor wenigen Wochen bei Sitzungen in Petersberg und Künzell diskutiert.

Poppenhausen und Fulda haben bereits entschieden: Hier gilt ein Verbot von Stein- und Schottergärten in Baugebieten, die neu ausgewiesen werden. „In Poppenhausen ist das bereits 2019 einstimmig beschlossen worden. Wir sind eine Gemeinde mitten im Biosphärenreservat, solche Gärten passen nicht zu unserem Natur- und Umweltverständnis“, erklärt Poppenhausens Bürgermeister Manfred Helfrich (CDU). Im Ort gebe es zwar nicht viele Schottergärten. Dennoch sei es wichtig gewesen, früh zu reagieren, um den Trend zu stoppen. „Bislang hat das Verbot zu keinen Diskussionen in der Bevölkerung geführt“, ergänzt Helfrich.

Schottergärten: Neuhofs Bürgermeister sieht Verbot kritisch

Auch in Fulda wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Schottergärten in Neubaugebieten nicht erlaubt sind. Der erste Bebauungsplan, der diesen Zusatz enthält, ist der Plan für das Neubaugebiet „Am Schafacker“. Monika Kowoll-Ferger von der Magistratspressestelle verweist außerdem auf die Hessische Bauordnung: „Da heißt es, dass Grundstücksfreiflächen begrünt oder bepflanzt werden müssen“, erklärt sie. Das schließe Schottergärten aus.

Schottergäten stehen in Osthessen in der Kritik. Die Frage: Ist ein Verbot der richtige Weg (Symbolbild).

Heiko Stolz (CDU), Neuhofs Bürgermeister und Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung, findet ein Verbot schwierig: „Es ist ein Eingriff in die persönliche Gestaltungsfreiheit. Auch im Kreis der Bürgermeister haben wir darüber gesprochen.“ So sei zusammen mit Naturschutzverbänden ein Positionspapier zum Schutz der Biodiversität erarbeitet worden. „Es ist eine Handlungsempfehlung, dass Schotter- und Steingärten vermieden und Blühflächen gefördert werden sollen. Verbote wollen wir nicht aussprechen“, erklärt Stolz.

Umweltzentrum Fulda setzt beim Thema Schottergärten auf Aufklärung

Auch Alexander Sust, einer der Leiter des Umweltzentrums Fulda, hält nichts von einem Verbot: „Wenn ich jemandem etwas verbiete, handelt er ja nicht aus Einsicht“, sagt der 46-Jährige. Sinnvoller sei es aufzuklären. Eine gängige Annahme in Bezug auf Stein- und auch Schottergärten sei beispielsweise falsch: „Man denkt immer, solche Gärten machen keine Arbeit. Ganz im Gegenteil: Ein Kiesgarten ist pflegeintensiv und muss regelmäßig gerecht werden. Da braucht man ein Händchen dafür.“ Sust hat mehrere Jahre in Japan gelebt: „Dort habe ich Trockengärten mit einer feinen Ästhetik gesehen. Auch in Europa gab es zur Barockzeit schon Steingärten. Gut gemacht, sind Kiesgärten aufwendiger als Rasen“, sagt er.

Aus stadtklimatischer und ökologischer Sicht seien die meisten Schottergärten schwierig: „Ein Kiesgarten speichert die Wärme stärker als eine Wiese. Das führt dazu, dass die Städte immer heißer werden. Auch in der Nacht kühlt das nicht ab, dadurch schlafen manche Menschen schlechter und leiden an Bluthochdruck“, sagt Sust. Und natürlich hat ein Kiesgarten auch Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt: „Ein Schottergarten ist nicht per se überhaupt kein Lebensraum für Tiere, aber es lassen sich dort nur spezielle Arten nieder. Eidechsen und Schlangen mögen solche Steinwüsten. Von den Insekten kommen jedoch nur die wenigsten mit dieser Umgebung klar. Auch Schmetterlinge und Vögel tun sich an so extremen Standorten schwer“, sagt Sust.

Am besten sei ein naturbelassener Garten: „Ein Rasen, der ständig gemäht wird, ist für die Artenvielfalt auch nicht viel besser als ein Kiesgarten.“

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Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/dpa

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