"Es geht ja nicht morgen früh der Wahlkampf los. Sondern es ist einfach ganz normale Regierungsarbeit angesagt", sagt Olaf Scholz. Foto: Kay Nietfeld/dpa
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„Es geht ja nicht morgen früh der Wahlkampf los. Sondern es ist einfach ganz normale Regierungsarbeit angesagt“, sagt Olaf Scholz.

Olaf Scholz tritt an

Kanzlerkandidat und Linkskurs: Das sagen SPD-Politiker aus der Region zu den Entscheidungen in Berlin

Die Kanzlerkandidatur von Olaf Scholz stößt bei Osthessens Genossen auf große Zustimmung. Doch für die Ankündigung von SPD-Chefin Saskia Esken, sie wolle eine Mehrheit mit der Linkspartei suchen, gibt es auch Kritik. Eine Umfrage unter führenden SPD-Politikern in der Region.

  • Olaf Scholz wird Kanzlerkandidat der SPD
  • Bei Vertretern der SPD in Osthessen stößt die Entscheidung auf Zustimmung
  • An der Parteispitze gibt es aber auch Kritik

Fulda/Berlin - Er scheiterte bei der Wahl zum Parteichef, war eigentlich schon abgeschrieben. Jetzt soll ausgerechnet Olaf Scholz für die SPD die Bundestagswahl retten. Was sagen Genossen aus der Region? Und wie stehen Eine Umfrage.

Birgit Kömpel, Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Fulda sagt: „Die SPD sollte immer erst einmal für eigene Mehrheiten kämpfen und weder ein Links- noch ein Mitte-Bündnis ausschließen. Die Frage nach möglichen Regierungskonstellationen stellt sich erst nach der Bundestagswahl 2021.“

Weiter äußert Kömpel: „Ich freue mich sehr, dass Olaf Scholz vom Parteivorstand und Parteipräsidium einstimmig zum Kanzlerkandidaten nominiert wurde. Er hat in den vergangenen Monaten einen sehr guten Job gemacht. Die derzeitige Regierungsarbeit trägt auch durch ihn eine deutliche sozialdemokratische Handschrift. Sehr wertschätzend für unsere Mitglieder war, dass zunächst alle Parteimitglieder die Nachricht heute Morgen per Mail erfahren durften – bevor die Presse informiert wurde.“

Christoph Degen, Chef der SPD im Main-Kinzig-Kreis und Generalsekretär der Hessen-SPD erklärt: „Die SPD tut gut daran, außer mit der rechtsgerichteten AfD keine Koalition auszuschließen. Wenn man immer nur sagt, was man nicht will, kommt man nicht weiter.“ Degen weiter: „Dass Frau Esken grundsätzlich bereit wäre, mit Grünen und Linken über die Inhalte und Ziele einer gemeinsamen Koalition zu verhandeln, begrüße ich. Ebenso halte ich eine Koalition mit Grünen und FDP für denkbar. Eine nochmalige Neuauflage der großen Koalition, auch wenn sie derzeit eine hervorragende Arbeit macht, sollte, egal unter wessen Führung, nur als letzte Option verbleiben. Nur so können beide großen Parteien wieder stärker ihre Unterschiede deutlich machen. Die Kandidatur von Olaf Scholz begrüße ich ausdrücklich. Dass die Wahl einstimmig auf ihn gefallen ist und vor allem, dass sie so früh gefallen ist, spricht für die Geschlossenheit der SPD.“

Christoph Degen auf dem Flur der SPD-Fraktion im Hessischen Landtag.

Manfred Görig, Landrat des Vogelsbergkreises, betont: „Ich halte die Vorfestlegung auf ein Bündnis mit den Linken für einen taktischen Fehler.“ Der Vogelsberger Landrat sagt: „Derzeit wäre es wichtiger, Ziele für die SPD zu formulieren, die in die Zukunft reichen und ein klares Profil für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer darstellen. Sie erwarten von uns gerade vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Einbrüche durch die Coronakrise klare Aussagen. Wir bespielen seit Jahren alle Nebenkriegsschauplätze dieser Republik und denken zu wenig an unsere Kernwähler. Es wäre klüger, zuerst darum zu kämpfen, die SPD so stark wie möglich zu machen, und dann zu sehen, mit wem man seine Inhalte am ehesten verwirklichen kann. Für mich ist Olaf Scholz erste Wahl für die Kanzlerkandidatur. Er hat einen wirklichen guten Finanzminister und Vizekanzler abgegeben! Mit ihm hat die SPD die Chance, gut abzuschneiden.“

Jonathan Wulff, Vorsitzender der SPD-Fraktion in Fulda, sagt: „Ich finde es schade, dass die SPD-Bundesspitze nicht unsere Erfolge und das Erreichte in der großen Koalition in Berlin herausstellt, sondern das, was noch nicht gelungen ist.“

Wulff betont zugleich: „Richtig ist aber, dass man in einem Linksbündnis Dinge durchsetzen kann, die mit der Union derzeit nicht gehen, etwa die Einführung einer Bürgerversicherung oder die Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Für Koalitionsaussagen ist es mir jetzt aber viel zu früh. Olaf Scholz ist der richtige Kanzlerkandidat, denn er steht für eine erfolgreiche Wirtschaft und eine gerechte Verteilung der Lasten.“ (vn/dpa)

Weitere Stimmen von SPD-Politikern aus der Region lesen Sie in der Dienstagausgabe der Tageszeitung und im E-Paper.

Lesen Sie hier: Neue Vorsitzende: Kömpel übernimmt Unterbezirk Fulda

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